Aktuelles

So geht Wandel für die Zukunft

Autor: Elena Brenk-Lücke |
Foto: Tobias Wandres (Illustration)
Vernetzung auf allen Ebenen stellt die traditionelle Wirtschaft vor große Herausforderungen. Haniel nimmt sie an – und beweist Mut dabei, sich für die Zukunft vorzubereiten.

Trends früh entdecken – ein Kerngeschäft für Haniel. In seiner fast 260-jährigen Geschichte hat das Unternehmen es stets verstanden, sich neu zu erfinden, wenn sich die Wirtschaftswelt verändert hat. So auch jetzt: Aktuell ruft Haniel zur ­Digitalisierung auf und verlässt damit gewohnte Pfade. „Wir müssen unsere Prozesse innerhalb der bestehenden Geschäftsmodelle digitalisieren“, erklärt Haniel-Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow. „Andernfalls sind wir in fünf Jahren nicht mehr am Markt.“

Dass das eine bittere Wahrheit sein könnte, zeigen Beispiele wie Neckermann oder Weltbild. Früher einmal Marktführer, sind sie heute ganz von der Bildfläche verschwunden, weil sie den Trend der vergangenen Jahre gar nicht oder zu spät erkannt haben: die digitale Transformation. Die hat in den letzten acht Jahren die Wirtschaft auf den Kopf gestellt – Smartphones, Social Media und Mobile Enterprises haben das Kundenverhalten fundamental verändert: Alles ist zu jeder Zeit und von überall aus verfügbar. Daran müssen sich Unternehmen anpassen. Doch die Digitalisierung aller Lebensbereiche st nur die eine Seite der Medaille. Die andere ist der sogenannte disruptive Wandel – ausgelöst durch radikale Innovationen, die sich ihre eigenen Märkte schaffen. Wie Airbnb, ein Commu­nity-Marktplatz für die Vermietung von Unterkünften – ein ganz neues Geschäftsmodell, das die Hotelbranche revolutioniert.

Der Wandel ist also längst da – und wird dennoch vor allem vom deutschen Mittelstand ignoriert. Wie ein Mittelstandspanel von BDI und PricewaterhouseCoopers (PwC) vom Frühjahr zutage brachte, findet mit 23,9 Prozent fast ein Viertel der befragten Mittelständler, die Digitalisierung für ihr Geschäft überhaupt nicht relevant. Im Gegensatz dazu hat Haniel die Wucht des Wandels erkannt und stellt sich nun dessen Herausforderungen.

 

26. Januar 2015 | Ort: Davos

Geschwindigkeit der Disruption

Blogger: Stephan Gemkow
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Disruption – Verwerfung – war ein Schlagwort, das heute im Davoser Kongresszentrum so häufig zu hören war, wie wohl kein zweites. Wie der langjährige Chef des amerikanischen IT-Unternehmens Cisco, John Chambers, bei einer Podiumsdiskussion betonte, sei die Geschwindigkeit der Disruptionen brutal geworden.

So brutal, dass wir Unternehmer handeln müssen: Entweder erfinden wir unsere Unternehmen neu, oder sie sind bald nicht mehr da. Diese Einschätzung mag extrem sein, doch hat Davos gezeigt, dass da was Wahres dran ist. Die Digitalisierung krempelt derzeit jede Branche in ungeheurer Dynamik um. Neue Vertriebswege, dezentrale Produktion und individuell angepasste Produkte verdrängen die klassische Serienfertigung. Neue Player stellen einzelne Branchen mit bisher unbekannten Geschäftsmodellen auf den Kopf. Vielleicht kann Google in zehn Jahren dezentral produzierte Autos verschenken und durch Datensammlung trotzdem Geld verdienen? Vor allem wir in Deutschland haben weder die Dramatik und Schnelligkeit noch die Chancen dieses innovativen Wandels erkannt. Das bestätigte auch Angela Merkel, die davor warnte, dass Deutschland so als Produktionsstandort bald abgehängt werde. Auch wir bei Haniel – sowohl in den Geschäftsbereichen als auch in der Holding – müssen uns diesen Herausforderung stellen und die neue industrielle Revolution als Chance sehen, uns weiterzuentwickeln und unser Portfolio durch neue Geschäftsmodelle zu erweitern. Jetzt ist Zeit zu handeln.

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Blick nach drüben

Doch wie schafft es das Unternehmen, mit dieser rasanten Umwälzung um­zugehen? Die Ideen dafür reichen von stärkerer Einbeziehung der Kunden über radikales Infragestellen von Althergebrachtem bis hin zum Ausbau digitaler Fähigkeiten. Doch neben den stra­tegischen Überlegungen geht Haniel noch einen Schritt weiter. „Wenn wir Haniel für die Digitalisierung fit machen wollen, müssen wir unsere Kultur umgestalten – hin zu mehr Pioniergeist und Veränderungsbereitschaft.“ Das ist nicht weniger als ein Kulturwandel.

