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„Wandel muss nicht negativ sein“

Die erste Frau im TAKKT-Aufsichtsrat: Im Oktober 2014 hat Dr. Dorothee Ritz die Nachfolge von Prof. Trützschler angetreten. Zeit für ein Interview.

Warum haben Sie sich für das Mandat im Aufsichtsrat entschieden und welche Herausforderungen bringt es mit sich?
TAKKT ist ein sehr attraktives Unternehmen mit starkem Qualitäts- und Kundenfokus, gesunden Wachstum und sehr ausgeprägten Werten. Die Herausforderung in der ersten Zeit besteht darin, ein neues Unternehmen in einem fremden Marktsegment zu begreifen – dabei geht es nicht nur um Zahlen und Fakten, sondern ganz besonders auch um die Mitarbeiter- und Unternehmenskultur, die entscheidend dafür sind, ob ein Unternehmen auch gut Chancen in Wachstum umwandeln kann.

Wie war der erste Eindruck von Ihren Kollegen im TAKKT-Aufsichtsrat?
Ich bin unglaublich nett im Aufsichtsrat aufgenommen worden. Es herrscht ein sehr offener und kollegialer Umgang und jeder meiner Kollegen bemüht sich, mich bei der Einarbeitung zu unterstützen. Das ist ja nicht ganz einfach, wenn man nicht täglich im Unternehmen ist.

Sie arbeiten in führender Position bei Microsoft und kennen sich mit Digitalisierung aus. Welche Auswirkungen sehen Sie auf die TAKKT-Geschäftsmodelle?
Die Digitalisierung reißt Markteintrittsbarrieren ein und macht in hohem Tempo neue Wettbewerber groß – der offensichtlichste Wettbewerb für TAKKT sind natürlich Online-Händler im Wettbewerb mit dem traditionellen Katalogbusiness. Im Geschäft mit der Büroausstattung sollten wir über eine Zukunft nachdenken, in der wir keine Büros mehr haben wie wir sie heute kennen – der Arbeitsplatz der Zukunft kennt nur noch Konferenz- und Begegnungsstätten, weil Menschen viel flexibler arbeiten und die technische Infrastruktur es erlaubt, dass intelligente Endgeräte als Arbeitsplatz genutzt werden. Dieser Wandel muss nicht negativ sein, solange TAKKT ihn mutig mitgestaltet.

Was halten Sie von der Diskussion um die Frauenquote?
Ich war nie ein Freund der Frauenquote, finde es aber über die Jahre der Debatte schon bedauerlich, wie wenige Frauen nach wie vor im Vorstand oder in der Geschäftsleitung zu finden sind. Ich bin überzeugt davon, dass ein Unternehmen den Frauenanteil über einen gewissen Zeitraum hinweg durchaus heben kann. Ich komme von einem IT-Unternehmen mit 30 bis 40 Prozent Frauenanteil auf allen Leitungsebenen – ich habe gelernt, dass die richtigen Rahmenbedingungen und die Unternehmenskultur Grundvoraussetzung dafür sind, dass Frauen nachhaltig erfolgreich auf Spitzenpositionen agieren können.

Wie könnte man Frauen in Unternehmen besser fördern, ohne eine Quotenregelung zu befolgen? 

Wenn nur das Ergebnis der Arbeit zählt und nicht allein die Präsenz am Arbeitsplatz, dann entsteht Freiraum für jede Art von wichtigen Bedürfnissen, wie etwa Kinderbetreuung, Pflege von Angehörigen oder einfach ein vollkommen anderer Arbeitsstil. Dazu gehört auch ein moderner Arbeitsplatz mit moderner Infrastruktur und flexiblen Arbeitszeiten, was in der Konsequenz ein Arbeiten von überall ermöglicht, ohne von wichtigen Kommunikations- und Informationsquellen abgeschnitten zu sein. Außerdem ist es mir sehr wichtig, Frauen mit Blick auf die Nachfolgebesetzung in Führungspositionen bewusst und nachhaltig zu fördern.

Wie schaffen Sie es, Ihren Job bei Microsoft, das Mandat im TAKKT-Aufsichtsrat und Ihre Familie unter einen Hut zu bringen?
Ich engagiere mich auch noch bei der Kinderhilfsorganisation Plan International Deutschland im Vorstand – eine echte Herzensangelegenheit! Es macht mir einfach Spaß zu arbeiten und immer wieder was Neues zu Lernen. Ich arbeite seit drei Jahren von Zuhause, wenn ich nicht gerade in die Microsoft Länderbüros reise. Ich arbeite zwar viel, aber sehr flexibel. Ich kann auch sehr gut Arbeit delegieren und konzentriere mich auf Themen, bei denen ich den größten Beitrag leisten kann – das gilt beruflich wie privat.

Dorothee Ritz ist seit Juli 2015 Geschäftsführerin bei Microsoft Österreich. Davor war Sie acht Jahre in der deutschen Geschäftsführung und drei Jahre bei Microsoft international. Davor arbeitete die Juristin in verschiedenen internationalen Positionen bei der Bertelsmann AG. Sie lebt mit ihrem Mann und zwei Kindern in der Nähe von München.