Alter

Werteposition – Umgang mit dem Altern

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Stephan Gemkow im Gespräch mit Franz Markus Haniel.

Wann haben Sie sich zum letzten Mal besonders alt oder jung gefühlt?

[STEPHAN GEMKOW] Beides gleichzeitig immer dann, wenn mich jüngere Führungskräfte und Vorstände als vermeintlich erfahrenen Unternehmer um Rat fragen – wo ich doch selbst oft noch gern fragen möchte.

[FRANZ MARKUS HANIEL] Alt gefühlt habe ich mich zum letzten Mal bei einem Bewerbungsgespräch für ein Start-up-Unternehmen, das ich betreue. Der Kandidat für den Posten des regionalen Geschäftsführers war 24 Jahre alt und hatte bereits ein Unternehmen gegründet. Da hilft es, wenn ich mich nach solchen Terminen in mein Elektroauto setze – dann fühle ich mich nämlich immer jung.

Sehen Sie den demografischen Wandel eher als Risiko oder als Chance?

[GEMKOW] In erster Linie als Risiko, insbesondere für die Alterssicherungssysteme in vielen Ländern. Sie beanspruchen immer größere Anteile des Steueraufkommens und damit der unternehmerischen Wertschöpfung. Verschärft wird die Problematik dadurch, dass Politiker oft der Versuchung erliegen, kurzsichtig und populistisch zu handeln, statt für längerfristige Lösungen zu sorgen. Beispielhaft hierfür ist in Deutschland die Rente mit 63.

[HANIEL] Ich sehe vor allem die großen Chancen: Durch die alternden Bevölkerungen entstehen neue Kundensegmente mit ganz eigenen Bedürfnissen nach Dienstleistungen und Produkten.

Die Eignerfamilie Haniel vereint mehrere Generationen.
Was wünschen Sie sich von den älteren Gesellschaftern – und was von den jüngeren?

[GEMKOW] Wichtig finde ich den Erfahrungsaustausch, auch in Richtung Unternehmen. Das heißt, die älteren Gesellschafter sollten ihre Erfahrungen den jüngeren Familienmitgliedern, aber auch dem Haniel-Management zur Verfügung stellen, wie sie es bereits im Beirat tun. Das kann helfen, unternehmerische Entscheidungen mit größerer Sicherheit zu treffen.

[HANIEL] Von der jüngeren Generation wünsche ich mir, dass sie Interesse am Unternehmen zeigt und sich zum Beispiel in den Familiengremien engagiert. Damit das passiert, stehen die älteren Gesellschafter in der Pflicht, den emotionalen Mehrwert dieser besonderen „Kapitalanlage“ zu vermitteln.