Kapitalismus

Werteposition: Wettbewerb um jeden Preis?

Foto: Bettina Engel-Albustin
Auf einen Gedanken mit Stephan Gemkow und Franz Markus Haniel
Stephan Gemkow

„Die Politik muss Leistungsanreize setzen und für Sicherheit, Chancengleichheit und soziale Absicherung sorgen"

Stephan Gemkow

[STEPHAN GEMKOW] Eine wettbewerbsfähige soziale Marktwirtschaft muss sich an internationalen Entwicklungen messen lassen und das Soziale mit dem Wettbewerb versöhnen. Dies gelingt, wenn die Politik Leistungsanreize setzt und für Sicherheit, Chancengleichheit und soziale Absicherung sorgt. Sonst fragmentiert sich die politische Landschaft zunehmend, und es wird schwieriger, ein stabiles und für Investoren attraktives Umfeld zu schaffen.

Ich stelle mir zudem die Frage, ob das deutsche Verständnis von „sozial“ noch zeitgemäß ist: Häufig wird darunter verstanden, dass der Staat eine umfassende finanzielle Umverteilung von oben nach unten betreibt. Das jedoch geht oft zu Lasten künftiger Generationen. Außerdem sind Staaten mit einer ausufernden Staatsquote so gut wie nie wettbewerbsfähig. Unterdessen sind Unternehmen besonders gefordert: Sie müssen nicht nur einen angemessenen Wert für die Kapitalgeber generieren, sondern auch dafür sorgen, dass alle anderen relevanten Stakeholder die unternehmerische Tätigkeit als sinnvoll empfinden und unterstützen.

Franz Markus Haniel

„Unternehmerische Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung sind untrennbar miteinander verbunden"

Franz Markus Haniel

[FRANZ MARKUS HANIEL] Wir haben schon vom alten Franz vorgelebt bekommen, dass unternehmerische Freiheit und gesellschaftliche Verantwortung untrennbar miteinander verbunden sind. Es geht im Kapitalismus nicht nur darum, Gewinne zu erzielen, sondern auch Werte zu schaffen, die der Gemeinschaft zugutekommen.

Ich finde es wichtig, dass Unternehmen und ganz besonders Manager diese Haltung vorleben und sich bei jeder Entscheidung fragen, welche Auswirkungen diese auf die Gemeinschaft hat. Das steht auch nicht im Widerspruch zu Shareholder-Interessen, denn die bedeuten nicht, dass einer gewinnt und alle anderen verlieren. Die soziale Verantwortung eines Unternehmens zeigt sich im täglichen Umgang mit den Menschen und nicht nur darin, dass es eine Stiftung hat oder vor Ort was Soziales tut. Deshalb sehe ich es mit einer gewissen Sorge, dass der angelsächsische Turbokapitalismus auch immer weiter zu uns vordringt.