Grenzen

Auf Tuchfühlung

Autor: Alexandra Hildebrand |
Foto: Burak Dirik
Zeynep Mutlu arbeitet im Vertrieb von CWS-boco. In ihrer Freizeit beschäftigt sich die Ingenieurin mit Mode: Ihr Blog zeigt sie in Outfits mit Kopftuch. Eine Frau, die mit Konventionen bricht

Mittagspause im Café Schmidt am Hamburger Fischmarkt. Es duftet nach frischem Gebäck und Kaffee. An den Tischen: Trauben von Menschen aus den umlie­genden Büros. Stimmengewirr, Bestecke klappern, Holzstühle knarzen. Lächelnd betritt Zeynep Mutlu den Raum, zieht Blicke auf sich, nimmt Platz. Rasch die Bestellung aufgeben, und dann los: Es gibt viel zu erzählen.

 

Die Modische

Zeynep Mutlu hat große dunkle Augen, lange Wimpern, eine schmale Nase. Sie trägt einen Hosenanzug, weiße Bluse, hochhackige Schuhe – ein Businessoutfit, sehr stylish: „Ich versuche, bei den ganzen Regeln und Dresscodes ich selbst zu bleiben“, sagt sie. In ihrem Beruf vertreibt sie bei CWS-boco Berufskleidung. „Natürlich hat das auch was mit Mode und Design zu tun, aber es ist beständiger – manchmal tragen meine Kunden eine Kollektion drei Jahre lang.“ Die Bluse, die sie heute anhat, ist eigentlich ein Männerhemd und schaut unter dem Blazer hervor. Auf dem Kopf hat sie sich ein dunkelblaues Kopftuch zu einem Turban gebunden, das ihren isla­mischen Glauben bezeugt. Mutlus Eltern stammen aus der Türkei. „Außerdem liebe ich freche und rockige Details wie Nietengürtel oder Ganz­fingerringe, um ein bisschen Farbe in das Einheitsgrau zu bringen.“ Sie fällt auf, und das trägt auch ein bisschen zu ihrem Erfolg im Beruf bei.

„Ich versuche, bei den ganzen Regeln und Dresscodes ich selbst zu bleiben“

Zeynep Mutlu

Die Businessfrau

Der Wahlhamburgerin – geboren wurde sie in Rendsburg – ist die Arbeit mit anderen Menschen wichtig: „Ich bin von Natur aus offen, schließe gerne neue Bekanntschaften und mag es, andere Meinungen und Gedanken kennenzulernen.“ Deshalb studierte sie nach ihrer Ausbildung zur Bürokauffrau Textilingenieurwesen in der Hansestadt und bewarb sich anschließend bei CWS-boco im „Sales Excellence“-Programm. Die Initiative bereitet neue Mitarbeiter in Trainingseinheiten auf ihre Aufgaben im Vertrieb vor. „Ich habe in einem Jahr alles über den Vertrieb, den Umgang mit Kunden, Körpersprache und Auftreten gelernt“, sagt Mutlu. Entgegen der Erwartung vieler profitiert sie von ihrem Kleidungsstil. „Ich mache die Menschen neugierig, auch wenn ich es gar nicht beabsichtige. Meine Gesprächspartner wollen wissen, warum ich einen Turban trage, stellen Fragen, und ich beantworte sie. Gute Beziehungen sind für meinen Job essenziell.“ Ihre Mode in Kombination mit ihrer Religion baut eine Brücke zu den Menschen. Auch privat möchte sie das erreichen – und ihr Blog spielt dabei eine wichtige Rolle.

Ein Streifzug durch Mutlus Mode-Blog

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Was tun, wenn man bzw. Frau keine Idee für ein passendes Outfit hat? Mutlu weiß Rat: „Am besten ist es mit den Kleidern oder wie hier Hemdkleidern, einfach drüber ziehen & ein Gürtel dazu, fertig ist das Outfit.“

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Modische Kombinationen leicht gemacht: Oft, schreibt Mutlu, handhabe sie es so, „dass ich nur einzelne Komponenten am nächsten Tag austausche. Mal das Oberteil, dann die Schuhe und /oder die Accessoires.“

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Klappt übrigens auch bei gewagten Kombinationen im Business-Style: Denn, so Mutlu weiter, „nichts muss, alles kann“.

