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„Geheime Superpower“

Autor: Alexandra Hildebrand |
Foto: Okba Hazeem
Ein Interview über die Höhen und Tiefen des SIL-Stipendiaten Fabian Beeren, der mit seinem Start-up REC-Mobil alle Erwartungen übertroffen hat.

Fabian Beeren gründete sein Unternehmen REC-Mobil im August 2015. Damals hatte er nicht viel mehr als die Idee, mit Musik-Workshops Kindern aus bildungsfernem Umfeld zu neuem Selbstvertrauen zu verhelfen. Wie Fabian es geschafft hat, jetzt von seinem Start-up leben zu können und welche Steine er auf dem Weg dahin wegräumen musste, erzählt er im Interview.

Wie hat sich REC-Mobil entwickelt? Wie war es zu Anfang und wie sieht deine Arbeit jetzt aus?
Meine Selbstständigkeit fing mit einem halbjährigen Gründerseminar der Uni Duisburg-Essen an – dem Griid-Programm. Am Ende dieser sehr lehrreichen Zeit musste ich einen Businessplan vorstellen, mit dem ich tatsächlich als Bester prämiert wurde. Das hat mir einen richtigen Motivationskick gegeben und so habe ich im August 2015 REC-Mobil gegründet. Dafür habe ich meinen Job an der Uni gekündigt, an dem ich zwar Spaß hatte, der mich aber einfach nicht erfüllt hat. Gerade in der Anfangszeit war ich ziemlich pleite und wusste oft nicht, wie ich meine nächste Miete bezahlen soll. Mittlerweile ist REC-Mobil so gut wie ausgebucht, wir arbeiten nächste Woche sogar drei neue Mitarbeiter ein.

Welche Opfer musstest Du bringen, um in dieser Zeit so eine Entwicklung hinzulegen?
Ich habe im letzten Jahr eigentlich meine komplette Freizeit geopfert. Ich wusste, dass das eine Phase ist und irgendwann endet. Da musste ich durch, aber easy war das nicht. Ich habe mir kaum Zeit für mich, meine Hobbies oder meine Beziehung eingeräumt. Jetzt ist alles gut und wir haben das zusammen durchgestanden.

Gab es Zeiten, in denen Du alles hinschmeißen wolltest?
Nein. Aber es gab mehrere Situationen, in denen es einfach zu viel wurde. Man kann nicht ein Jahr lang hundert Prozent geben – das musste auch ich einsehen. Kurz vorm Burnout habe ich die Handbremse gezogen und bin spontan ein paar Tage zum Klettern nach Frankreich gefahren. Kurztrips sind für mich eine gute Art, alles loszulassen, sich um nichts kümmern zu müssen und trotzdem nicht den Überblick zu verlieren.

Gab es noch weitere Tiefpunkte, die du überwinden musstest?
Ein gravierender Tiefpunkt war, als mir letztes Jahr vor den Sommerferien mein Kollege abgesprungen ist. Wir hatten kurz danach drei Workshops geplant und plötzlich stand ich alleine da. Da musste ich innerhalb kürzester Zeit ein neues Team zusammensuchen. Am Ende war es gut – jetzt habe ich voll motivierte Teammitglieder mit pädagogischem Background, die neue Ideen und Fähigkeiten mitgebracht haben. Wir haben unser Konzept dahingehend überarbeitet und können jetzt eine noch bessere Qualität für die Kinder anbieten.

Was hat Dir in solchen Situationen die Kraft gegeben, weiterzumachen?
Ich habe viel Unterstützung bekommen: von meiner Familie, Freunden und meiner Partnerin, die mich zwar alle das letzte Jahr nicht mehr so regelmäßig gesehen haben, aber dennoch immer hinter mir standen. Auch wenn sie sich anfangs vielleicht gar nicht richtig vorstellen konnten, was ich da mache. Außerdem hatte ich immer mein Ziel vor Augen: Den Kindern, die denken, dass sie Looser sind, weil sie innerhalb des renovierungsbedürftigen deutschen Schulsystem nicht klarkommen, neues Selbstbewusstsein zu geben. Wenn die Kids bei unseren Workshops zum ersten Mal ihre geheimen Superpower kennenlernen und selbst überrascht sind – das ist schon ein wahnsinniges Gefühl.

Gibt es etwas, was Du im Nachhinein anders machen würdest?
Da gibt es einiges. Ich habe so viel gelernt in den letzten Monaten – auch, weil vieles eben nicht immer so lief, wie ich es geplant hatte. Ich würde mich auf jeden Fall schneller von Mitarbeitern trennen, bei denen ich merke, dass sie nicht mit Herzblut dabei sind.

Was waren deine Höhepunkte?
Einer kam recht schnell nach dem Tiefpunkt, den ich gerade genannt habe: Mit einem neuen Team habe ich in den letzten Sommerferien drei sehr coole Workshops geleitet und tolle Resultate erzielt. Am Ende der Ferien hatten wir einen fünfstelligen Umsatz erzielt – das war auf jeden Fall ein Höhepunkt. Bei der Arbeit im Social Impact Lab haben wir oft unser Konzept und unsere Ergebnisse zu präsentiert. Wir haben teilweise sehr emotionales und ehrliches Feedback bekommen – sowas ist natürlich auch immer ein tolles Feeling. Aber die richtigen Höhepunkte finden eigentlich unmittelbar bei der Arbeit statt: Wenn ich sehe, wie die Kinder, die nicht an sich glauben, aus sich rauskommen – das Gefühl kann ich in Worten gar nicht beschreiben.

Was gibst du anderen Gründern mit auf den Weg?
Ich würde raten, sich immer bewusst zu machen, wofür man sich gerade so ins Zeug legt, um Motivationstiefs zu überbrücken. Außerdem sollte man mit nichts an die Öffentlichkeit gehen, was noch nicht reif ist. Es gibt vieles vor einer Gründung abzuklären, auch Rechtliches. Wenn man das vernachlässigt, geht man mit einem verwundbaren Unternehmen an den Markt – dann kann es schnell Probleme geben. Das Scheitern ist auch ein wichtiges Thema. Gründer dürfen Rückschläge und Tiefs – auch wenn es schwerfällt – nicht als Schlag ins Gesicht wahrnehmen, sondern als etwas, woraus man lernt. Falsche Entscheidungen trifft man nicht zweimal.