Familie

Familienbande

Autor: Alexandra Alferi
Haniel-Mitarbeiter und ihre Familien: wie sie leben, arbeiten und beide Welten unter einen Hut bekommen

Rik Holvoet, 52, CIO bei BekaertDeslee

„Es wird nie langweilig!“

Rik Holvoet ist 52 Jahre alt und Vater durch und durch: leiblicher Vater, Adoptivvater, Ziehvater, Stiefvater und Großvater. Und das, obwohl er mit seiner Ex-Frau viele Jahre vergeblich versucht hatte, Nachwuchs zu bekommen. Schließlich adoptierten sie Maaike, ein Mädchen aus Ruanda – und gut ein Jahr danach ein zweites Mädchen, Lobke aus Haiti. Währenddessen wurde Holvoets Frau überraschend schwanger. „So hatten wir innerhalb von sechs Monaten zwei Neuzugänge in der Familie“, erinnert sich Holvoet. Dann zog auch noch das 18-jährige Au-pair-Mädchen Vicky bei der Familie ein. „Sie hatte ihre Eltern verloren und sah in ihrer polnischen Heimat keine Perspektive.“ Holvoet ermöglichte ihr ein Tourismus-Studium und sorgte dafür, dass sie nach dem Au-pair-Jahr in Belgien bleiben durfte. „Obwohl ich sie nicht adoptieren konnte, ist sie wie eine Tochter für mich.“

Mit vier Kindern schien das Familienglück perfekt – doch dann ging die Ehe der Holvoets drei Jahre nach der Geburt der jüngsten Tochter Bo in die Brüche. Rik Holvoet lebte sechs Jahre allein mit seinen Töchtern, bevor er seine jetzige Ehefrau kennenlernte. Sie brachte zwei Söhne mit und machte damit die belgische Großfamilie komplett. Mittlerweile ist der Nachwuchs zwischen 22 und 39 Jahre alt und bereits ausgezogen. Vicky ist Mutter von zwei Kindern, zwölf und neun Jahre alt. „Für die sind wir die allercoolsten Großeltern, weil meine Frau und ich im Gegensatz zu den meisten anderen noch ziemlich jung sind“, sagt Holvoet. „Das Beste an einer so großen Familie ist: Es wird nie langweilig!“

 

Werner Schreitmüller ist 62 Jahre alt und arbeitet bei KAISER+KRAFT als Abteilungsleiter in der Katalogproduktion Martin Schreitmüller ist 30 Jahre alt und Product-Owner für prüfplaner.de

Analog oder digital? Hauptsache, es bleibt in der Familie

Herr Schreitmüller junior, hat es für Sie bei der Jobauswahl eine Rolle gespielt, dass Ihr Vater bei KAISER+KRAFT arbeitet?

[MARTIN SCHREITMÜLLER]: Die Traineestelle war von einem Personaldienstleister ausgeschrieben, und ich habe erst später erfahren, dass es sich um KAISER+KRAFT handelt. Dass mein Vater seit über 30 Jahren sehr gerne dort arbeitet, war zwar ein Argument für den Job, ausschlaggebend war aber das Gesamtpaket.

Wie gestaltet sich die Zusammenarbeit im Alltag?

[WERNER SCHREITMÜLLER]: Anfangs gab es Missverständnisse. Ich habe E-Mails zu irgendwelchen Projekten bekommen und mir tagelang den Kopf zerbrochen, wie ich helfen könne – bis sich herausstellte, dass die Mails für meinen Sohn waren.

[MARTIN SCHREITMÜLLER]: Dafür habe ich Kataloganfragen auf Chinesisch bekommen (lacht). Wir sitzen zwar im gleichen Bereich, unsere Aufgaben unterscheiden sich aber stark voneinander. Mein Vater vertreibt die klassischen Produkte über den Katalog, ich bin für einen rein digitalen Service zuständig. Fachlich haben wir also gar nicht viel miteinander zu tun.

Profitieren Sie dennoch voneinander?

[WERNER SCHREITMÜLLER]: Sehr. Anfangs habe ich Martin einige Tipps gegeben. Umgekehrt  hilft er mir, wenn ich zum Beispiel mit einem neuen Programm auf dem PC nicht zurechtkomme. Es ist schön, dass er hier ist.

