Anstand

Erfolgsfaktor Social Investment?

Immer mehr Unternehmen achten bei ihren Investitionen auch auf Nachhaltigkeit. Wie geht man dabei vor? Und zahlt sich das am Ende aus? Das weiß Claudia Volk, Associate Director Thematic Research beim Nachhaltigkeitsratingdienstleister Sustainalytics.

Nachhaltige Investments – auch Socially Responsible Investments, kurz SRI, genannt – sind im Kommen: Nach einer Studie des Forums Nachhaltige Geldanlagen betrug das Volumen verantwortlicher Investments in Deutschland 2014 rund zwei Billionen Euro – mehr als doppelt so viel wie im Vorjahr. Der größte Teil stammt von institutionellen Investoren, der Markt für Endkunden ist noch recht klein. Die Gründe, sich für eine nachhaltige Investitionsstrategie zu entscheiden, sind dabei genauso breit gefächert wie die Vorgehensweise. Es gibt Akteure, die mit ihrer Investition etwas Konkretes verbessern wollen und dafür gezielt in Unternehmen investieren, zum Beispiel im Bereich Bildung. Dieses sogenannte Impact Investing macht momentan noch einen geringen Anteil aus, etwa drei Prozent, wächst aber sehr stark. Vom Impact Investing reicht die Bandbreite bis hin zu den klassischen Investoren, die hauptsächlich aus Risikoüberlegungen heraus Geld nachhaltig anlegen. Sie gehen davon aus, dass insbesondere die Risiken auf der Kostenseite, aber auch für Umsatz und Performance reduziert werden können, wenn ein Unternehmen nachhaltig arbeitet. Die Ursprünge nachhaltigen Investierens reichen weit zurück, bis in die frühe Zeit der Calvinisten, die Investments zum Beispiel in Waffen oder Alkohol ablehnten, weil sie nicht den eigenen moralischen Prinzipen entsprachen. In den 1980ern und 90ern haben immer mehr Investoren erkannt, dass die Berücksichtigung von Nachhaltigkeitsaspekten auch positive finanzielle Auswirkungen hat. Vor allem Trends und Gesetzesänderungen spielen hierbei eine große Rolle, etwa durch die Internalisierung externer Kosten. Dabei werden Kosten, die der Gesellschaft zum Beispiel durch Umweltverschmutzung entstehen, an das verursachende Unternehmen zurückgegeben. Dieses hat somit einen Anreiz, sauberer zu arbeiten, um Kosten zu sparen. Der Klimawandel ist ein Beispiel, an dem man das gut gesehen hat: Sobald der Emissionshandel in Europa konkret wurde, haben sich die Investoren damit befasst.

Ausschluss oder Integration?

Die meisten Nachhaltigkeitsorientierten Investoren – etwa ein Drittel in Deutschland – nutzen für ihre Strategie Ausschlusskriterien, legen also für sich fest, in was sie nicht investieren wollen, zum Beispiel in die Tabak- oder Waffenindustrie. In manchen Ländern gibt es auch gesetzliche Vorgaben, niederländische Investoren beispielsweise dürfen kein Geld an Unternehmen geben, die Streubomben herstellen. Eine Variante dieses sogenannten „Negativ Screenings“ ist das normenbasierte Screening, bei dem man alle Investments ausschließt, die gegen bestimmte Prinzipien – etwa des UN Global Compact – verstoßen. Im Gegensatz hierzu stehen positive Auswahlverfahren, etwa der sogenannte Best-in-Class-Ansatz, bei dem man nur in die Unternehmen investiert, die innerhalb ihrer Branche im Bereich Nachhaltigkeit am vorbildlichsten handeln. Eine andere Möglichkeit des nachhaltigen Investments bieten Themenfonds, die in ein vorher festgelegtes Nachhaltigkeitsthema – zum Beispiel Wasser – investieren. Noch einen Schritt weiter gehen Investoren, die bestimmte Umwelt-, Sozial- und Unternehmensführungsstandards, auch ESG-Kriterien genannt, in die Investitionsentscheidung integrieren. Die Idee dahinter ist, auf diesem Weg mit Nachhaltigkeitsthemen verbundene Investitionsrisiken – aber auch -chancen früher zu erkennen. Diesen Weg wählen mittlerweile mehr als 20 Prozent der Investoren. Um die richtigen Investments für seine Strategie zu finden, muss man viel Aufwand betreiben, um alle Daten zu sammeln und zu analysieren. Mit unseren Nachhaltigkeitsratings nehmen wir unseren Kunden – vor allem institutionellen Investoren – diese Arbeit ab. Wie bei den klassischen Ratingagenturen bekommen sie am Ende einen Score, der das Unternehmen bewertet – nur eben im Hinblick auf Nachhaltigkeit statt ausschließlich auf die finanzielle Performance. Für die Analyse ziehen wir verschiedene branchenspezifische Indikatoren heran, denn es macht einen Unterschied, ob die Nachhaltigkeit eines Chemieunternehmens bewertet werden soll oder die einer Bank.

CR als Erfolgsfaktor

Die Erkenntnis, dass Unternehmen, die wirtschaftlich erfolgreich sein wollen, auch bei der Nachhaltigkeit vorbildlich sein sollten, breitet sich immer weiter aus. So zeigt sich etwa, dass bestimmte Nachhaltigkeitsmaßnahmen auch zum Unternehmenserfolg beitragen: Energieeffizienzmaßnahmen tragen zum Beispiel dazu bei, auf lange Sicht Kosten zu sparen, und nachhaltigere Produkte werden zunehmend von den Kunden nachgefragt. Auch Mitarbeiter bleiben in der Regel länger im Unternehmen, wenn man sie fair behandelt. Kapitalgeber achten ebenso zunehmend auf die Nachhaltigkeitsleistung. Die CR-Strategie eines Unternehmens wird damit von der reinen Kommunikationsstrategie zu einem Teil der Unternehmensstrategie. Denn Investoren interessiert im Gegensatz zu Kunden oder Mitarbeitern vor allem, welchen Einfluss bestimmte konkrete Maßnahmen auf den Unternehmenswert haben. Was ist wirklich materiell, also entscheidend für die Wertsteigerung? Diese sogenannte Materialität ist unternehmensspezifisch. Immer mehr Unternehmen geben in ihren Berichten an, was sie als materiell analysiert haben. Viele integrieren die Nachhaltigkeitsperformance mittlerweile in ihren Geschäftsbericht und stellen sich so auf die Bedürfnisse der Investoren ein, die nicht erst lange recherchieren wollen. Haben wir hier also eine Win-win-Situation für Unternehmen und Investoren? Ich würde sagen: ja! Es gibt mittlerweile über 4.000 Studien, die sich mit dem Zusammenhang zwischen Nachhaltigkeitsperformance und Aktienkursentwicklung beschäftigen. Metastudien zeigen, dass in den meisten Fällen ein positiver Zusammenhang besteht. Nachhaltiger zu handeln mag sich – wie anderes auch – nicht sofort auswirken, aber auf lange Sicht hat es eindeutig einen Effekt auf den Unternehmenswert.


 Claudia-Volk_swClaudia Volk ist Associate Director Thematic Research bei Sustainalytics in Frankfurt, das sich auf die Analyse und Bewertung der Nachhaltigkeitsleistungen von Unternehmen spezialisiert hat. Das Unternehmen ist die Nummer 2 in diesem Bereich und hat weltweit 250 Mitarbeiter.