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Frischer Wind für Schrott und Schreibtisch

Autor: Janina Groffmann |
Foto: thyssenkrupp AG
Zwei abwechslungsreiche Tage, 46 spannende Pitches und 19 Sieger : Bei Beyond Conventions haben sich ELG und die TAKKT-Tochter Certeo gemeinsam mit anderen Unternehmen auf die Suche nach Start-up-Ideen gemacht.

Schacht One, thyssenkrupp, innogy, die Funke-Mediengruppe und Open Grid Europe haben gemeinsam den Start-up-Wettbewerb Beyond Conventions ins Leben gerufen. Jedes der Unternehmen suchte nach digitalen Lösungen für Challenges aus dem operativen B2B-Geschäft. Start-ups konnten sich darauf bewerben. Am 21. und 22. Februar waren die besten Bewerber zum Pitch ins Hauptquartier von thyssenkrupp in Essen eingeladen.

Von Gold zu Schrott

Die Challenge von ELG: Wie können Metallschrotte, die auf dem Platz angeliefert werden, einfacher, schneller und günstiger analysiert werden? Die Legierungen bestehen aus mehreren verschiedenen chemischen Elementen. Um herauszufinden, was zu welchem Anteil drin ist und um daraus die Preise zu kalkulieren, müssen die Mitarbeiter Proben nehmen, einschmelzen und diese mit teuren Geräten analysieren. Gewinner dieser Challenge ist Bipolymer Systeme aus Düsseldorf. Gründer Martin Huber nutzt die Leitfähigkeit der verschiedenen Legierungen, um deren individuellen „Fingerabdruck“ zu erstellen und auf diesem Weg zu unterscheiden. Diese Technik findet in ähnlicher Form auch in der Prüfung von Gold ihre Anwendung. „Mir macht das Bearbeiten anspruchsvoller Probleme viel Spaß. Ich finde gerne kreative Lösungen und freue mich deshalb auf die Zusammenarbeit mit ELG“, sagt Martin Huber. Auch Magnus Voelkner, der bei ELG für das Projekt verantwortlich ist, freut sich auf die Zusammenarbeit: „Wir sind von seinen Ideen und der kreativen sowie innovativen Herangehensweise begeistert. Martin hatte zwar weder ein bereits existierendes Produkt in der Hinterhand, noch kommt er aus der Stahlbranche, aber er hat sich unserer Challenge gestellt, weil er sie genauso spannend findet wie wir auch.“ Noch am gleichen Nachmittag hat das Team mit dem Gründer die weitere Zusammenarbeit geplant. In den neuen Räumen der ELG-Digitaltochter EIE starten unverzüglich die Tests und die Entwicklung der Analyse- und Prüfverfahren.

 

Der Tisch, der alles kann

Wir nutzen Technologien wie Internet of Things, Sensortechnologie und Sprachsteuerung immer mehr im Alltag – die Produkte von Certeo aber noch nicht. Das wollte die TAKKT-Tochter ändern: Büromöbel und Betriebsausstattung sollen smart und persönlich werden, sodass es Spaß macht, mit ihnen zu arbeiten. Nach vier Pitches gewann Smartfurniture mit dem smarten Tisch Eliot. Der höhenverstellbare Schreibtisch kann nicht nur während dem Arbeitstag die Aktivität per App tracken, sondern sich auch mit Alexa, Apple Homekit oder Google Home verbinden. Außerdem kann man ihn mit verschiedenen, bunten Covern ganz einfach individuell gestalten. „Wir haben die letzten zwei Jahre an Eliot entwickelt und sind sehr froh ausgewählt worden zu sein“, sagt Jörg Sahlmann von Smartfurniture. „Die Partnerschaft mit Certeo ist ein maximaler Glücksgriff, da wir nun einen erfahrenen Partner an unserer Seite haben, der sich kompetent dem Onlinevertrieb annehmen wird.“ Das sieht auch Philipp Haferkamp von Certeo so: „Smartfurniture war am nächsten an unserem Geschäftsmodell und hatte sein Produkt schon am weitesten entwickelt. Wir sind wirklich sehr froh mit Smartfurniture bald einen der innovativsten Bürotische in Europa verkaufen zu können“, sagt er. „Wir haben direkt am Freitag danach die weitere Zusammenarbeit mit Smartfurniture definiert und bereits gestartet. In Kürze starten wir mit den ersten Aktionen.“