[MARTIN SCHREITMÜLLER]: Das sehe ich auch so. Weil ich seinen Arbeitsalltag jetzt kenne, kann ich auch nachvollziehen, warum er früher öfter mal später nach Hause kam. Die Arbeit hat unser Verständnis füreinander vertieft.

Was bringt die Zukunft?

[WERNER SCHREITMÜLLER]: Im August gehe ich in Altersteilzeit, und durch Martin habe ich das Gefühl, nicht ganz zu gehen. Das ist sehr befriedigend.

 

Sonja Hausmanns, 41, ist Senior Managerin Kommunikation in der Haniel-Holding und Chefredakteurin von enkelfähig

„Ich brauche keine Kinder für mein Glück! … oder vielleicht doch?“

Mein Mann und ich sind seit 20 Jahren ein Paar. Für mich stand immer fest: Ich muss nicht Mutter werden, um ein erfülltes Leben zu haben. Aber dann kamen halt doch die typischen Fragen auf: Ich liebe meinen Job, aber soll es weiterhin vor allem darum gehen? Bereue ich es vielleicht, keine Kinder bekommen zu haben, wenn es irgendwann zu spät ist? Und so wurde unsere erste Tochter geboren, als ich 38 Jahre alt war.

Jetzt bin ich 41 und überraschend schwanger mit der dritten. Mutter zu sein ist toll, aber die Kinder haben mich nicht zu einem anderen Menschen gemacht. Der Beruf ist immer noch ein wichtiger Teil meines Lebens. Deshalb bin ich nach der Geburt meiner ersten Tochter nach zehn Monaten wieder in Vollzeit eingestiegen, während mein Mann in Teilzeit wechselte. Als die zweite Tochter kam, wurde es sportlich: Da habe auch ich meine Stunden auf 80 Prozent reduziert. Nach der Geburt unserer dritten Tochter wird er wahrscheinlich etwas länger Elternzeit nehmen als ich. Ich finde es wichtig, meinen Mädels vorzuleben, dass es normal ist, als Mutter zu arbeiten. Und falls mich meine Familie doch dringend zu Hause braucht, bietet mir Haniel die nötige Flexibilität. Ich bin froh, dass mein Mann und ich uns doch noch für Kinder entschieden haben. Wir sehen, wie die Kinder wachsen, und spüren, wie wir selbst daran wachsen, Eltern zu sein.

 

Florian Stern ist 35 Jahre alt und seit 2018 Leiter des Key-Account-Bereichs DACH des neuen Joint Venture, Julian Stern ist 28 Jahre alt und bei CWS-boco Verkaufsleiter Textile Care im südlichen Baden-Württemberg

Sternstunde: von Brüdern und Konkurrenten

Vor 14 Jahren begann Florian Stern seine Karriere im Vertrieb von Rentokil Initial. Das britische Dienstleistungsunternehmen bietet Services in den Bereichen Schädlingsbekämpfung, Berufskleidung und Hygiene an. „Ich fasste schnell Fuß“, sagt der 35 Jährige. Seine Begeisterung für den Job veranlasste seinen sieben Jahre jüngeren Bruder Julian, der eigentlich Zimmermann gelernt hatte, ebenfalls im Vertrieb anzuheuern. Als CWS-boco ihm ein Angebot machte, zögerte er nicht lange. Seit sechs Jahren vertreibt er nun Berufskleidung für den Haniel-Geschäftsbereich. In der Bewerbungsphase hatte er sich noch Rat bei seinem großen Bruder geholt, doch nach der Vertragsunterzeichnung waren solche Gespräche tabu. „Wir redeten nie über unseren Job, schließlich waren wir in konkurrierenden Unternehmen tätig“, sagt Florian Stern. Das ist heute anders: CWS-boco hat 2017 das Europa-Geschäft von Initial übernommen – aus den ehemaligen Konkurrenten wurden Kollegen. „Durch den Zusammenschluss von CWS-boco und Initial haben sich die Unternehmen gut für die Zukunft aufgestellt“, sagt Florian. „Das hat auch für uns persönlich viele Vorteile.“ Julian ergänzt: „Wir können jetzt sehr viel offener miteinander reden und uns auch fachlich gegenseitig unterstützen. Wir profitieren von unseren gegenseitigen Netzwerken. Geheimnisse gibt es nicht mehr.“

 


Video: Was tut Haniel für die Familien?