Megatrends

Zurück in die Zukunft

Autor: Marija Latkovic |
Foto: Markus Burke
Futurologen schauen häufig in die Vergangenheit, wenn sie Prognosen für das Kommende aufstellen.

Nerds, die im Heimlabor Weltraumsiedlungen entwerfen – so stellt man sich Zukunftsforschung vor. Doch Future Studies sind ein seriöser Wissenschaftszweig, der mit validen Methoden die mögliche Entwicklung wie Technik, dem Klimawandel oder dem Bildungssystem untersucht. Die Freie Universität Berlin bietet etwa einen Masterstudiengang an, der interdisziplinäres Wissen und Verfahren vermittelt. Dabei werden  Methoden der Wahrscheinlichkeitsrechnung wie die Cross-Impact-Analyse, bei der die Wechselwirkung zwischen verschiedenen Ereignissen untersucht wird, mit soziologischen Methoden wie der Systemanalyse und der Szenario-Technik verbunden. Alle diese Methoden beruhen aber vor allem auf dem Sammeln und Auswerten von Daten. Um etwa zu prognostizieren, wie sich die Wirtschaft entwickeln könnte, wenn die Erdöl-Reserven zur Neige gehen, werden Zahlen zur Ölkrise von 1973 herangezogen und mit Prognosen zum künftigen Energiebedarf abgeglichen.  Statistik, Wahrscheinlichkeitslehre, Sozial- und Wirtschaftswissenschaften kommen ins Spiel.

Die weltweit wichtigste Denkfabrik sieht der renommierte „Global Go To Think Tank Report“ der University of Pennsylvania derzeit in London: Die Nichtregierungsorganisation „Gold Mercury International“ kümmert sich um Global Governance und Nachhaltigkeit. Im Auftrag der EU wurde dort jüngst untersucht, welche Folgen die Unabhängigkeit Kataloniens und Schottlands für Europa haben könnte. Historische Beispiele von Abspaltungsbewegungen wurden herangezogen, entsprechende Wirtschaftsdaten ausgewertet, Zufriedenheitswerte der Bevölkerung abgeglichen und Befragungen durchgeführt.

Das Ergebnis: Die wirtschaftliche Zusammenarbeit und bereits etablierte Standards würden in den neuen Staaten von einem Tag auf den anderen nicht mehr gelten. Andere Unabhängigkeitsbewegungen in Belgien, Spanien oder Rumänien könnten ebenfalls stärker werden. Der Euro als Währung könnte kaum mehr bestehen, was katastrophale Folgen für viele Volkswirtschaften hätte. Nationalstaaten würden sich dadurch wieder verstärkt isolieren, ein militärisches Eingreifen gegenüber Separatisten erschiene in manchen Staaten möglich – Europa könnte politisch und strukturell also in die Zeit vor dem Zweiten Weltkrieg zurückgeworfen werden. Das will die EU natürlich verhindern. Ob es ihr gelingt, wird die Zukunft zeigen.

 

Der Vorhersager: 1982 beschrieb der Trendforscher John Naisbitt in seinem Buch „Megatrends“ die Welt, wie wir sie jetzt kennen. Heute forscht er mit seiner Frau Doris zusammen. Die beiden warnen im enkelfähig-Interview vor Denkschablonen.

Die Megatrends-Infografik: Wir haben die seltsame Gattung der Megatrends genauer unter die Lupe genommen.

Das Trendlexikon: enkelfähig schafft Klarheit im Trendwirrwarr zwischen Hype, Zeitgeist, Pseudotrend und Megatrend.