Frauen

Wachstumsmotor Frau

Autor: Angelika Zahn
Frauen haben andere Erwartungen und Ansprüche an Dienstleistungen und Produkte als Männer. Die gute Nachricht: Gelegentlich wird das in der Wirtschaft sogar schon begriffen!

Pferde(stärken)liebe

Klein, rund und nur ein paar wenige, niedliche PS-chen: So stellt man sich das typische Frauenauto vor. Von wegen: „Das darf man nicht pauschalisieren“, sagt Frau Prof. Dr. Doris Kortus-Schultes, Leiterin des Kompetenzzentrums „Frau und Auto“ der Hochschule Niederrhein. Welches Modell Frauen anspreche, hänge stark von der Lebensphase ab, in der sie sich befinde. Gerade auf jüngere Frauen wirke der Stempel „Frauenauto“ oft abschreckend. „Kantiges Design ist da wieder im Kommen.“ 75 Prozent der Frauen, die das Institut für eine Studie befragt hat, würden sich beim nächsten Autokauf für ein höher motorisiertes Modell entscheiden. Überraschend: Die Mehrheit der befragten Frauen gab an, dass nicht etwa ein schnuckeliger Fiat 500, sondern ein kraftstrotzender Porsche ihr Traumauto sei. Nur bei der Werbung gäbe es klare Gender-Unterschiede: „Frauen haben da gerne Witz, bunte Farben, Situationen mit Menschen“, sagt Kortus-Schultes. „Bei Männern genügt eine dicke Karre vor anthrazitfarbenem Hintergrund. Außerdem ist es für sie ein No-go, über das Auto zu lachen.“

Süß bleibt

Was ist bunt, süß und der Trend der letzten Jahre? Der Cupcake. Der kleine Kuchen mit der aufwendigen Verzierung ist aus den USA nach Deutschland gekommen und inzwischen in – buchstäblich – aller Munde. Eine Branche, die fast ausschließlich von Frauen lebt. Das bestätigt auch Iris Wagner. Sie eröffnete 2010 den ersten Cupcake- Laden in München. 80 Prozent ihrer Kunden sind weiblich: „Cupcakes bedeuten für Frauen Lifestyle. Man belohnt sich mit etwas, was klein, süß und auch ein bisschen verboten ist.“ Die zierlichen, glitzernden Kreationen erinnern an Schmuckstücke. Deshalb werden die Kalorienbomben in Wagners Laden „Wir machen Cupcakes“ in Schmuckvitrinen präsentiert. Clevere Vermarktungsstrategie.

It’s my money, honey

Die sparsame Frau, die nur den Cent ausgibt, den sie auch hat – stimmt nicht. Der weibliche Umgang mit Geld hat sich offenbar stark verändert. Wie eine aktuelle Auswertung der Schufa ergeben hat, nehmen immer mehr Frauen Kredite auf, um sich den Lebensstil finanzieren zu können, den sie sich wünschen. So wurden 2010 41 Prozent der Darlehen an Frauen vergeben, 2004 waren es nur 35 Prozent. Cornelia Schulz vom Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken sagt: „Frauen nehmen Finanzentscheidungen verstärkt selbst in die Hand.“ Einige Genossenschaftsbanken haben sogar spezielle Beratungskonzepte für Frauen entwickelt. Das „Frauen-Banking“ soll individueller sein, kommunikativer und auf die Besonderheiten der nicht immer durchgängigen Erwerbsbiografien von Frauen ausgerichtet.

Nerdinnen im Kommen

Eine aktuelle US-Studie enthüllt: Von den 96 Milliarden Dollar, die mit Consumer-Electronics umgesetzt wurden, gaben Frauen 55 Milliarden aus. Bei den amerikanischen Teenagern zwischen 13 und 18 Jahren benutzen die Mädchen elektronische Geräte sogar weit häufiger als die gleichaltrigen Jungs. Übrigens: Bei „Media Markt“ und „Saturn“ hält sich der Anteil von männlichen und weiblichen Kunden inzwischen die Waage – auch wenn Kommunikation und Marketing der Elektronikriesen nicht geschlechtsspezifisch zugeschnitten sind. Das bestätigte eine Sprecherin der Unternehmen.

Wenn Frauen bauen

Sieht man, ob ein Haus von einem Architekten oder einer Architektin entworfen wurde? Gibt es so etwas wie ein „Frauenhaus“? „Rein optisch lassen sich keine Differenzen aufzeigen, obwohl Männer und Frauen mit großer Sicherheit andere Anforderungen ans Wohnen stellen“, sagt Dr. Dörte Kuhlmann, Professorin für Architekturtheorie und Autorin von „Raum, Macht, Differenz. Gender in der Architektur“. Die Einheitlichkeit im Baustil sei, so Kuhlmann, auf die Architekturausbildung zurückzuführen. Allerdings sei das heutzutage propagierte Gendermainstreaming bei öffentlichen Bauaufgaben eindeutig auf die feministische Bewegung zurückzuführen. Eines der interessantesten Projekte aus jüngster Zeit: die FrauenWerkStadt in Wien. Hier planten Architektinnen eine Wohnanlage mit 360 Wohneinheiten für Frauen – mit ebenerdigen Mülltonnenräumen, üppigen Kinderspielfl ächen und speziellen Kinderwagenabstellräumen. Den Männern, die dort leben, soll’s auch gut gefallen …

Telefontreue

Frauen sind treuer. Zumindest, was die Wahl ihres Telefonanbieters betrifft: Erst 13,7 Prozent von ihnen haben schon einmal den Anbieter gewechselt – bei den Männern sind es 20,3 Prozent. Das geht aus einer Umfrage von E-Plus aus dem Jahr 2011 hervor. Darüber hinaus setzen Handybesitzerinnen eher auf Prepaidkarten (45,7 Prozent) als auf Langzeitverträge (33,4 Prozent – der Rest der Damen lebt handylos). Um das zu ändern, fährt die Telekommunikationsbranche das volle Werbeprogramm, speziell für SIE. Corinna Keim vom Verband der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) sagt: „Es werden für Marketingmaßnahmen gezielt Gesichter ausgewählt, die Kundinnen ansprechen. Frauen mit kleinen Kindern zum Beispiel. Außerdem sollen Kooperationen mit Frauenzeitschriften locken.“