Megatrends

So muss Charttechnik

Autor: Alexander Runte (Protokoll)
Wo geht der Trend hin? Um die mögliche Entwicklung eines Aktienkurses für die Zukunft voraussagen zu können, hilft die technische Analyse, wie sie Christoph Geyer vertritt. Ein Beispiel anhand der Metro AG.

Phase 1 (Siehe Foto): So hohe Berge

Ein schöner Aufwärtstrend aus einer Abfolge von steigenden Hochs und steigenden Tiefs, die stets über ihren Vorgängern liegen. 2007 gab es diesen Anstieg, im November folgte ein letztes Top, das aber nicht mehr über die vorherige Spitze ging – ein erstes Warnsignal. Zur Jahreswende wurden das vorherige und vorvorherige Tief signifikant unterschritten, was sehr negativ ist. Da musste man allerspätestens raus.

Phase 2: Alles Gute kommt von unten

Hier ging es dann fast parabolisch nach unten, mit einer kleinen Erholungsbewegung, dann ging es noch mal nach unten und wieder nach oben. Wenn man bei dem Abwärtstrend eine Trendlinie anlegt, erfolgt bei 26 Euro ein Trendbruch, der ein Kaufsignal darstellte. Bei dem zweiten Tief hat bereits das gehandelte Aktienvolumen sehr stark abgenommen, das heißt: Da war kein Verkaufsdruck mehr vorhanden.

Phase 3: Dieser Weg wird kein leichter sein

An den starken Ausschlägen erkennt man, dass die Volatilität allgemein zugenommen hat. Ab Mitte 2010 ging es ohne nennenswerte Korrekturbewegung nach oben. Ende 2010 gaben meine Indikatoren ein Verkaufssignal. Hier hätte man auf ein Ende der Abwärtsbewegung und eine anschließende Korrekturbewegung warten können. Ein Scheitern unter der vorherigen Spitze hätte dann das Ausstiegssignal bedeutet. Da ging es nicht weiter nach oben, da fehlte die Kraft.

Phase 4: Es geht voran

Das ist eine Trendwende-Formation, die von Ende 2011 bis Herbst 2013 geht. Diese Formation ist nicht handelbar, da sie erst nach Abschluss erkennbar ist, weshalb sie von Investoren eher weniger beachtet wird. Ab Juli 2013 kriegt das Ganze aber ein bisschen Dynamik.

Phase 5: Zum Glück in die Zukunft

Im Bereich von 30 Euro hat sich ein gewisses Marktinteresse etabliert. Um diese Marke schwankt die Aktie seit August vergangenen Jahres. Solche Marken werden in der technischen Analyse als Unterstützungs- und Widerstandsmarken bezeichnet, die eine wichtige Bedeutung haben. Ganz offensichtlich ist 30 kurzfristig eine Marke, an der sich die Marktteilnehmer orientieren. Was genau dahintersteckt, kann die technische Analyse aber nicht sagen. Bei den Indikatoren steht der Stochastik-Indikator auf Verkaufen, der MACD steht kurz davor. Die Umsätze geben wenig Hinweise, wo die Richtung hingeht. Im großen Bild haben wir eine Bodenbildung, kurzfristig sind – wenn wir nachhaltig über die 30 kommen – auch 34 oder 35 möglich, aber das ist momentan noch nicht gesagt.

Technische Analyse untersucht das Anlegerverhalten aller Marktteilnehmer. Aus der Historie heraus versuchen wir zu begreifen, wie sie auf kursrelevante Meldungen reagieren: Da gibt es etwa Aktien, bei denen Quartalszahlen herausgegeben wurden, laut denen Gewinn und Umsatz übertroffen wurden, und die trotzdem am nächsten Tag einbrachen. In den Charts findet man immer wiederkehrende Muster, die Ein- oder Ausstiegssignale generieren. Indikatoren helfen bei der Erkennung dieser Signale. Damit die Chartanalyse nicht verfälscht wird, eignet sich die Methode fast nur bei Werten aus der ersten oder zweiten Reihe etwa von DAX und MDAX, da ausreichend Handelsvolumen vorhanden sein muss, um präzise zu analysieren.

Als Instrumente bieten sich in der Technischen Analyse Basics an wie die Trendanalyse nach Charles Henry Dow, der ihre Grundlagen entwickelt hat. Laut Dow erkennt man einen Aufwärtstrend an einer Abfolge von steigenden Hochs und Tiefs. Hilfreich sind auch Indikatoren wie MACD oder Stochastik; der MACD vergleicht verschiedene Durchschnittslinien miteinander, während die Stochastik – vereinfacht gesagt – berücksichtigt, wo der Kurs im Vergleich zur eigenen Historie liegt. Wenn bei einem parabolischen Abstieg das Volumen kräftig anzieht, deutet das zum Beispiel auf eine allgemeine Ausverkaufsstimmung hin. Dies lässt es wahrscheinlich erscheinen, dass der Abwärtstrend sich einem Ende nähert. Allgemein wird der technischen Analyse nachgesagt, dass ihre Signale ein wenig zu spät kommen. Das ist sicherlich richtig. Um aber eine möglichst hohe Trefferwahrscheinlichkeit zu erzielen, sollte auf ein Signal gewartet werden, auch wenn der optimale Zeitpunkt des Ein- oder Ausstiegs stets etwas entfernt liegt.


Christoph Geyer ist Dozent für Technische Analyse an der Frankfurt School of Finance & Management. Er arbeitet als technischer Analyst (CFTe) für die Commerzbank.