Megatrends

Familienbande

Autor: Rudolf Wimmer mit Torsten Groth |
Foto: Julian Rentzsch (Illustration)
Altmodisch, wenig innovativ? Nein, erstaunlich krisensicher, wenn man ein paar Dinge beachtet – den Familienunternehmen gehört die Zukunft.

Seit knapp 20 Jahren beschäftigt sich das Wittener Institut für Familienunternehmen mit der Erforschung des Einflussfaktors Familie auf das Wohl und Wehe von Unternehmen. Hierbei zeigt sich die Janusköpfigkeit des in der Forschung so genannten „Familyness“-Faktors. Gerade für die Langlebigkeit ist dies von großer Bedeutung. Eine Unternehmerfamilie muss in der Lage sein, bei wachsender Mitgliederzahl und allen Entfremdungs- und Konfliktdynamiken, die damit einhergehen, den gemeinsamen Willen zum Fortsetzen des unternehmerischen Engagements immer wieder zu bekräftigen.

Dies ist die Grundbedingung für die Ausbildung einer Familienstrategie, die einen Korridor an Werten und Grundsatzstrategien für das Management vorgibt. Die jüngste Wirtschaftskrise hat eindrucksvoll gezeigt, wie Unternehmen im Familienbesitz existenzielle Bedrohungen überstehen können. Wichtig sind hier vor allem drei typische Aspekte: Sie zeigen in der Personalpolitik, der Finanzierung und der Strategieentwicklung auffallend andere Schwerpunktsetzungen. Im Zusammenwirken erzeugen sie jene Widerstandsfähigkeit, die sich mit dem Begriff „Resilienz“ zusammenfassen lässt.

Krisenfest wird ein Familienunternehmen vor allem in guten Zeiten

In der Personalpolitik geht es darum, den Umgang einer Unternehmerfamilie mit den Mitarbeitern zu pflegen. Erarbeitetes Vertrauen dieser beiden Partner erweist sich in Krisenzeiten als Beziehungskapital, aus dem sich ein einzigartiger Wettwerbsvorteil ziehen lässt. Wenn kein Widerspruch um Kapital und Arbeit herrscht, kämpfen alle Beteiligten gemeinsam. Dieses Verhältnis muss kontinuierlich gepflegt werden, indem etwa Versprechen auf Wiedereinstellungen nach Krisenzeiten gehalten werden oder die Eigentümerfamilie sichtbar Verzicht übt. Finanziell muss ein Unternehmen den Bewegungsspielraum einer hohen Eigenkapitalausstattung behalten. Das klingt nur dann trivial, wenn man nicht sieht, dass eine hohe Eigenkapitalquote nur in den Zeiten wirtschaftlichen Aufschwungs aufgebaut werden kann.

Hier bedarf es einer Unternehmerfamilie, die mit einer am langfristigen Überleben orientierten Rationalität die Marktchancen neu bewertet und nicht den Versprechen kurzfristiger Erfolge (und Ausschüttungen) erliegt. Denn das ist neben Personalpolitik und Finanzierung der dritte Baustein eines resilienten Familienunternehmens: Eine auf Langfristigkeit ausgerichtete Strategie gibt den Rahmen vor, in dem aktuelle Geschäftsoptionen bewertet werden. Bei weitreichenden Entscheidungen jeweils nicht nur auf die kurzfristigen Gewinnmöglichkeiten zu schauen, sondern den Blick auf die Konsequenzen für die Folgegeneration der Eigentümerfamilie zu richten, ist Kernbestand einer Familienstrategie.

Eine Werteorientierung für mehrere Generationen sowie eine an den unternehmerischen Bedürfnissen ausgerichtete Ausschüttungspolitik bilden das Fundament für ein resilientes Familienunternehmen. Denn diese Krisenfestigkeit ist nicht nur durch ein besonders schnelles, kluges Entscheiden zu erklären, sie ist langfristig angelegt durch eine Familienstrategie, die in den Steuerungsvorgaben des Unternehmens vermeintlich unvorhersehbare Krisen bereits vorhersieht.


Wimmer

Prof. Rudolf Wimmer ist Professor für Führung und Organisation am Institut für Familienunternehmen der Universität Witten/Herdecke sowie seit 2013 Vizepräsident.

 

 

 

GrothTorsten Groth ist dort Dozent mit den Schwerpunkten Langlebigkeit, Nachfolge und Konfliktmanagement; als Berater unterstützt er Unternehmerfamilien in Fragen der Führung und Strategie.