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Diversity – eine Frage der Führung

Autor: Thomas Schmidt
Haniel CEO Thomas Schmidt teilt seine Gedanken zum Diversity im Business-Kontext.

Diese Woche war deutscher Diversity-Tag – und er ist fast unbemerkt vorübergegangen. Als Mitglied des Stiftungsrats der AllBright-Stiftung und vor dem Hintergrund meiner persönlichen Erfahrung denke ich: Wir haben hier ein Problem!

Deutschland ist ein Entwicklungsland, wenn es um Diversity in der Wirtschaft geht. Falls Sie die Zahlen nicht im Kopf haben, hier sind sie: Nur 14,7 Prozent der Vorstandsmitglieder in den DAX30-Unternehmen sind Frauen, im SDAX sind es lediglich 5,4 Prozent.

Zur gleichen Zeit – und das ist das Merkwürdige daran – ist es allgemein bekannt, dass Teams mit unterschiedlichen sozialen Hintergründen und unterschiedlichen Geschlechtern erfolgreicher sind als homogene (McKinsey hat es mit einer neuen Studie gerade noch einmal bewiesen, dass Unternehmen mit einem hohen Frauenanteil im Top-Management mit 25 Prozent höherer Wahrscheinlichkeit profitabler sind als der Durchschnitt).

In US-Unternehmen, in denen ich sehr lange gearbeitet habe, ist eine integrative Unternehmenskultur alltäglich.

Was läuft also in Deutschland schief?
Für mich ist das eine Frage von Führung und Mindset – und mangelndem Change-Management. Ein hohes Maß an Vielfalt ist eine Herausforderung und erfordert ausgeprägte Führungsqualitäten. Es ist viel schwieriger, die Ansichten und Meinungen eines alleinerziehenden Vaters, der im Home-Office arbeitet, eines Teilzeitstudenten, der gleichzeitig seine Master-Thesis schreibt, und einer berufstätigen Mutter, die rechtzeitig gehen muss, zusammenzufügen – anstatt nach der Arbeit mit dem ganzen Team ein Bier trinken zu gehen und um zehn Uhr in der Bar die wichtigsten Geschäftsentscheidungen zu treffen. Man muss aufmerksamer gegenüber seinem Team sein, mehr kommunizieren, klarere Ziele setzen und schneller reagieren, wenn die Ziele nicht erreicht werden.

Und wenn etwas schwierig ist, neigen die Leute dazu, in ihrer Komfortzone zu bleiben. Ohne jeglichen Druck von außen – sei es von der Regierung, von Investoren oder von anderen Parteien – und ohne einen anständigen Ansatz, dies zu ändern, werden wir alle in unserer Komfortzone bleiben; als Manager ebenso wie als Gesellschaft.

Nachdem wir bei Haniel mehr als ein Jahrzehnt lang hinter den Erwartungen zurückgeblieben waren, hatten wir einen gewissen Druck, und wir haben die Gelegenheit zur Erneuerung genutzt. Mit Doreen Nowotne haben wir nun ein familienfremdes Mitglied und zum ersten Mal eine Frau an der Spitze unseres Aufsichtsrats. Nachdem wir uns explizit auf die Rekrutierung von Frauen für unser erweitertes Führungsteam in der Haniel-Holding konzentriert haben, besteht dieses nun aus vier Männern und vier Frauen. In unseren Geschäftsbereichen sind wir noch nicht dort, wo wir hinwollen, werden das Thema aber weiter vorantreiben.

Denn für uns geht es bei Diversity nicht nur darum, Frauen fair zu behandeln und Chancengleichheit zu schaffen, sondern auch darum, unsere Ziele schneller und verlässlicher zu erreichen – und Wert für Generationen zu schaffen. Und für mich geht es schließlich auch darum, sich von unterschiedlichen Sichtweisen inspirieren zu lassen und Spaß an dem zu haben, was wir angefangen haben – nicht nur am deutschen, amerikanischen oder internationalen Diversity-Tag, sondern auch während des restlichen Jahres! #futureworthliving #creatingvalue #enkelfähig


Seit Mai 2020 gehört Thomas Schmidt dem Stiftungsrat der deutsch-schwedischen AllBright Stiftung an. Die Stiftung setzt sich für mehr Frauen und Diversität in den Führungspositionen der Wirtschaft ein. Gleiche Karrierechancen für Männer und Frauen und bessere Unternehmensresultate durch gemischte, moderne Führungsteams sind das Ziel ihrer Arbeit. Die privat finanzierte Stiftung wurde 2011 in Stockholm vom schwedischen Unternehmer Sven Hagströmer ins Leben gerufen, seit März 2016 gibt es eine deutsche Schwesterstiftung in Berlin.