Gründerluft schnuppern: Haniel-Vorstand und CEOs der Geschäftsbereiche vor der Garage, in der Hewlett-Packard gegründet wurde

Gründerluft schnuppern: Haniel-Vorstand und CEOs der Geschäftsbereiche vor der Garage, in der Hewlett-Packard gegründet wurde

Um den herbeizuführen, hat sich Haniel in den letzten Monaten buchstäblich auf den Weg gemacht: Im Juli reiste der Haniel-Vorstand zusammen mit den CEOs der Geschäftsbereiche ins Silicon Valley, dem Herzen des digitalen Wandels südlich von San Francisco. Ziel war es, den besonderen Pioniergeist dort kennenzulernen und he­rauszufinden, welche der dortigen Ent­wicklungen Impulse für die eigenen Geschäfte liefern können. Die CEOs kamen mit einer Handvoll Denkanstößen zurück: Wie können wir das Po­tenzial, das Big Data birgt, konsequent ­nutzen und neue Geschäftsmodelle entwickeln? Gibt es Möglichkeiten, Sharing-Modelle zu integrieren? Wo und wie können wir unseren Kunden smarte Lösungen anbieten? „Wir haben außerdem gelernt, dass wir mutiger sein müssen“, erklärt Gemkow. „Trial and Error“ lautet die Devise im Silicon Valley. Wer scheitert, schüttelt sich, steht wieder auf und macht den gleichen Fehler bestenfalls nicht noch einmal. Ein positives Verständnis von Scheitern, das der deutschen Kultur weitestgehend fremd ist, das es aber braucht, um in der digitalen Welt voranzukommen.

9. Juli 2015 | Ort: Silicon Valley

Einfach mal probieren

Verfasser: Stephan Gemkow
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Seit vorgestern befinden Dr. Funck und ich uns gemeinsam mit den CEOs der Geschäftsbereiche im Silicon Valley.

Nachdem wir uns die letzten beiden Tage Start-ups und richtige Champions wie Splunk – ein Unternehmen, das es ermöglicht, Unmengen von Daten aus der IT-Infrastruktur von Unternehmen zu analysieren und zu visualisieren – angeschaut haben, waren wir heute zu Besuch bei „500 Startups“. Das Unternehmen hat Gründerkapital für inzwischen fast 1000 Start-ups zur Verfügung gestellt – das Spektrum reicht von Bitcoin über Finance, Ad-Tech und Gaming bis hin zu Design, Education oder E-Commerce. Sehr spannend fand ich den Ansatz dabei: „500 Startups“ sieht sich zwar als Mentor und unterstützt die jungen Firmen nach Kräften. Aber es gilt
als selbstverständlich, dass es eben nicht alle schaffen können. Im Prinzip geht es darum, eine Vielzahl von plausiblen Geschäftsmodellen zu sammeln. Diejenigen, die sich am Ende durchsetzen, überkompensieren dann die Verluste der weniger erfolgreichen. „Trial and Error“ – das ist der Grundgedanke von „500 Startups“. Wer hinfällt, klopft sich den Staub von den Kleidern und steht wieder auf. Gründet vielleicht das nächste Start-up, macht die alten Fehler dabei nicht mehr, dafür aber ein paar neue – aus denen er wieder lernt. Ein positives Verständnis von Scheitern. Davon können wir vorsichtigen Europäer uns eine Scheibe abschneiden. Das müssen wir auch, um dem digitalen Wandel nicht zum Opfer zu fallen.

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Work in Progress

Aber wie mutig kann Haniel sein, um neue Wege zu gehen und auch Scheitern als Option zuzulassen? Das hat ­das Unternehmen bei der Group Conference im September getestet. Um herauszufinden, wo Haniel Potenzial für die Digitalisierung hat und wie genau das Unternehmen neue Ideen entwickeln kann, wurden Teams aus den Geschäftsbereichen ELG, TAKKT und CWS-boco damit beauftragt, digitale Ideen zu entwickeln und sie ihren Kollegen auf der Konferenz zu präsentieren. Dabei wurde eine Start-up-Atmosphäre geschaffen, wie sie im Silicon Valley herrscht: Die Teams hatten lediglich zehn Wochen Zeit, aus den ­Ideen auch Prototypen zu entwickeln. „Wir haben die Teams ganz bewusst aus klugen Köpfen verschiedener Hierarchiestufen zusammengesetzt“, erklärt Dirk Müller, Leiter der IT-Abteilung bei Haniel und zuständig für Innovationsmanagement. „Damit wollten wir alte Denkmuster durchbrechen und so Raum für neue Ideen schaffen.“

Zusätzlich holte sich Müller Unterstützung von Detecon, einem Spezialisten für Management- und Technologie­beratung und der T-Systems Media ­Solutions. Deren Besonderheiten: Sie sind beide Spezialisten auf dem Gebiet des Design-Thinking – einem Ansatz zur Entwicklung neuer Ideen, bei dem die Kundenbedürfnisse im Fokus stehen – und sie entwickeln digitale Pro­totypen. Etwas, das Haniel bisher nicht beherrscht.

