Kapitalismus

Können Sie richtig gut einkaufen?

Autor: Constanze Busch
Möchten Sie ein verantwortungsvoller Verbraucher sein? Dem nicht egal ist, welche Tomaten in seiner Salatschüssel landen? Dann los: Arbeiten Sie sich in der Grafik von oben nach unten vor, zählen Sie die Punkte zusammen. Am Ende erfahren Sie, ob Sie ein enkelfähiger Konsument sind.

Herkunft:

Die meisten Tomaten, die in Deutschland gegessen werden, stammen nicht von heimischen Bio-Bauern, sondern aus Holland, Spanien oder Marokko – und damit aus Massenproduktion. In Südeuropa und Nordafrika herrschen zum Teil katastrophale Arbeitsbedingungen: Rund um Almería in Andalusien zum Beispiel hausen Arbeiter in Slums aus Plastikplanen und ohne fließendes Wasser.

Klimabilanz:

Tomaten fühlen sich bei 20 Grad besonders wohl. In Mitteleuropa muss deshalb während der Saison von April bis Oktober oft geheizt werden. Viele Experten geben der spanischen Tomate in puncto Energieeffizienz bessere Noten als der deutschen oder holländischen – der transportbedingte CO2-Ausstoß ist dabei schon einkalkuliert. Aber Nordeuropa holt auf. Nicht nur, weil die Sommer wahrscheinlich heißer werden, sondern aufgrund schlauer Energienutzung.

Wassereffizienz:

In diesem Punkt haben Deutschland und Holland klar die Nase vorn: Hier fällt genug Regen. In Spanien und Marokko müssen Gemüsebauern wässern, dadurch sinkt der Grundwasserspiegel. In einem Kilo spanischer Tomaten stecken insgesamt fast 83 Liter Wasser, davon nur 35 Liter Regenwasser.

Anbau:

Bio oder nicht Bio? Über die Umweltbilanz sagt das wenig aus – auch spanisches Bio-Gemüse braucht viel Wasser und muss nach Deutschland transportiert werden. Bio-Tomaten weisen allerdings quasi keine Pestizid- Rückstände auf. Und sie punkten mit einem höheren Gehalt an gesundem Vitamin C und Antioxidantien.

Anfahrt:

Wer mit dem Auto einkaufen fährt, erzeugt zwei- bis dreimal so viele Treibhausgase wie bei der Fahrt mit dem ÖPNV. Wer zu Fuß geht oder zum Einkaufen radelt, ist klimaneutral unterwegs.

Bezugsquelle:

Schwieriger Punkt. Der Bio-Laden schlägt zwar den Supermarkt, und am besten kauft man sowieso direkt beim Bauern ein, aber: Die Autofahrt zum Hofladen würde die Umweltbilanz verhageln! Bio-Tomaten aus der Region sind im Bio-Laden nicht unbedingt besser als im Supermarkt – es sei denn, im Bio-Laden sparen Sie die Plastikverpackung. Und im Winter muss auch der Bauer um die Ecke sein Gewächshaus heizen.

Verpackung:

Obst und Gemüse liegen zu mehr als 60 Prozent nicht lose, sondern vorverpackt im Supermarktregal – Tendenz steigend. 250 Gramm Cocktailtomaten stecken zum Beispiel oft in einer 17 Gramm schweren Plastikbox. Häufig ist übrigens ausgerechnet Bio-Gemüse vorverpackt. Denn so können die Supermärkte am einfachsten konventionelle von Bio-Ware trennen.