Megatrends

Werteposition – Umgang mit Megatrends

Foto: Tillmann Franzen
Stephan Gemkow im Gespräch mit Franz Markus Haniel.

Haben Sie persönlich schon einmal einen Trend mitgemacht und es hinterher bereut?

[STEPHAN GEMKOW] Ich wurde durch Freundeskreis und Eltern vor vielem bewahrt. Aber die Zeiten, als ich mit Jeansschlaghosen und Bundeswehrparka durch die Gegend lief, sind heute immer noch ein Makel. Gott sei Dank gibt es davon nur wenige Fotos.

[FRANZ MARKUS HANIEL] Bei mir waren es relativ lange Haare. Und es gab mal eine Phase, da war die Farbe Dunkelbraun für VW Käfer ein Trend. Ich habe mir dann als Student voller Stolz einen solchen Käfer gekauft – das wird mir heute noch manchmal vorgehalten. Ich war damals begeistert, heute distanziere ich mich eher davon.

Hat sich Haniel in der Vergangenheit eher zu viel oder zu wenig mit Megatrends beschäftigt?

[GEMKOW] In der Analytik haben wir mit Sicherheit genug getan. Bloß wurde dann wenig daraus gemacht im Sinne von: Wo investieren wir? Wo steuern wir das Unternehmen in Zukunft hin? Das lag aber auch an der finanziellen Situation.

[HANIEL] Na ja, wir haben uns schon mit den Themen beschäftigt. Aber wenn wir uns die Aktionen der letzten Jahre ansehen: Die sind nicht sehr trendgesteuert gewesen. Zudem haben wir zu wenig auf dem Radar gehabt, welche Trends für unsere bestehenden Geschäftsmodelle gefährlich werden können – Beispiel Digitalisierung.

Gibt es einen Trend, den Sie über- oder unterschätzt haben?

[GEMKOW] Das ganze Thema der Elektromobilität. Da gab und gibt es sehr optimistische Vorhersagen, wie viele Elektroautos es 2020 auf deutschen Straßen geben soll – danach sieht es selbst mit viel Fantasie nicht aus, weil zunächst noch viel Grundlagenforschung und Investitionen in Infrastruktur erfolgen müssen. Die schöne neue Welt von abgas- und emissionsfreien Automobilen hat man in der Geschwindigkeit mit Sicherheit dramatisch überschätzt.

[HANIEL] Überschätzt haben wir sicherlich die Akzeptanz des ein oder anderen Geschäftsmodells im Ausland. Nehmen wir CWS in China, wo wir ganz selbstverständlich davon ausgegangen sind, dass das Hygienebedürfnis zunimmt und es deshalb großen Bedarf an unseren Produkten und Dienstleistungen gibt. Dem ist aber nicht so. Weil der Trend der Hygienisierung anders oder langsamer verläuft, als wir das gedacht haben.