Lernen

Dossier: Die Vermessung der Breze

Das deutsche Start-up PreciBake bringt Öfen bei, wie man backt, und legt damit den Grundstein für intelligente Küchenmaschinen.

„Judith und Holofernes“ von Caravaggio, gesehen vom Algorithmus des Künstlers Quayola.

Im Keller eines Bürogebäudes im Münchner Westen. Vereinzelte Sonnenstrahlen fallen in einen großen, spärlich eingerichteten Raum, an dessen linker Wand metallen glänzende, gefrierschrankgroße Industrie-Umluftöfen stehen. „Wenn Leute diesen Vorgang zum ersten Mal sehen, denken sie immer, es sei Zauberei“, sagt Ingo Stork-Wersburg, Geschäftsführer des Start-ups PreciBake. Das Erstaunliche ist, dass der Ofen selbst erkennt, welche Dinge sich in ihm befinden. Oder besser, eine schwarze Box, die in ihm eingebaut wurde. Diese Box ist mit Sensoren verbunden, sie ist lernfähig, weil sie mit einem künstlichen, neuronalen Netzwerk ausgestattet ist, dem man etwas beibringen kann. Man muss es nur mit Daten versorgen. Also etwa: Man zeigt ihm, wann eine Breze fertig gebacken ist. Dann erfassen die Sensoren, welche Farbe, welches Volumen, welchen Bruch der Teig hat. Die Maschine merkt sich all diese Details. Und beim nächsten Mal leitet sie den Ofen an, bei welcher Temperatur und in welcher Zeit die Breze am besten gedeiht. Dieser Vorgang ist einzigartig auf der Welt.

Cloud-Lösung ebenfalls im Angebot

Wie das im Detail funktioniert, verrät Stork-Wersburg nicht. Es ist ein System, das er mit anderen Studenten für seine Doktorarbeit an der Technischen Universität München entwickelt hat. Seit den Anfängen vor fast vier Jahren hat sich der „virtuelle Bäcker“ immer weiter verbessert. PreciBake bietet auch eine Cloud-Lösung an, mit der man verschiedene Öfen an mehreren Orten verbinden kann, die dann alle nach den Vorgaben des Bäckermeisters arbeiten. Der kann über Kameras einen Blick in die Öfen werfen und von überall, also zur Not auch aus dem Urlaub, die Qualität seiner Backwaren prüfen. In der Cloud sind auch alle Daten gesammelt, die der virtuelle Bäcker erfasst. „Wir objektivieren das Backen, Fehler können so viel schneller entdeckt werden“, erklärt Stork-Wersburg. Sollte also etwa eine Marge an Croissants nicht richtig aufgehen im Ofen, kann die Fehlerquelle leichter entdeckt werden. Das war bisher nicht möglich. PreciBakes künstliche Intelligenz erleichtert vor allem die Arbeit von Angestellten in Backfilialen und Supermärkten, die meistens keine ausgebildeten Bäcker sind, sondern Aufbäcker. „Der Gourmet- und Slowfood-Bäcker wird wahrscheinlich auch in Zukunft eher seinem Auge und Gefühl trauen als uns“, sagt Stork-Wersburg, der schon an andere Felder denkt. Erste Versuche in der Kulinarik laufen. Die künstliche Intelligenz kann Steaks braten und vielleicht bald auch ein Coq au Vin en point zubereiten.


Dieser Beitrag ist Teil des Dossiers „Machine-Learning“.

Hier geht’s zurück zur Übersicht >>>


Das Start-up PreciBake aus München entwickelt Produkte für die heutige Bäckereibranche. Die Firma steht quasi für die Verbindung von Handwerkskunst und IT-Lösungen.