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Ein soziales Silicon Valley

Foto: Jürgen Nobel
Bereits seit einem Jahr arbeiten Gründer im Social Impact Lab am Franz-Haniel-Platz an ihren sozialen Geschäftsideen. Dirk Sander, Standortleiter, resümiert im Interview eine ereignisreiche Zeit.

Schon mehr als ein Jahr ist vergangen, seit der Startschuss für das Social Impact Lab am Franz-Haniel-Platz gefallen ist – was ist seitdem passiert?
Im März haben wir die ersten sechs Teams aufgenommen. Mit denen haben wir unser AndersGründer-Programm noch ein bisschen geübt – schließlich mussten wir uns hier erst eine Infrastruktur aufbauen: Mentoren, Referenten, Beratungsangebote. Im ersten Jahr haben wir insgesamt vier Mal neue Teams aufgenommen, bis heute insgesamt 23 Teams. Auch zunehmend mehr aus Duisburg: Am Anfang hatten wir gar keine Gründer aus Duisburg, jetzt haben wir schon einige Teams die aus Duisburg kommen und auch hier gründen. Auch von Haniel-Mitarbeitern werden wir in vielen Bereichen unterstützt. Unsere Teams sind sehr erfolgreich und haben viele Preise abgeräumt.

Was war der Höhepunkt des Jahres?
Es gab viele, aber ein großer war sicherlich der ImpactSummit, den wir im Rahmen der Start-up-Konferenz RuhrSummit im August veranstaltet haben. Es war die größte Start-up- und Social-Start-up-Konferenz in der Region. Damit haben wir rund 1000 Gründungsinteressierte erreicht. Als Redner und Gäste konnten wir Vorstände großer Konzerne, Kapitalgeber und prominente Sozialunternehmer gewinnen. Das war für unsere Stipendiaten eine wichtige Plattform, um ihre Ideen vorzustellen und sich zu vernetzen. Weil sie so erfolgreich war, werden wir die Veranstaltung 2017 wiederholen.

Jeder Anfang ist auch schwer – welche Herausforderungen mussten Sie bewältigen?
Weil wir das Gebäude aufgrund von gesetzlichen Auflagen erst später als geplant beziehen konnten, konnten wir erst im Juni offiziell eröffnen. Von Oktober 2015 bis Juni 2016 hatten wir deshalb acht Monate eine Interimszeit, in der wir noch nicht an die Öffentlichkeit gehen konnten. Das war sehr schwer. Ich musste das Lab aufbauen, Mentoren und einen Fachberaterpool gewinnen. Das geht nur, wenn man bekannt ist. Am Ende ist es mir aber ganz gut gelungen. Trotzdem sind wir immer noch im Prozess und haben immer Bedarf für weitere Mentoren oder Unterstützungsangebote. Bei den Teams sah es auch nicht immer nur rosig aus. Wir qualifizieren die Teams, damit sie mit ihrer Geschäftsidee vorankommen. Sie erhalten aber keine finanzielle Förderung, sondern müssen ihren Lebensunterhalt selbst bestreiten. Manche werden von anderen Stiftungen zusätzlich gefördert oder haben was zurückgelegt. Bei anderen ist es zwischendrin sehr eng geworden. Wenn wir in dem Team genug Potenzial sehen, überlegen wir aber, was wir da machen können, damit die Gründer diese Saure- Gurken-Zeit überbrücken können

Was hat sich seitdem in der Region getan?
In der Start-up-Szene sind wir mittlerweile angekommen, die wichtigen Stakeholder sind auf uns aufmerksam geworden, wir werden zu Veranstaltungen eingeladen. Als Mitorganisator des RuhrSummits haben wir quasi den Ritterschlag bekommen. Die entscheidenden Leute an den Schnittstellen wissen nun, wer wir sind und was wir machen, obwohl viele von ihnen vor einem Jahr mit dem Begriff Social Entrepreneurship noch gar nichts anfangen konnten. Insgesamt ist die Start-up-Szene im Ruhrgebiet definitiv in Schwung gekommen. Wir arbeiten viel mit der Universität Duisburg-Essen zusammen, machen gemeinsame Workshops zum Thema Social Entrepreneurship. Auch in der Politik haben wir uns einen Namen gemacht: Ich bin Mitglied der CSR-Kommission des Wirtschaftsministeriums geworden und hatte so die Chance, dem Staatssekretär unsere Vorschläge zu unterbreiten, wie man die politischen Rahmenbedingungen und die Visibilität von Social Entrepreneurship verbessern kann. Im Januar waren wir gleich zwei Mal im Landtag zu Gast.

Welche Pläne haben Sie für 2017?
Erstmal wollen wir uns stabilisieren und das Niveau auch halten. In diesem Jahr werden noch einmal 20 Teams hinzukommen, die wir alle drei Monate auswählen. Außerdem wollen wir die Qualität weiter hochschrauben und in der Region bekannter werden. Auch an den Rahmenbedingungen für Social Entrepreneurship wollen wir weiterarbeiten, zum Beispiel beim Thema Finanzierung, weil das in ganz Deutschland immer noch ein Stiefkind ist.

Und darüber hinaus gedacht, was wünschen Sie sich für die Zukunft?
Ich wünsche mir für die Region, dass wir einen Einfluss auf die Entwicklung haben, von Ruhrort aus über Duisburg bis in den ganzen Pott. Warum soll aus Ruhrort nicht ein Ort werden, wo kreative Geschäftsmodelle an den Start gehen? Es ist ein attraktiver Stadtteil, dafür hat auch Haniel viel getan. Wir haben hier Leerstand, Platz für Pop-up-Stores, also Läden, in denen Unternehmer ihre Idee über einen kurzen Zeitraum testen. Ruhrort könnte ein Spielfeld für angehende Unternehmer sein, wo sie Unternehmertum lernen. Wenn vor Ort eine Gründerkultur entsteht, kommen auch Cafés und Kunden hier hin und die Qualität des Standorts wird verbessert. Meine Vision ist, dass dieser Ruf ins ganze Ruhrgebiet ausstrahlt.  So befeuert ein Prozess den anderen, bis wir hier unser eigenes kleines Silicon Valley haben.

Gemeinsam mit der gemeinnützigen Social Impact gGmbH, der Prof. Otto Beisheim Stiftung und der KfW Stiftung hat Haniel 2015 ein Gründungslabor für Sozialunternehmer in Duisburg ins Leben gerufen, das Social Impact Lab. Start-Up-Unternehmer, die mit ihren Geschäftsideen gesellschaftliche Herausforderungen lösen, erhalten für acht Monate ein Stipendium, das professionelle Beratung, Coaching, Workshops und die notwendige Arbeitsinfrastruktur umfasst.