Aktuelles

Geht nicht gibt’s nicht

Autor: Dr. Katharina Janke |
Foto: Julia Sellmann
Groß denken und im Kleinen tüfteln: Auf diese Weise machen Erfinder unsere Welt immer besser. Einer von ihnen ist Martin Huber, der unter dem Dach des Haniel-Unternehmens ELG an neuen Ideen feilt

Er ist kaum zu bremsen. Sein Geist steht nicht still, verknüpft Tausende Puzzleteile seines Wissens zu etwas Neuem. Verblüffend ist fast alles, was Martin Huber macht. „Es gibt ein Problem und ich löse es“, sagt er trocken. So auch beim Startup-Wettbewerb Beyond Conventions 2018. Hier lautete die Herausforderung des Rohstoffrecyclers ELG: Wie kann Metall, das auf unseren Schrottplätzen angeliefert wird, einfacher, schneller und günstiger analysiert werden? Martin Huber erfand in nur einem Tag einen Prototyp, der – basierend auf der Leitfähigkeit der verschiedenen Legierungen – einen „Fingerabdruck“ des Materials erstellt.

Noch am selben Nachmittag haben Huber und das ELG-Team beschlossen, weiter zusammenzuarbeiten. „Seine Herangehensweise hat uns unglaublich beeindruckt, zumal er keinerlei Vorwissen in der Stahlbranche hatte“, erinnert sich Florian Kriependorf, Chief Digital Officer bei ELG. Hubers Erfindung wird inzwischen von einem anderen Unternehmen zur Marktreife gebracht. Mit ELG ist er dennoch in Verbindung geblieben: Der 29-Jährige hat sich bei der firmeneigenen Ideenschmiede EIE Services eingemietet. Hier forscht er – und er ist ambitioniert: „Ich werde der Energiegewinnung der Zukunft zum Durchbruch verhelfen.“ Was sich fast ein wenig größenwahnsinnig anhört, ist durchaus nicht unrealistisch.


Florian Kriependorf, Chief Digital Officer bei ELG, im Video-Interview:


Schon im Studium hatte sich Huber gefragt, warum noch niemand das Prinzip des Bimetalls auf Kunststoffe übertragen hat. Dabei werden Schichten unterschiedlicher Metalle verbunden und verbiegen sich unter Hitze. Huber entwickelte einen Kunststoff mit ähnlichen Eigenschaften. Ein Forschungsinstitut hat ihm die Wirkung seines Bipolymers jüngst bestätigt: Bei der Verformung entstehen Tonnenkräfte, die in Energie umgewandelt werden können. Chemieunternehmen tüfteln bis zu zehn Jahre an einem solchen Produkt – Huber hat zwei dafür gebraucht. „Dabei habe ich erkannt, dass Materialforschung mein Ding ist.“ Seine begonnene Doktorarbeit über Laser-Applikationen bricht er ab, stattdessen gründet er sein Unternehmen poligy. Seit 2016 ist sein Kunststoff in Deutschland international patentiert.

Martin Huber

„Man kann alles erfinden, was man will“

Martin Huber

„Als Kind habe ich mit meinem Großvater getüftelt und gebaut. Er war Textilingenieur und ich bin ihm angeblich wie aus dem Gesicht geschnitten“, erzählt Huber. Erfinder wollte er schon immer werden. Seine Eltern sind zunächst skeptisch, lassen ihn dann aber machen. Mit 16 wählt er als Einziger den Biochemiekurs an seiner Schule. „In dieser Zeit habe ich eine Navigations-App programmiert. Da gab es noch keine Smartphones.“ Später studiert er Chemie und macht parallel eine Ausbildung in einem Kunststoffwerk von Bayer. „Der Elfenbeinturm ist nichts für mich. Ich liebe es, selbst Hand anzulegen, zu schrauben und zu werkeln.“Das macht er nun in seiner Werkstatt bei EIE, die ursprünglich als Fahrradraum gedacht war. Sein Reich misst 40 Quadratmeter, vollgestopft mit allerlei Wundermaschinen und Tüftlerwerkzeug. Neben dem ELG-eigenen Start-up remetal.de sind weitere Gründerteams bei EIE eingezogen. Und Martin Huber mittendrin. „Wir profitieren von seinen Ideen und dem kreativen Austausch“, sagt Florian Kriependorf. „Es bringt uns bei der Entwicklung eigener Geschäftsmodelle weiter.“


Martin Huber im Video-Interview: Was macht poligy?


„Ich träume davon, dass meine Bipolymer-Erfindung so richtig durch die Decke geht“, fasst Huber sein Ziel zusammen. Es geht ihm um Anerkennung. „Geld ist weniger wichtig für mich.“ Neue Anwendungsfelder reizen ihn, zum Beispiel in der Medizintechnik: Eine Anfrage für einen Stent – ein Metallröhrchen, das sich bei Wärme passgenau in den verengten Herzkranzgefäßen ausbreitet – hat er in drei Tagen umgesetzt. „Eine große Erfindung ergibt sich aus vielen kleinen Erfindungen“, betont der emsige Tüftler. „Letztlich kann man alles erfinden, was man will.“ Die Finanzierung seines Unternehmens hat er im vergangenen Mai auf die nächste Stufe gestellt – mit Wertpapieren auf Basis von Kryptowährungen. Martin Hubers Start-up ist eines der ersten drei Unternehmen in Deutschland, das dieses neue, behördlich genehmigte Verfahren nutzt. Frisches Geld für schlaue Ideen.


TÜFTELN & VERBESSERN

EIE Services ist die Innovationseinheit des Rohstoffhändlers und -recyclers ELG, eines Unternehmens der Haniel-Gruppe. EIE verbessert Prozesse im Kerngeschäft und entwickelt neue Geschäftsmodelle im Bereich der Sekundärrohstoffe. Ein Beispiel dafür ist www.remetal.de. Über die Webseite können Privatpersonen und Kleinunternehmer ihre Altmetalle unkompliziert abholen lassen – und werden dafür fair bezahlt. Außerdem bietet ELG mit www.deinschrottplatz.de ein Suchportal für nahe gelegene Schrottplätze.