Frauen

Hoch hinaus

Autor: Mareike Optitz |
Foto: Cinetext
Was dem Mann seine Krawatte, ist der Frau ihr Stöckelschuh. Oder noch viel mehr? Eine kurze Betrachtung der weiblichen Wunderwaffe.

Wirkung

Machen wir uns nichts vor: Eine Krawatte ist im Grunde nichts weiter als ein Stoffläppchen vor der Brust, mit dem Männer ihrem Umfeld signalisieren: „Businessbetrieb ON“. Ein High Heel hingegen vermag weitaus mehr als das. Er kann Frauen verwandeln: in starke, geheimnisvolle Wesen. Er lässt ihre Beine in den Himmel wachsen, die Schultern stolz nach hinten fallen. Der Hintern reckt sich entgegen der Schwerkraft nach oben, um den Hüften in einen leise schwingenden Gang zu folgen – und dann ist eigentlich alles möglich. Außer schnell den Bus zu erwischen.

Geschichte

Bereits im 16. Jahrhundert kam der Adel bei Hofe aufgebockt daher – sowohl die Damen als auch die Herren. Die Französische Revolution machte dann aber mit diesem Trend – wie mit so vielem anderen – kurzen Prozess. Und es sollte einige Zeit vergehen, bis der Absatz im 19. Jahrhundert als Attribut weiblichen Sex-Appeals an die Füße der Frauen zurückkehrte. Wer ihn nun definitiv ersann, den Stöckelschuh, wie wir ihn heute kennen, ist nicht überliefert. Doch wir können uns seinen Schöpfer durchaus als glücklichen Menschen vorstellen: „Ich weiß nicht, wer die High Heels erfunden hat“, soll Marilyn Monroe einmal gesagt haben, „aber die Frauen schulden ihm eine Menge.“

Ikonen

Marilyn Monroe avancierte in den 1950er-Jahren zur Urmutter des High Heels. Ihre roten Showgirl-Pumps aus „Blondinen bevorzugt“ sind ein satingewordener Mädchentraum. Und wie sie es fertigbrachte, mit Pfennigabsätzen (!) derart souverän auf dem Gitter (!!) eines Lüftungsschachts zu posieren, beschäftigt noch heute viele Frauen. Über 40 Paar Schuhe soll ihr allein der Designer Salvatore Ferragamo auf den Fuß geschneidert haben.

Absatzfrage

Ab einer Absatzhöhe von zehn Zentimetern geht ein Damenschuh als High Heel durch. Wie hoch für welche Frau aber zu hoch beziehungsweise genau richtig ist, fassten Forscher vom Londoner Institute of Physics in folgender Formel zusammen: h=Q(12+3/8) Dabei steht h für die maximale Höhe der Absätze, s für die Schuhgröße (in britischen Einheiten) – und muss Q anhand von Faktoren wie „Vorliebe der Frau für hohe Schuhe“ oder „Menge an Alkohol, die die Frau am Abend zu trinken gedenkt“ individuell bestimmt werden.

Feinde

Feminismus
High Heels = bäh, weil Sinnbild sexueller Unterwerfung

Kopfsteinpflaster
einmal Absätze richten lassen: um 10 bis 12 Euro

Hallux valgus
oft schmerzhafter Schiefstand der großen Zehe

Stehempfänge
noch übertroffen von: Gastgebern, die ihr Parkett schonen wollen und Puschen verteilen