Megatrends

Die Mega-Experten von nebenan

Autor: Janina Groffmann (Protokolle) |
Foto: Dominik Asbach, Michaell Reed
In ihren Büros ist die Zukunft schon angekommen: Fünf Mitarbeiter aus der Haniel-Gruppe erzählen, wie sie heute an der Umsetzung der Megatrends von morgen arbeiten.

„Die Wäscherei von morgen hilft uns, Prozesse intelligent zu planen“

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Lars Fröbe, 40, Head of Corporate Operations bei CWS-boco in Duisburg. Experte für: Automatisierung

Vor einiger Zeit las Peter Taylor, COO von CWS-boco International, im Flugzeug einen Artikel über das automatisierte Lagersystem AutoStore. Zurück in Duisburg, landete dieser Zeitungsbericht bei Lars Fröbe auf dem Schreibtisch: „Können wir das nicht auch für uns nutzen? “ Der Ingenieur verantwortet weltweit Planung und Optimierung der Wäschereien von CWS-boco – das Unternehmen bietet unter anderem Berufskleidung im Mietservice an. Da gerade eine neue Wäscherei für Wiesbaden in Planung ist, beschließt er mit seinem Team, dieses Konzept auf die neue Wäscherei zu übertragen. Allerdings wurde AutoStore noch nie in einer Wäscherei genutzt. „Wir mussten viele Planungsschritte durchlaufen. Doch wir merkten: AutoStore ist ideal für unsere Bedürfnisse“, erzählt Fröbe.

Kleine Roboter fahren Kisten umher

Im AutoStore werden Plastikbehälter übereinander gestapelt. Auf der Lageroberfläche fahren kleine Roboter die benötigten Kisten zu den Aus- und Eingabeplätzen. „Damit ist AutoStore ideal für die Lieferung von Berufsbekleidung, denn es ermöglicht die effiziente Kommissionierung und Lagerung von Kleinteilen – und damit eine optimale Ausnutzung der verfügbaren Lagerflächen“, erläutert Fröbe. Ende des Jahres soll die neue Wäscherei in Betrieb gehen. Die angelieferte schmutzige Berufskleidung wird dann über Barcodes oder Chips ins neue Lagersystem eingelesen und in AutoStore-Kisten gepackt. Roboter sortieren diese ins Lager ein und berücksichtigen dabei auch, wann welche Kiste wieder benötigt wird: Damit die richtigen Kleidungsteile immer griffbereit sind, räumen die Roboter automatisch und regelmäßig um. „Wir wissen immer, wo genau sich welches Kleidungsstück im System gerade befindet. Das hilft zum Beispiel, wenn ein Kunde seinen Schlüssel in der Hose vergessen hat“, erzählt Fröbe. Sobald die Kleidung gewaschen und bearbeitet werden soll, stellt der Roboter die benötigte Kiste bereit. Ein weiterer Vorteil: Waschladungen aus mehreren Behältern lassen sich gezielt zusammenstellen, sodass Maschinen effizienter genutzt können – das spart Wasser, Chemie und Strom.

Weltweit erste Wäscherei mit AutoStore

AutoStore vereinfacht auch die Auslieferung: Auf Knopfdruck stellen die intelligenten Roboter alle Kisten für eine Tour zusammen. Die neue Wäscherei in Wiesbaden wird die weltweit erste mit einem AutoStore-System sein – aber vermutlich nicht die letzte: „Wir sehen bereits heute viele weitere Anwendungsmöglichkeiten in unseren Betrieben und viele weitere interessante Konzepte.“


„Wir können nur enkelfähig sein, wenn wir auch Enkel haben“

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Martina Tinnefeld, 52, Referentin Personalbetreuung bei Haniel in Duisburg. Expertin für: Gesundheit, Beruf & Familie

„Ich bin in der Personalabteilung direkte Ansprechpartnerin für die Mitarbeiter. Gesundheit und Vereinbarkeit von Beruf und Familie sind somit Teil meines Arbeitsalltags und werden immer wichtiger. Wir müssen uns fragen: Wo wollen wir in zehn Jahren sein?

