Alter

Die Abschaffung des Ruhestands

Autor: Marija Latkovic |
Foto: Gallery Stock/GS
Wer uns in Zukunft ganz besonders fehlen wird. Und wer bereits heute über das Renteneinstiegsalter hinaus arbeiten muss.

Die Folgen des demografischen Wandels werden sich schon 2020 deutlich auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar machen: Bis zu 1,3 Millionen Fachkräfte werden laut Institut der deutschen Wirtschaft allein in den sogenannten MINT-Berufen fehlen (Mathematik, Information, Naturwissenschaften, Technik). Branchenübergreifend wird der Mangel bis zum Jahr 2030 auf über sechs Millionen geschätzt.

Jüngere Angestellte aus dem Ausland könnten ein Gegenmittel sein. Das andere: die Verschiebung des Ruhestands. Laut dem aktuellen Rentenversicherungsbericht des Bundesarbeitsministeriums ist die Zahl der Erwerbstätigen bei den 60- bis 64-Jährigen zwischen den Jahren 2000 und 2013 von 20 auf 50 Prozent gestiegen. Auch die Zahl der Rentner, die jenseits der 65 weiter arbeiten, nimmt zu: Nach Statistiken der Deutschen Rentenversicherung gingen 2012 bundesweit 6100 Männer und 7800 Frauen erst mit 66 Jahren oder später in den Ruhestand. Insgesamt waren 2013 bereits 760.000 Erwerbstätige älter als 65.

In einzelnen Bereichen wie der Gesundheitsbranche ist die Tendenz zur späten Rente schon seit einer Weile erkennbar. Vor allem selbstständige Ärzte und Apotheker arbeiten länger, um ihre wirtschaftliche Existenz im Alter zu sichern. Auch Beamte in Thüringen, Hamburg, NRW, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern bleiben heute teilweise bis zum vollendeten 70. Lebensjahr im Dienst – einerseits weil der personelle Nachwuchs fehlt, andererseits weil die Dienstherren nicht auf ihre Erfahrung verzichten wollen. Doch neben den hochqualifizierten, gut verdienenden Berufsgruppen hält ein Drittel der 760.000 Erwerbstätigen über 65 aber vor allem deshalb an der Arbeit fest, weil das Geld sonst im Alter nicht reichen würde. Viele arbeiten in Teilzeit oder in einem 400-Euro-Minijob als Reinigungs- oder Bürokräfte, als Lagerarbeiter oder Hausmeister.

 

Quellen:

Fachkräftemangel 2020 in MINT-Berufen

 Fachkräftemangel 2030 branchenübergreifend

Übersicht der Zahlen aus dem Rentenversicherungsbericht des Bundesarbeitsministeriums

 Statistik der Deutschen Rentenversicherung

Umfrage des DIW zu Branchen