Pünktlich zur Group Conference hatte jeder Geschäftsbereich einen Prototypen entwickelt und damit eine Lösung gefunden, um einen wesentlichen Teil seiner Wertschöpfungskette zu digitalisieren. Das zeigt: Die Bereitschaft zur Veränderung ist da, ein Kulturwandel bei Haniel ist möglich. Außerdem besitzt das Unternehmen genügend „digitales Potenzial“, um die Digitalisierung jetzt voranzutreiben. „Das gilt es zu bündeln und eine klare digitale Strategie zu formulieren“, sagt Gemkow. „So wird Haniel die Chancen der Digitalisierung nutzen können.“

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30. Juni 2015 | Ort: München

Die große Freiheit der Kreativität

Blogger: Dirk Müller
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Wie lässt sich das, was wir in der Haniel-Gruppe besonders gut können, digital transformieren? Geht das überhaupt?

Damit haben wir – das Team vom Haniel Innovationsmanagement und einige Kollegen von ELG, TAKKT und CWS-boco – uns intensiv im T-Systems Innovationcenter in München beschäftigt. Um „digitale Ideen“ für die Geschäftsbereiche zu entwickeln, sollten wir kreativ denken und jede Idee erst einmal aufschreiben – Design-Thinking nennt sich diese Methode. Das fiel nicht jedem leicht. Doch einmal darauf eingelassen, kamen unglaublich viele Ideen zusammen. Um zu testen, ob die auch wirklich was taugen, haben wir sie aus der Perspektive der Kunden beleuchtet. Das ist in der digitalen Revolution besonders wichtig. Der Kunde ist nicht nur König, er möchte auch wie einer behandelt werden. Innovationen können sich nur dann durchsetzen, wenn sie dem Kunden dieses Gefühl vermitteln. Drei Ideen haben sich besonders bewährt: eine ELG-App, die Kunden genau sagt, wo sich ihr gekaufter Titanschrott befindet, smarte Kleidung bei CWS-boco und eine App, durch die TAKKT Produkte schneller online verfügbar machen kann. Es bleiben zehn Wochen, um diese Ideen weiterzuverfolgen und Prototypen zu entwickeln, die wir auf der Group Conference vorstellen können.

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Expedition Start-up

Auch künftig möchte Haniel mehr Neues wagen. So gibt es Überlegungen, in kleinem Rahmen in Start-ups und kleinere Unternehmen aus der digitalen Welt zu investieren, um sie nicht nur zu fördern, sondern von ihnen zu lernen – zum Beispiel wie man experimentiert und dass man sich nicht gleich in die Büsche schlägt, wenn eine erste Idee nicht direkt funktioniert hat.

„Ob und wie wir uns finanziell engagieren, ist aber noch offen“, erklärt Gemkow. Da die Branche anders tickt als die sogenannte „Old Economy“, muss Haniel die gewohnten Pfade verlassen. Ein Start-up einfach ins Port­folio zu integrieren und ihm die eigenen Strukturen überzustülpen, würde wohl genau den Abenteuergeist abwürgen, von dem sich das Unternehmen gerne inspirieren lassen möchte. Haniel spielt deshalb verschiedene Modelle durch: ein Investitionsfonds als Vehikel, Beteiligungen an Inkubatoren – Unternehmen, die Start-ups fördern – oder eine Drittgesellschaft, über die man agile, kleine Anbieter aus der Tech-Szene führt. Eine endgültige Entscheidung ist noch nicht gefallen. Doch für Gemkow ist klar: „Wir können viel lernen von den sogenannten Nerds, das wollen und werden wir künftig auch nutzen.“

12. September 2015 | Ort: Duisburg, Haniel Akademie

Haniel Group Conference

Blogger: Dietmar Bochert
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Raumgestaltung mal anders: Mit der Brille des Start-ups immersight kann sich Stephan Gemkow im virtuellen Raum bewegen

 

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Zwei Tage lang ließen sich Führungskräfte und ausgewählte IT-Experten aus der Haniel-Gruppe digital inspirieren

 

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Der Digital-Berater etventure lieferte Impulse zur Digitalisierung

 

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Smart: Mit dem T-Systems-Handschuh lässt sich gleichzeitig tasten, fühlen und scannen

 

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