Ein wichtiges Thema ist für uns Gesundheit, denn ein gesundes Unternehmen braucht gesunde Mitarbeiter. Um dies weiter auszubauen, erarbeite ich gerade in einem Arbeitskreis ein Konzept für ein betriebliches Gesundheitsmanagement. Mit einer Umfrage haben wir die Interessen der Mitarbeiter identifiziert. Heraus kam etwa, dass die meisten mehr für ihre Gesundheit tun wollen, ihnen aber einfach die Zeit fehlt. Dem kommen wir mit Angeboten wie Yoga in der Mittagspause oder Fitnesskursen auf dem Firmengelände entgegen. Auch Vorsorgeuntersuchungen bieten wir regelmäßig an. Für ein Unternehmen unserer Größe ist so ein Programm schon einzigartig.

Generation Y braucht Freiraum

Das zweite zentrale Thema, mit dem ich mich beschäftige, ist die Familienfreundlichkeit. Ich plane momentan ein Programm, um den Müttern – und auch immer mehr Vätern –, die in Elternzeit gehen, den Wiedereinstieg zu erleichtern. Wir halten den Kontakt während dieser Zeit und sprechen früh über die Rückkehr. So kann ich mich auch rechtzeitig um eventuelle Qualifikationsmaßnahmen kümmern. Nach dem Wiedereinstieg wollen wir sicherstellen, dass die Work-Life-Balance für Familien stimmt. Durch Teilzeitmodelle und Home-Office-Tage sorgen wir für Flexibilität. Gerade die „Generation Y“ legt Wert auf Freiraum; es wird daher für Unternehmen immer wichtiger, sich darauf einzustellen. Es reicht nicht, darüber zu reden, sondern man muss die Themen auch angehen. Diese Herausforderung macht mir viel Spaß.“


„Unsere Mitarbeiter sind mobil – unser Intranet ist es auch“

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Matthias Engler, 42, Manager Onlinemarketing bei CWS-boco in Dreieich. Experte für: Digitalisierung, Mobilität

Matthias Engler war schon immer ein Trendsetter für digitale Medien: Als Diplominformatiker ist er Internetnutzer der ersten Stunde: „Bereits 1996 hatte ich meine erste E-Mail-Adresse.“ Heute, fast 20 Jahre später, kümmert er sich nicht nur um das Onlinemarketing bei CWS-boco, sondern plant auch gemeinsam mit Kollegen ein interaktives Intranet für die Mitarbeiter.

Wofür braucht Ihr Unternehmen ein Intranet? Viele Mitarbeiter sind schließlich in Wäschereien tätig oder als Servicefahrer unterwegs.

Heutzutage sind wir daran gewöhnt, von überall auf Informationen zuzugreifen. Bisher war es schwierig, Nachrichten unter allen Mitarbeitern zu verbreiten. Es gab viele verschiedene Plattformen und Kanäle, die jeweils nur von einzelnen Gruppen, zum Beispiel Führungskräften, genutzt wurden. Die meisten unserer Mitarbeiter besitzen heute ein Smartphone. Deshalb bieten wir ihnen die Möglichkeit, das Intranet ganz bequem mobil zu nutzen. Unser neues Intranet soll für alle erreichbar sein.

Was ist das Besondere am neuen Intranet?

Weltweit stellen wir es in 18 Ländern zur Verfügung. Neben der Möglichkeit, Informationen für alle Mitarbeiter bereitzustellen, wird es eine Menge anderer Tools geben, die im Arbeitsalltag nützlich sind. Die Kollegen können zum Beispiel in Onlineprojektgruppen zusammenarbeiten, Inhalte empfehlen oder bewerten und sich mit anderen Mitarbeitern vernetzen.

Was denken Sie – auf welche Form der Mediennutzung müssen wir uns in Zukunft einstellen?

Die verschiedenen Medien wachsen immer mehr zusammen. Schon heute sind Smartphone oder Tablet alltägliche Begleiter, und man kann von überall Informationen konsumieren und Beiträge kommentieren. Privates und Berufliches lässt sich in Onlinenetzwerken weniger trennen. Und auch die Geschwindigkeit, mit der neue Portale kommen und gehen, nimmt zu. Die Herausforderung dabei ist, den Überblick über die Entwicklungen zu behalten und diese auf ihr Potenzial für das Unternehmen hin zu analysieren.


