Mittelstand

Da versteht aber jemand sein Handwerk

Autor: Janina Groffmann |
Foto: Michael Hudler
Das Handwerk ist nicht nur die Säule des Unternehmertums, sondern auch eine wichtige Kundengruppe für CWS-boco. Als Branchenmanager weiß Uwe Böhlke, was Mittelständlern wichtig ist.

Ein kalter Wintermorgen an der Westfälischen Hochschule Gelsenkirchen. Doch statt mit angehen- den Ingenieuren auf dem Weg zur Vorlesung füllt sich die verglaste Eingangshalle des Gebäudes B nach und nach mit Installateuren, Klempnern und Heizungsbauern. Heute findet hier das Forum Innenraumhygiene des Fachverbands Sanitär Heizung Klima, Nordrhein-Westfalen (SHK NRW) statt. Mit 6300 Mitgliedsbetrieben ist er der größte Interessenverband der Branche. Auf Veranstaltungen wie dieser informieren sich die Mitglieder über Trends und bilden sich in Vorträgen zu Themen wie „Biofilmbildende Schwärzepilze an Trinkwasserarmaturen“ oder „Wie gesund sind Lüftungsanlagen in Wohnungen?“ weiter.

Typische Berufskleidung eines Handwerkers trägt hier allerdings niemand – bis auf die Schaufensterpuppe am Stand von Uwe Böhlke. Der nationale Branchenmanager fürs Handwerk der Berufskleidungssparte boco ist ebenfalls nach Gelsenkirchen gekommen, um sich über Trends zu informieren und Kontakte zu knüpfen. Gemeinsam mit seinem Kollegen Marc Benscheidt, regionaler Branchenmanager für Nordrhein-Westfalen, präsentiert er zwischen Herstellern für Rohre, Armaturen und Analysegeräte moderne Berufskleidung.

Handwerker sind eine wichtige Kundengruppe für boco. Mit mehr als einer Million Betrieben und 5,3 Millionen Beschäftigten in 130 Berufen ist das Handwerk das Rückgrat des deutschen Mittelstands. Mehr als jeder zehnte Erwerbstätige und jeder vierte Azubi geht einer Beschäftigung im Handwerk nach. Und die meisten davon tragen bei der Arbeit Berufskleidung. Deshalb beschäftigt boco nationale und regionale Branchenmanager allein für das Handwerk. Als nationaler Branchenmanager betreut Böhlke etwa 20 Handwerksverbände auf Bundesebene in verschiedenen Gewerken und einige größere Landesverbände. Bei den Veranstaltungen der Verbände trifft er auf aktuelle und potenzielle Kunden und ist dafür fast jede Woche unterwegs. „Mittelständler legen viel Wert auf Kontinuität und Vertrauen.“ Seine regionalen Kollegen wie Benscheidt betreuen neben den Landesverbänden auch die Innungen. „So sind wir vor Ort präsent und für die Kunden da. Die merken, wenn man sich für ihre Branche engagiert.“

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Uwe Böhlke und Marc Benscheidt (mit Krawatte) sind Ansprechpartner für die Handwerker auf dem Forum Innenraumhygiene. Böhlke ist deutschlandweit tätig, Benscheidt ist der Profi für Nordrhein-Westfalen.

„Im Handwerk hat sich in den letzten Jahren viel getan“

Vor seiner Zeit bei boco arbeitete Böhlke neun Jahre lang bei einem großen Kaffeeröster und betreute dort unter anderem die kooperierenden Bäckereien. „Aber mit Berufskleidung hatte ich da eigentlich gar nichts zu tun.“  Als das Unternehmen verkauft wurde, ging der Marketingspezialist erst mal auf Weltreise – Thailand, Australien, Südsee: „Da fragt man sich schon, was will ich den Rest meines Lebens machen?“ Seit 16 Jahren ist er nun bereits Branchenmanager bei boco: „ In dieser Zeit hat sich im Handwerk viel getan.

