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Auf der Suche nach dem Unternehmergeist

Autor: Sonja Hausmanns |
Foto: Bettina Engel-Albustin
Die diesjährige Haniel Group Conference stand unter dem Motto „Act as an Entrepreneur“. Haniel-Chef Stephan Gemkow empfahl den Führungskräften, öfter mal den Manager in sich Zuhause zu lassen.

 

„Wer von Ihnen glaubt, wie ein echter Unternehmer zu handeln?“ Mit dieser Frage eröffnete Haniel-Chef Stephan Gemkow vergangenen Donnerstagabend die diesjährige Group Conference. Nur wenige der rund 100 Führungskräfte hoben daraufhin ihre Hände – für Gemkow keine Überraschung: „Von unserer Prägung und unserer Ausbildung her sind wir alle Manager, keine Unternehmer.“ Für den weiteren Erfolg von Haniel sei es jedoch wichtig, dass jede Führungskraft bei Haniel mindestens einmal in der Woche den Manager Zuhause lässt und dafür den Unternehmer in sich rausholt, wie Gemkow betonte. Für ihn sind es drei wesentliche Charakteristika, die einen Unternehmer ausmachen: Er ist innovativ beziehungsweise fördert Innovation. Er geht wohl überlegt Risiken ein. Und er kennt sich aus im zunehmend verwirrenden Geflecht der Compliance-Regeln.

Wer suchet, der findet nicht

Im Fokus des ersten Konferenztages stand das Thema Innovation – eine Fähigkeit, die bei Haniel laut Gemkow derzeit etwas verschüttet ist. Er forderte daher alle Teilnehmer aus, offen zu sein und Neues auszuprobieren. Es gehe bei Innovation darum, Dinge zu finden, die man vorher nicht gesucht hat, wie Gemkow anhand einiger Beispiele erläuterte: „Porzellan entstand bei dem Versuch, Gold herzustellen. Viagra war ursprünglich ein Herzmittel. Columbus entdeckte Amerika, obwohl er Indien gesucht hatte. Und Conrad Röntgen beschäftigte sich eigentlich mit einem völlig anderen Thema, als er zufällig die nach ihm benannten Strahlen fand.“ Allerdings falle es dem Manager naturgemäß schwer, einfach loszugehen, scheinbar ohne Ziel „weil wir auf eine betriebswirtschaftliche Verwertungslogik getrimmt sind.“

Gescheiterte Unternehmer – gute Mitarbeiter!?

Um neue Perspektiven zu eröffnen, hatte Haniel zur Group Conference eine ganze Reihe hochkarätiger Redner eingeladen, viele von ihnen erfolgreiche Unternehmer. So etwa Dr. Martin Enderle, der in seiner Keynote am Donnerstagabend erzählte, wie er mit der Scout 24-Gruppe – von Immobilien bis Partnervermittlung – ein völlig neues Online-Geschäftsmodell geschaffen hat. Am zweiten Tag standen dann sieben, teilweise parallel laufende Foren auf dem Programm. Ein Konzept, das schon im vergangenen Jahr großen Anklang bei den Teilnehmern gefunden hatte. In diesem Jahr war zum Beispiel Dr. Theodor Ackbarow mit dabei, der mit seinem Unternehmen Sushi.Wrap die deutsche Fast-Food-Landschaft verändern will. Ein weiteres Forum gestaltete Prof. Dr. Heike Grimm, die an der Willy Brandt School in Erfurt künftige Sozialunternehmer ausbildet und mit zwei ihrer Studenten anreiste. Und so sind es nicht zuletzt junge Leute, von denen sich auch Stephan Gemkow neue Impulse für das Unternehmen erhofft. Deshalb forderte er dazu auf, die Einstellungspolitik zu überdenken: „Es muss nicht immer der Business-School-Absolvent die erste Wahl sein. Sondern vielleicht der ehemalige Jung-Unternehmer, der zwar mit seinem Start-up grandios gescheitert ist, daraus aber eine Menge gelernt hat.“