Krise

Wohlfühlware

Autor: Angelika Zahn
Die Wirtschaft ist im Keller. Von wegen! In manchen Märkten gilt: Je baisse, desto boomer.

Kein schöner Land in dieser Zeit

Warum in die Ferne schweifen? Besonders in der Krise zieht es die Deutschen nach – Deutschland. 320 Millionen Mal übernachteten sie laut „Deutschem Tourismusverband“ 2010 auswärts im Heimatland. Besonders im Trend: Zelten. Im ersten Halbjahr 2011 stieg die Auslastung von Campingplätzen um 11,8 Prozent.

Du hast das Häuschen schön

Hämmern, sägen, leimen: Statt einen teuren Fachmann kommen zu lassen, versuchen sich viele Deutsche in Krisenzeiten am Heimwerken.

Und machen sich ihr Zuhause selber schön. Wer von dem Do-it-yourself-Trend profitiert? Die Baumärkte, sie jubeln über ihre Umsatzzuwächse. Yippiejaja Yippie Yippie Yeah! (Quelle: Bundesverband Deutscher Heimwerker-, Bau- und Gartenfachmärkte e. V. (BHB)/GfK-Report)

Küss mich, Krise!

Kein Geld – aber die Lippen schön rot: In Krisenzeiten boomt die Kosmetikbranche. „Lippenstifteffekt“ nennen Branchenbeobachter das. In schlechten Zeiten leisten sich Frauen eben keine Schuhe für 250 Euro, sondern lieber einen luxuriösen Lippenstift. Den gibt es nämlich schon für ein Zehntel.

Dolllaaaaah

Kuratorin Mon Muellerschoen, 51, arbeitet seit 25 Jahren im Kunstbetrieb und betreut mehrere große Sammlungen. Sie erklärt, warum Kunst in den letzten Jahren Rekordpreise erzielt.

Wie hat sich die Branche in der Krise verändert?

Die bekannten Namen, die großen, etablierten Künstler, haben sich wahnsinnig entwickelt. Warhol zum Beispiel. Für noch unbekannte Künstler ist der Markt wesentlich schwieriger geworden, weil Sammler nicht mehr so großzügig und entspannt in junge Kunst investieren. Jeder fragt vor dem Kauf: Ist das auch in zehn Jahren noch was wert? Ist das eine gute Anlage?

Warum kaufen die Menschen in der Krise Kunst?

Sammler trennen sich von Werken, weil sie eben Geld brauchen. Deshalb kommen jetzt Sachen auf den Markt, an die man vorher nicht rangekommen wäre. Wer Bargeld hat, befürchtet, dass es über Nacht nichts mehr wert ist, und geht in Sachwerte. Kunst war schon immer eine der besten Anlagen. Ein Warhol, den man in den Siebzigern für 2000 Dollar kaufen konnte, ist heute ein paar Millionen wert. Jeder wünscht sich, dass ihm das heute auch noch passiert.

Ist Kunst nur etwas für Reiche?

Nein. Ich will alle Menschen mit Kunst glücklich machen. Deshalb habe ich mit zwei Kollegen die Onlinegalerie WunderKunst.de gegründet. Da gibt es einen limitierten Kunstdruck mit Originalsignatur für 70 Euro.

Ganz nett vernetzt

„In kritischen Zeiten sind persönliche Beziehungen besonders wichtig. Denn gute Kontakte sind ein Netz, das trägt.“

Marc-Sven Kopka, Vice President Corporate Communications von Xing

Ende 2007 hatte Xing noch 4,83 Millionen Mitglieder, heute sind es 11,1 Millionen. Allein im ersten Halbjahr 2011 stieg der Gewinn um 95 Prozent.

Mitglieder im Social Network Xing: 2007: 4,83 Mio. | 2011: 11,1 Mio.

Angst essen Schokolade auf

93 Tafeln Schokolade: So viel isst ein Deutscher durchschnittlich pro Jahr – und in der Krise noch mehr. Denn jeder weiß: Schokolade macht glücklich. Sie lässt uns Bankenkrisen und Jobangst vergessen. Zumindest bis zum nächsten Blick auf die Waage.

Volle Möhre Bio

Sie ist orange, knackig – und der absolute Verkaufsschlager der Biobranche: die Möhre. 20 Prozent aller verkauften Karotten tragen inzwischen ein Biosiegel. Laut dem „Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft“ wurden 2005 in Deutschland 3,9 Milliarden Euro für Ökolebensmittel umgesetzt, 2010 waren es schon 5,9 Milliarden. Gerade in der Krise entscheiden die Deutschen offensichtlich bewusster, wofür sie ihr Geld ausgeben. Eigentlich ziemlich (öko-)logisch, oder?