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Natürlich sind auch Schuhe ein heißes Thema. Wie man sie richtig kombiniert, zeigt Mutlu in ihrer Serie kurz vor Weihnachten.

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Dabei sind die Locations bunt gemischt. Hier zeigt die Bloggerin Outfit Bilder ihres jüngsten Antalya Trips.

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Mode ist übrigens nicht das einzige Sujet. Mutlu bloggt auch über Food, Facts und schöne Orte. Mehr auf ihrem Blog https://makzey.com

Die Bloggerin

Mutlu im Overall, mit Hippiekleid, mit Bomberjacke und High Heels: Auf dem Blog makzey.com lesen rund 5000 Follower ihre Einträge und die ihrer Freundin Makbule. Ihre Kleidung kauft sie selbst, verändert sie aber auch gerne, indem sie zum Beispiel Ärmel abtrennt. „Ich bespiele hauptsächlich den Fashionbereich, in dem ich Fotos von meinen Outfits online stelle – nicht als Werbung für Modemarken, sondern als Inspiration für andere. Makbule kümmert sich um Reisen und Essen.“

Den Blog betreibt Mutlu in ihrer Freizeit, als Ausgleich zum Job. Aber nicht nur deshalb. Sie will auch zeigen, dass sich weder Religion und Mode noch traditionelle Werte und modernes Leben ausschließen. „Unsere Beiträge sollen inspirieren. Wenn man Kopftuch trägt und zwischen zwei Kulturen schwebt, muss man sich immer wieder beweisen. Dennoch sind wir voller Power und kämpfen uns überall durch. Wir möchten andere Menschen motivieren, nie aufzugeben und ihre Ziele bis zum Ende zu verfolgen“, schreibt sie auf makzey.com.

„Jeder soll so leben, wie es ihm guttut“

Zeynep Mutlu

Die Gläubige

Aber wie ist das genau mit den zwei Kulturen? „Ich habe lange versucht, mich einzuordnen, bis ich festgestellt habe, dass ich das gar nicht muss“, sagt sie entschlossen. Mutlu wurde sehr religiös erzogen. „Meine Eltern haben mir Tugenden wie Nächstenliebe, Bescheidenheit und Toleranz nahegelegt. Meine Reli­gion ist mein gesunder Menschenverstand.“ Dazu gehört auch, dass sie sich nicht auf die Gesetze aus dem Koran versteift, sondern ihren Sinn hinterfragt und an die gesellschaftlichen Realitäten anpasst. „Der Sozialstaat Deutschland und das europäische Rechtssystem berücksichtigen sehr viele Werte, die der Koran und meine Familie mir vermittelt haben“, ist Mutlu überzeugt.

Für ihren Mut zur Individualität bekommt sie viel positives Feedback. „Meine verrückte Tochter“, nenne ihre Mutter sie liebevoll. Ihre internationalen Follower in den sozialen Medien sind begeistert von ihrem Stil. Es gibt aber auch Kritiker. Laut Mutlu haben insbesondere sehr traditionell erzogene Muslima öfter mal „was zu meckern“, etwa dass sie sich nicht dem Koran entsprechend kleide und ihn deshalb auch nicht adäquat leben könne.

Mutlu sieht das anders: Für sie ist ihr Kopftuch eine Hilfe, sich daran zu erinnern, ihre eigenen Grenzen nicht zu überschreiten. Wenn sie betet, hilft ihr das, zum Beispiel an einem stressigen Arbeitstag zur Ruhe zu kommen. Und mit ihrer modischen, aber nicht frei­zügigen Art will sie als offener, interessierter Mensch wahr- und ernst genommen werden. „Jeder soll so leben, wie es ihm guttut. Es gibt nicht nur Schwarz und Weiß. Bunt ist viel schöner!“


TRAINING ON THE VERTRIEB

Mit dem TÜV-zertifizierten Programm „Sales Excellence“ bildet der Haniel-Geschäfts­bereich CWS-boco Einsteiger wie Zeynep Mutlu für den Direktvertrieb aus. Die Teilnehmer durchlaufen ein zwölf­monatiges Trainingsprogramm, das verschiedene Trainingsmodule sowie Begleitung und Unterstützung durch einen erfahrenen Vertriebspartner als Mentor beinhaltet.