Megatrends

„Händler werden ihr Geschäft umstellen müssen”

Autor: Alexander Runte
Sabrina Mertens, Leiterin E-Commerce-Center des Instituts für Handelsforschung in Köln, über Chancen und Entwicklungen im Online-Handel.

Wie wird sich der Online-Handel entwickeln?
Wir gehen davon aus, dass im Jahr 2020 in Deutschland der Online-Anteil im B2C-Handel – konservativ gerechnet – mindestens 25 Prozent im Nonfood-Bereich betragen wird. Im Lebensmittelhandel wird sich angesichts der Investitionen etwa von Rewe oder durch den Start von Amazon Fresh im September viel bewegen.

 

Welche Rolle spielt das Smartphone im Online-Handel?
Das Smartphone ist noch ein Informationsmedium, auf dem der Einkaufsprozess gestartet wird. Gekauft wird aber primär vor Ort oder am PC/Tablet. Konsumenten erwarten mittlerweile, dass die Kanäle miteinander verknüpft sind. Eine Anwendung ist etwa der Online-Verfügbarkeitscheck. Kunden können mobil prüfen, ob der gewünschte Artikel im Ladengeschäft verfügbar ist.

 

Welche Anforderungen kommen hier auf die Händler zu?
Wir rechnen damit, dass 70 Prozent aller traditionellen Händler ihr Geschäft umstellen müssen, um wettbewerbsfähig zu bleiben. Andernfalls werden sie keine Chance am Markt haben. Je jünger die Kunden, umso selbstverständlicher kaufen sie im Netz ein. Kunden denken nicht in Kanälen, sie wollen einfach dort abgeholt werden, wo sie sich gerade befinden.

 

Was bedeutet das für den B2B-Handel?
B2B bietet insgesamt ein größeres Umsatzpotenzial, unterscheidet sich aber in Bezug auf die Kundenansprache immer weniger vom B2C-Segment. Auch B2B-Kunden wollen komfortable Online-Shops, in denen sie sich schnell und einfach zurecht finden. Mobile spielt noch keine große Rolle, aber auch das wird sich ändern. Denken Sie nur an die große Zielgruppe von Handwerkern, die viel unterwegs sind.

 

E-Commerce-Expertin: Seit Januar 2014 leitet Sabrina Mertens die Geschicke des E-Commerce-Centers (ECC) Köln.