Alter

Was kommt nach dem Job?

Autor: Janina Groffmann (Protokolle) |
Foto: Joanna Nottebrock, Mareike Foecking, Dominik Gigler, Tobias Titz, Matthew Gilson
Wann muss man anfangen, für die Rente zu sparen? Wie klappt die Zusammenarbeit mit Kollegen aus anderen Generationen? Fünf Haniel-Mitarbeiter erzählen, welches Bild sie sich vom Alter machen.

„Zeit ist das größte Geschenk“

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Manfred Hartl, 45, Leiter Operations Geschenk“ Gesundheit & Pflege bei CWS boco, Dreieich

In den vergangenen drei Jahren änderte sich im Leben von Manfred Hartl so einiges: Der gebürtige Bayer zog von München nach Hannover, gründete eine Familie und baute bei CWS-boco den Bereich Gesundheit & Pflege auf. Hier wird er täglich mit dem Thema Alter konfrontiert. Denn ein Großteil seiner Kunden sind Alten- und Pflegeheime. 15 Millionen Wäschestücke von Heimbewohnern waschen seine 580 Mitarbeiter im Jahr, von der Socke bis zum Sakko – aber auch Handtücher und Inkontinenzunterlagen. „Das hat mein Bewusstsein dafür gestärkt, wie schnell ein Pflegefall entstehen kann und so manch gut durchdachter Rentenplan plötzlich ein jähes Ende findet“, erzählt der Betriebswirt. „Deshalb sorge ich zwar für später vor, versuche aber vor allem, das Leben jetzt bewusst zu genießen.“

 Karottenschneiden hat etwas Meditatives

Hartl verbringt so viel Zeit wie möglich mit seiner Frau und seiner zweijährigen Tochter – und mit seinem älteren Nachbarn. Am Wochenende schwingt Hartl regelmäßig den Kochlöffel. Für den 45-Jährigen bedeutet das Entspannung: „Ich finde, Karottenschneiden hat was Meditatives“, sagt er. Dabei werden die Portionen immer etwas größer: „Es schmeckt doch erst, wenn der Topf richtig voll ist.“ Die übrigen Rouladen oder Grillsteaks werden zu den Nachbarn gereicht, zum Beispiel zum 87-jährigen Rolf auf die Terrasse nebenan. Das ergibt sich spontan – und unentgeltlich. Dies hat in seiner Nachbarschaft mittlerweile Tradition. Hartl sieht das als Generationenauftrag: „Zeit ist für viele Ältere das größte Geschenk. Ich möchte für andere da sein, weil ich das für mich selber später auch mal so haben will.“


„Meine Kollegen sind wie eine zweite Familie“

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Melisa Alagic, 18, Auszubildende zur Restaurantfachfrau bei Haniel, Duisburg

Denken Sie überhaupt schon ans Alter?

Ich fühle mich noch jung. Trotzdem macht es mir manchmal Angst, wie schnell die Zeit vergeht. Mit 18 bin ich jetzt plötzlich für mich selbst verantwortlich und kann mich nicht mehr darauf verlassen, dass sich meine Eltern um alles kümmern. Viele ihrer Verbote und Sorgen kann ich jetzt besser verstehen. Dadurch denke ich auch mehr über meine Zukunft nach: Wie sicher ist mein Job? Was bleibt noch von der Rente übrig, wenn ich alt bin? Ich möchte mal Familie haben und ein Haus kaufen. Deshalb fange ich jetzt schon an, für meine Altersvorsorge zu sparen.

Sie sind mit Abstand die Jüngste im Haniel-Serviceteam. Wie klappt’s mit den Kollegen?

Manchmal wäre es natürlich schön, auch ein paar Gleichaltrige im Team zu haben, mit denen ich mich austauschen kann. Aber meine Kollegen geben ihr Wissen gerne an mich weiter. Sie sind wie eine zweite Familie: Sie unterstützen mich, nehmen mir meine Ängste und wollen, dass ich eine gute Zukunft habe. Viele haben selbst Kinder und dadurch Verständnis für junge Leute. Sie stammen aus Bosnien.

Wie unterscheidet sich der Umgang mit alten Menschen dort von dem hierzulande?

In dem Dorf, wo ich herkomme, wohnen fast nur noch alte Leute. Die Jüngeren gehen ins Ausland, denn in Bosnien gibt es nur wenig Arbeit, und die Rente reicht meist nicht zum Leben. Im Alter kommen dann viele zurück. Ich möchte das später auch so machen. Das geht natürlich nur, solange man selbstständig leben kann. Es gibt keine Pflegeheime, wenn die Großeltern Hilfe brauchen, kümmern sich die Angehörigen. Als mein Opa einen Schlaganfall hatte, haben wir ihn nach Deutschland geholt, damit wir uns um ihn kümmern können.


