Kooperation

„Frauen schaffen es ohne Quote“

Autor: Alexander Runte |
Foto: Christina Virzi, The Female Factor
In der Ausgabe „Kooperation“ gingen wir der Frage nach, wie effektiv Frauennetzwerke funktionieren. Nun hat die neue Bundesregierung ab 2016 die Quote für Frauen in Aufsichtsräten beschlossen: 30 Prozent der Stellen sollen dann weiblich besetzt sein. Christina Virzí, Chefin des Frauen-Headhunting-Unternehmens Female Factor hält davon gar nichts und erklärt, wie Frauen auch ohne Quote nach oben kommen.

Ist die Frauenquote von 30 Prozent für Aufsichtsräte bis 2016 zu schaffen?

Ja, auf alle Fälle. Aber sie wird nichts daran ändern, dass Unternehmen auch weiterhin von Männern geführt werden. Die operativen Vorstände sind nämlich nach wie vor fast rein männlich. Und die Diskussion um die Frauenquote ist in diesem Bereich eher schädlich.

Wieso?

Auf Vorstandsebene gab es in den letzten Jahren typische Fälle, wo Frauen zum Einsatz kamen, die sich leider nicht lange gehalten haben. Sie kommen von extern und werden häufig auf Positionen gehoben, denen sie nicht gewachsen sind. Sie kennen weder das Unternehmen noch die Fallstricke und haben keinerlei internes Netzwerk. Da ist es nicht verwunderlich, dass sie scheitern. Hinter vorgehaltener Hand heißt es dann „ihr wolltet mitspielen – und nun könnt ihr es nicht.“ Und das ist auch eine Reaktion auf die Frauenquote.

Aber wie kommen Frauen dann in die Chefetage?

Eines ist wichtig: Es ist absolut berechtigt, dass Frauen in die Vorstandsetagen einziehen. Sie können es auch. Aber es gibt einen Weg dahin. Einen, der fundiert und weniger sichtbar ist, bei dem die Frauen nicht so leicht für Fehler, die sie machen, die alle machen, auch Männer, angegriffen werden können. Es braucht zunächst eine akkurate Auswahl der richtigen Frau, die sich dann – von extern kommend – erst intern beweisen muss. Das kann auch auf einem beschleunigtem Weg gehen, aber ein, zwei Jahre braucht es schon, um Netzwerke im Unternehmen zu knüpfen und zu überzeugen, dass man mehr kann.

Aber wenn es so einfach wäre, würde es doch mehr Frauen als Vorstände geben. Wieso sieht es denn bisher so dünn aus?

Eine absolut berechtigte Frage und eine, die mich täglich umtreibt. Es gibt viele Antworten: zum einen ist es die Sozialisierung. Wir Frauen sind so erzogen, dass wir uns Dinge nicht einfach nehmen. Frauen drängen nicht in Positionen, sie wollen gefunden werden. Der zweite Punkt: Frauen haben es schlicht und ergreifend schwerer als Männer. Sie bekommt die Kinder, sie macht die Lunchbox, auch heute noch. Der wesentliche Punkt aber nach wie vor ist es, dass viele Frauen nicht wollen. Nur wenige haben wirklich Freude daran, ganz oben „mitzuspielen“ und alle damit verbundenen Konsequenzen zutragen.

Wie können Sie Frauen auf dem Weg nach oben helfen?

Zunächst muss ich gut selektieren. Ich muss also die Frauen finden, die Spaß an der Führungsrolle haben. Dann helfen wir denen, nicht zu scheitern. Das heißt: bei einem Wechsel von extern dürfen sie maximal eine Position überspringen. Sonst schaffen sie sich Feinde im Unternehmen. Wir sorgen dafür, dass die Frauen intern unterstützt werden, dass sie sich vernetzen. Sie sollen Projekte betreuen, die direkt unter dem Vorstand aufgehängt sind, damit dieser sieht, was sie können. Das wichtigste: Sie müssen lernen, wer die wichtigen Entscheidungen trifft. Oft nämlich nicht der, der den Titel dazu hat. Wenn man das weiß, wenn man will und wenn man inhaltlich geeignet ist, ist der Weg nach oben offen. Auch für Frauen.

 

Mehr über die Werte von Christina Virzi erfahren Sie auf der Website der Headhunting-Agentur Female Factor.

Einen aktuellen Überblick über die Frauenquote in Dax-Vorständen können Sie sich in einem Beitrag vom Handelsblatt verschaffen.

Unser Blick auf Frauennetzwerke finden Sie unter „Eine für alle – alle für eine?“