„Bilder helfen mir dabei, mich auf die wesentlichen Informationen zu konzentrieren“

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Markus Persing, 45, Program Manager IT bei Haniel in Duisburg. Experte für: Informationsverarbeitung, Neues Lernen

Sobald es in einem Meeting oder Workshop darum geht, die Ergebnisse zusammenzufassen, greift Markus Persing zu Tintenstiften und Aquarellkreide. Geschickt zeichnet der IT-Experte Symbole wie Glühbirnen, Strichmännchen oder Münzen. Noch ein paar Pfeile und Beschriftungen – schon sind die wichtigsten Punkte kompakt auf einem Blatt Papier zusammengefasst. Bikablo® nennt sich diese Technik, die durch Bildsprache komplexe Zusammenhänge auf das Wesentliche komprimiert. „In den nächsten Jahren wird die Informationsflut noch weiter zunehmen“, sagt Persing. „Trotzdem sollte das Visualisieren nicht als Möglichkeit gesehen werden, noch mehr zu schaffen, sondern den Arbeitsalltag zu entschleunigen.“

„Nach dem ersten Seminar war ich süchtig“

Bikablo entdeckte er durch einen Tipp seines Chefs. „Als ich davon hörte, hat es sofort in den Fingern gekribbelt – und nach dem ersten Seminar war ich süchtig“, erzählt der 45-Jährige. „Das Visualisieren an sich ist eine Technik, die jeder erlernen kann, auch wenn er kein Zeichentalent hat. Alle Symbole bestehen nur aus einfachen Zeichen. Mit Farben hat man jedoch viel künstlerischen Spielraum, und die Leute schauen sich die Bilder gerne noch mal an.“

Drei Jahre und mehrere Seminare später ist Persing bei Haniel bekannt für seine bunten Zeichnungen. Diese nutzt er nicht nur in IT-Projekten, sondern wird auch immer öfter darum gebeten, für Workshops oder Initiativen die Ergebnisse auf Papier zu bringen. „Ich bin froh, dass ich mich bei Haniel so ausleben kann“, freut sich Persing. Denn die Kunst begleitet ihn schon sein Leben lang: Malte er als Jugendlicher noch Porträts, sind es heute abstrakte Werke, die er auch regelmäßig ausstellt.


„Es ist nicht damit getan, viel Geld für ein Solardach auszugeben“

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Bart Kohler, 54, President und Chief Operating Officer bei Hubert in Harrison, Ohio. Experte für: Nachhaltigkeit

Als wir vor zwei Jahren für unser zentrales Warenlager in Ohio ein neues Dach brauchten, bot sich die Möglichkeit, den Neubau mit einem Solardach zu verbinden. Wenn nicht jetzt, wann dann? Unser Mutterkonzern TAKKT investiert viel in Nachhaltigkeit und war sofort von unserem Projekt überzeugt. Im letzten Jahr wurde das Dach fertig gestellt. Es ist 46 000 Quadratmeter groß – das entspricht sechseinhalb Fußballfeldern. Wir produzieren damit ein Drittel unseres Gesamtstrombedarfs und sparen pro Jahr circa 900 Tonnen CO₂. Doch das allein reicht nicht. Die Verantwortung für die Umwelt sollte im gesamten Unternehmen integriert werden. Deshalb entschieden wir uns für eine LEED-Zertifizierung (Leadership in Energy and Environmental Design). Dies ist ein Zertifizierungssystem für grüne Gebäude, das verschiedene Standards für umweltfreundliches, ressourcenschonendes und nachhaltiges Bauen vorgibt.

Alle ziehen an einem Strang

Dafür war viel Engagement nötig: Wir mussten Recyclingkonzepte für alle verwendeten Materialien erstellen, tauschten die Lichtquellen gegen energiesparende LEDs und setzten wassersparende Armaturen in den Waschräumen ein. Außerdem erforderte das Projekt die Mithilfe von allen unseren Mitarbeitern. Wir mussten ihre Arbeitswege dokumentieren und ihnen grüne Alternativen wie Mitfahrgelegenheiten oder Fahrrad anbieten.

Natürlich nutzt uns dieser Einsatz auch wirtschaftlich: Unseren 300 Mitarbeitern ist es wichtig, bei einem nachhaltigen Unternehmen zu arbeiten. Gerade die jüngeren sind sensibler für Umweltthemen. Und auch viele unserer Großkunden legen Wert auf die Nachhaltigkeit ihrer Lieferanten.“

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