Lernen

Dossier Machine-Learning: Die Zukunft ist heute

In letzter Zeit hat sich die Entwicklung des Maschinellen Lernens beschleunigt: Computer werden immer schlauer. Unbedingt Angst haben muss man vor den begabten Maschinen aber nicht.

„Venus und Adonis“ von Rubens, gesehen vom Algorithmus. Informationen zur Entstehungsgeschichte am Ende des Textes.

Künstliche Intelligenz (KI): Das klingt nach Zukunft, nach smarten Robotern, die mit uns beim Abendessen über Kunst parlieren. Oder nach Maschinen, die uns dienen oder sich, wie manche befürchten, gegen uns richten wie der Terminator. In unserer Vorstellung hat künstliche Intelligenz oft ein Gesicht, eine Gestalt, doch in Wirklichkeit ist sie meistens formlos; Software, Algorithmen, die Entscheidungen selbstständig treffen, ohne unsere Hilfe zu benötigen. Und: Sie sind längst unter uns. Vor allem in der Wirtschaft scheint der Siegeszug der klugen Technologien sich nicht mehr aufhalten zu lassen. Der japanische Industrieroboter-Hersteller Fanuc etwa hat begonnen, seine Maschinen mit KI auszustatten. Die Software kommt von Preferred Networks aus Tokio. Durch sie werden Fanucs meist in Gelb gehaltene Greifarme aus Metall lernfähig, sie können sich also zum Beispiel das rasend schnelle Ordnen von Objekten selbst beibringen.

 

 

 


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„Die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ von Botticelli, interpretiert von einem Algorithmus. Informationen zur Entstehungsgeschichte am Ende des Textes.

Roboter teilen ihren „Kollegen“ mit, was sie gelernt haben

Das passiert durch Sensoren und Kameras, die den Prozess aufzeichnen und damit Daten über ihn sammeln. Anhand dieser Daten lernt der Roboter seine Aufgaben selbst, ohne dass man ihn vorher programmieren müsste. Und zwar über Nacht, in acht Stunden, wie Fanuc mitteilt. Und wenn ein Roboter eine neue Fähigkeit in seinem Repertoire hat, kann er über ein Netzwerk auch seine Kollegen in der Maschinenhalle unterrichten. Sie ziehen sich die Informationen aus einer Daten-Cloud. Ähnlich arbeitet eine Software, die Bosch Rexroth verwendet, um den Verschleiß von Maschinen in Papierfabriken oder Stahlwerken besser bewerten zu können. Die Software analysiert über Sensoren an den Maschinen, welche Muster der Abnutzung auftreten, und kann dadurch präziser voraussagen, wann Teile und Komponenten ausgetauscht werden müssen.

 

 


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„Judith mit dem Haupt des Holofernes“ von Guercino, gesehen vom Algorithmus. Informationen zur Entstehungsgeschichte am Ende des Textes.

Bald haben Maschinen das Niveau von Menschen erreicht

Auch in anderen Bereichen kommt KI immer öfter zum Einsatz, etwa bei der Diagnose von Krankheiten. Ein Team von Forschern des Beth Israel Deaconess Medical Center und der Harvard University hat vor Kurzem eine Software vorgestellt, die Brustkrebs auf Diagnosebildern identifizieren kann. Sie ist noch nicht ganz so präzise wie ein Pathologe, aber fast. Es dürfte nicht sehr lange dauern, bis die Maschine das Niveau des Menschen erreicht hat. Und doch wird sie ihn nicht ablösen. Vielmehr wird sie zu seinem Assistenten. Der Mensch gibt der Maschine einen Auftrag, erklärt ihr, wonach er sucht, was sein Ziel ist, und sie hilft ihm, es schneller zu erreichen als bisher.

 

 

 


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„Judith enthauptet Holofernes“ von Caravaggio, interpretiert von einem Algorithmus. Informationen zur Entstehungsgeschichte am Ende des Textes.

Der Mensch füttert die Maschine mit Infos, die Software spuckt Hunderte Designs aus

Der Mensch wird zum „Mentor“, wie es der technische Direktor von Autodesk, Jeff Kowalski, ausdrückt. Autodesk ist eines der führenden Unternehmen von Designsoftware. Es arbeitet auch schon an einem Programm, das selbstständig kreative Entscheidungen treffen soll und mit jeder gestellten Aufgabe genauer und fantasievoller wird. Es heißt „Dreamcatcher“. Der Designer füttert die „Dreamcatcher“-KI mit Informationen, zum Beispiel über ein Fahrrad, das er herstellen möchte. Die Software spuckt innerhalb von ein paar Stunden Hunderte von möglichen Designs aus. Der Desi­gner wählt nun aus, was seinen Vorstellungen entspricht. Für die Entwicklung des Produkts bleibt letztlich die Intui­tion des Kreativen entscheidend. Sie kann nicht ersetzt werden. Bei anderen Jobs ist das anders.

 

 

 


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Die New Yorker Firma x.ai hat einen künstlich intelligenten persönlichen Assistenten ent­wickelt. Dennis Mortensen, CEO von x.ai, hält sie für deutlich besser als menschliche Teamassistenten. Ist das das Ende der klassischen Sekretärin?


 

 


quayolaKlassische Kunstwerke interpretiert von Algorithmen

Wie sehen Maschinen Kunst? Um diese Frage zu beantworten, scannt der italienische Künstler Quayola historische Kunstwerke ein, lässt sie von einem eigens entwickelten Algorithmus bearbeiten und präsentiert sie anschließend in neuer Form. In seiner Serie „Captives“, die uns als Illustration dieses Dossiers dient, zeigt Quayola eine ganze Reihe dieser 3D-Kunstwerke. Hier (von oben nach unten, jeweils links das Original und rechts die maschinelle Interpretation) die Werke „Venus und Adonis“ von Rubens; „Die Anbetung der Heiligen Drei Könige“ von Botticelli, „Judith mit dem Haupt des Holofernes“ von Guercino sowie „Judith enthauptet Holofernes“ von Caravaggio.