„Die Azubis halten mich jung“

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Roswitha Ring, 55, Personalsachbearbeiterin bei METRO Cash & Carry, Regensburg

Roswitha Ring verbrachte ihr ganzes Berufsleben im Regensburger METRO-Markt. Direkt nach dem Schulabschluss fing sie 1977 in der Personalabteilung an. Heute betreut die Oberpfälzerin als Ausbildungsbeauftragte 17 angehende Großhandelskaufleute. Sie geht an Schulen, wählt die Azubis für den Markt aus und begleitet sie während der ganzen Ausbildung. Von dem engen Kontakt profitiert sie auch selbst: „Die Azubis halten mich jung“ – allerdings sieht sie deren Lebensstil durchaus kritisch. „Alles ist immer schnelllebiger geworden. Die Jugendlichen hängen heute dauernd am Handy, da geht das Miteinander total verloren.“

Rings Schützlinge sind bei Azubi-Wettbewerben immer vorne mit dabei

Deshalb ist es ihr besonders wichtig, dass ihre Azubis ein Team sind und sich gegenseitig unterstützen. Einmal im Monat holt Ring alle an einen Tisch, um Neuigkeiten untereinander auszutauschen. „Das ist ja eine spannende Zeit für die jungen Leute, in der auch privat viel passiert.“ Um sie bei ihrem beruflichen Vorankommen zu unterstützen, motiviert sie die Auszubildenden, Eigeninitiative zu zeigen. Und so sind Rings Schützlinge bei Azubi-Wettbewerben immer vorne mit dabei: Sie entwarfen zum Beispiel einen Rekrutierungsbus für Schulen und veranstalteten eine Hausmesse mit Kochaktion, um die Eigenmarken zu bewerben. „Es ist schön, dieser Entwicklung zuzuschauen. Das ist wie bei einem Baum, an dem im Frühling die Blätter sprießen.“


„Über die Jahre sind viele Freundschaften entstanden“

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Jim Smillie, 61, ehemaliger Geschäftsführer bei ELG Australia, Melbourne

Jim Smillie ist ein ELG-Urgestein: Vor über 30 Jahren fing der Schotte dort als Trader an und handelte an den Rohstoffbörsen mit Edelstahl. In den folgenden Jahren wuchs ELG stark – und brachte neue Herausforderungen für Smillie: 1992 ging er nach Melbourne, um den australischen ELG-Standort hochzuziehen. „Ein neues Unternehmen aufzubauen und es wachsen zu sehen ist das schönste Gefühl der Welt“, erinnert er sich. Seit Ende August ist der 61-Jährige nun in Altersteilzeit. An seinem letzten Tag schmiss er ein großes Grillfest für alle Mitarbeiter: „So feiert man in Australien. Alles ganz locker und ungezwungen – das finde ich super.“

Mir fehlen der Börsenhandel und der Kontakt mit den Geschäftspartnern

Zwei Tage in der Woche geht er weiter ins Büro, um seinen Kollegen den Übergang zu erleichtern: „Meine Geschäftsführer- Pflichten vermisse ich nicht. Aber mir fehlen der Börsenhandel und der Kontakt mit den Geschäftspartnern. Über die Jahre sind viele Freundschaften entstanden.“ Seine neu gewonnene Freizeit möchte der 61-Jährige nutzen, um regelmäßig Golf zu spielen und mehr Zeit mit seinen Enkeln zu verbringen. „Nach 22 Jahren ist Australien unsere Heimat. Außerdem ist das Wetter hier einfach viel besser.“


„Meine Altersvorsorge lässt mich nachts ruhiger schlafen“

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Katherine Juchemich, 46, Expertin für technische Unterstützung bei C&H Distributors, Milwaukee, USA

Ich habe schon mit 25 Jahren angefangen, mich mit der Altersvorsorge zu beschäftigen. Damals arbeitete ich in Vollzeit als Kellnerin, um mir mein Chemiestudium zu finanzieren. Außerdem hatte ich gerade mein erstes Haus gekauft. Es lag also kaum Geld auf der hohen Kante, und mein Arbeitgeber bot kein betriebliches Altersvorsorgeprogramm an. Als geborene Pessimistin war mir schon damals klar: Ich muss früh mit dem Sparen anfangen, um im Alter ein sorgenfreies Leben zu führen. Deshalb meldete ich mich zu einem Altersvorsorgekurs der Stadt an. Ich erinnere mich noch, dass ich mit Abstand die jüngste Teilnehmerin im Raum war. Als ein Paar wissen wollte, wie es die teure College- Ausbildung der Kinder und die eigene Altersvorsorge gleichzeitig finanzieren kann, antwortete der Kursleiter: „Würden die Kinder lieber für die eigene College-Ausbildung einen Kredit aufnehmen oder ihre alten Eltern bei sich einziehen lassen, weil Sie sich nichts Eigenes mehr leisten können?“

Man muss seine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen

Mir ist damals klar geworden, dass man seine eigenen Bedürfnisse in den Vordergrund stellen muss. Es ist immer möglich, mit dem Sparen anzufangen – auch mit kleinem Portemonnaie. Ich will im Alter kein Luxusleben führen, möchte aber meinen Ruhestand genießen, ohne mir jeden Tag Sorgen über Geld zu machen. Und ich will nicht arbeiten, bis ich 70 bin. Meine Altersvorsorge ist eine Investition in mich selbst, die mich nachts ruhiger schlafen lässt.