 

Impulse aus Politik und Digitalszene

Neben den beiden Challenges der Haniel-Geschäftsbereiche pitchten Start-ups ihre Ideen für 17 weitere Herausforderungen der

anderen Unternehmen. Außerdem gab es ein Rahmenprogramm mit verschiedenen Vorträgen. Essener Oberbürgermeister Thomas Kufen und Andreas Pinkwart, NRW- Minister für Wirtschaft, Innovation, Digitalisierung und Energie, lobten das Engagement der Unternehmen und versprachen, gute Bedingungen für Gründungen und Innovation in der Region zu schaffen. Andy Goldstein, der auch schon das Haniel Leadership Lab moderiert hat, führte durch die Veranstaltung und sorgte für Denkimpulse: „Wenn ihr denkt, dass ihr erst noch eine Idee, ein Team oder Geld braucht, bevor ihr gründen könnt, werdet ihr niemals gründen. Du wirst ein Entrepreneur in der Minute, in der du dich dafür entscheidest und voll dahinterstehst. Denkt an eine Fliege, die immer wieder gegen eine Fensterscheibe fliegt und so nicht rauskommt. Sie müsste nur ihre Strategie ändern, und andere Richtungen ausprobieren. Was ist euer Fenster?“

Beim Vortrag von zwei Google-Mitarbeitern kamen die Unternehmensvertreter ebenfalls ins Nachdenken: „Deutsche Unternehmen lieben ihre Geschäftsmodelle, weil sie erfolgreich sind“, sagte Stefan Henschel, Industry Lead, „Die größte Herausforderung ist deshalb, das Geschäftsmodell zu verändern, solange es noch funktioniert.“ Und sein Kollege Steffen Kramer ergänzte: „Die Unternehmenskultur ist der wichtigste Faktor. Es reicht nicht, einen CDO einzustellen. Das ganze Management und alle Mitarbeiter müssen die Digitale Transformation leben. Fehler müssen dabei erlaubt sein, solange man aus ihnen lernt.“

Nach zwei ereignisreichen Tagen zogen Unternehmen und Start-ups ein Fazit: „Ich fand die Veranstaltung sehr gelungen und es war besonders schön zu sehen, dass sich Großunternehmen in einer Region zusammengetan haben, um das Thema Innovation und Digitalisierung weiter voran zu treiben. Allerdings wurde auch deutlich, dass noch sehr viel getan werden muss, damit sowohl die Region wie auch die Unternehmen als Gewinner aus der Digitalisierung hervorgehen werden“, sagt Philipp Haferkamp von Certeo. Auch Laszlo Juhasz von Schacht One, der das Event zusammen mit den anderen Unternehmen organisiert hat, ist sehr zufrieden: „Wir haben im Vorfeld super mit den Kollegen in den Geschäftsbereichen und den anderen Unternehmen zusammengearbeitet. Jeder hat seine Ideen eingebracht und wir haben sie gemeinsam weiterentwickelt. Wir haben viele tolle Start-ups gesehen und daraus auch gelernt: Trotz der relativ konkreten Challenges dürfen wir nicht zu starr denken, sondern uns auf Ideen einlassen.“ Beyond Conventions 2019 ist bereits in Planung. Dafür hat Martin Huber von Bipolymer Systeme noch eine Anregung: Die Veranstaltung hat mir sehr gut gefallen und die Vorträge waren sehr gut. Ich hätte mir aber insgesamt mehr Zeit für die Start-Ups gewünscht, weil man sich gar nicht alle anhören konnte.“