Die Berufe entwickeln sich weiter, es kommen neue Aufgabenbereiche und neue Arbeitsgeräte dazu“, erzählt der Diplom-Volkswirt. Damit ändern sich die Anforderungen an die Berufskleidung für Mittelständler. Zum Beispiel bei den Dachdeckern: Mit dem Vormarsch der Photovoltaikanlagen sind nicht nur neue Fachkenntnisse erforderlich, sondern auch Änderungen an den Kleidungsstücken. Sie müssen etwa Platz für neue Werkzeuge bieten. So werden bei boco die Produktlebenszyklen immer kürzer. „In Zukunft müssen wir noch schneller werden, um die Bedürfnisse des Handwerks zu erfüllen“, prophezeit Böhlke. Und auch modisch verändert sich einiges – etwa die Farben. „In der SHK-Branche gehen die Aufgaben mehr Richtung Beratung. Dann wollen die Mitarbeiter kein Königsblau, wie man das vom Blaumann kennt, sondern eher dezentes Dunkelblau oder Grau.“ Der Markt insgesamt ist modebewusster geworden. „Die junge Handwerkergeneration will nicht in unförmigen, altbackenen Klamotten rumlaufen“, sagt Böhlke. Die Kleidung soll eher wie Straßenkleidung aussehen. „Wir haben zum Beispiel Fleece- oder Softshelljacken im Programm.“ Das helfe auch den Unternehmen, jüngere Leute für Handwerksberufe zu begeistern. Denn gerade im ländlichen Bereich haben Handwerksbetriebe oft Probleme, Auszubildende und Nachfolger für den Betrieb zu finden, weiß der 55-Jährige. „Dabei gibt eine solide Handwerksausbildung heute noch Sicherheit, denn Fachkräfte werden immer gesucht.“

„Die Welt bei boco ist bunt, es wird nie langweilig“

Durch den engen Kontakt bekommt Böhlke stets als einer der Ersten mit, wenn sich im Handwerk etwas ändert. Manchmal nutzen seine Kunden den direkten Kontakt auf Veranstaltungen auch für Reklamationen. Dadurch können Böhlke und seine Kollegen schnell eingreifen und weiteren Schaden verhindern: „Jede Reklamation ist ja eine Chance, uns zu verbessern.“

Da versteht aber jemand sein Handwerk

Branchenüberblick: In Deutschland gibt es über eine Million Handwerksbetriebe mit 5,3 Millionen Beschäftigten

Die Wünsche und Anforderungen, die er aus der Praxis erhält, gibt er an die Produktentwickler weiter. „Wir wollen die Handwerksverbände in die Entwicklung der Kleidung einbeziehen, damit am Ende alles passt.“ Die Prototypen einer neuen Produktlinie werden dann für Tragetests an die Handwerksbetriebe gegeben. So zeigt sich nicht nur, wo Optimierungsbedarf besteht, sondern auch, wie gut die Flecken in der Wäsche rausgehen. Denn boco bietet seine Berufskleidung im Mietservice an – inklusive Aufbereitung und Reparaturen. „Die Berufskleidung repräsentiert das Unternehmen nach außen. Es ist gut fürs Marketing, wenn sie sauber und gepflegt ist“, sagt Böhlke. Für manche Handwerksverbände liefert boco exklusiv auch die Kleidung mit dem offiziellen Innungslogo, die Mitgliedsbetriebe für ihre Mitarbeiter bestellen können, um so ihre Zugehörigkeit zu zeigen.

In Gelsenkirchen sind inzwischen die ersten Vorträge vorbei. Die Teilnehmer strömen zur Kaffeebar und zu den Ständen im Foyer. Immer wieder entdecken Böhlke und Benscheidt bekannte Gesichter, begrüßen andere Gäste, halten Small Talk. Auch Vertriebsexperte Benscheidt ist schon lange dabei. 1995 stieg er nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann bei boco in Bochum direkt in den Vertrieb ein und wurde später Branchenmanager. „Die Welt bei boco ist bunt, es wird nie langweilig“, sagt der 45-Jährige. „Ein Kunde in einem SHK-Betrieb könnte Hunderte von Artikeln aus unserem Sortiment tragen.“ Und genau da liegt die Herausforderung in diesem Job: Alle Kleidungsstücke müssen Böhlke und Benscheidt immer im Kopf haben, genauso wie wichtige Personen in der Branche.

Da versteht aber jemand sein Handwerk

Die boco-Berufskleidung, die Marc Benscheidt zeigt, kann den Handwerksbetrieben sogar dabei helfen, Mitarbeiter für sich zu gewinnen

Ein Teil ihrer Arbeit ist deshalb neben der Vor- und Nachbereitung sowie der Koordination der Veranstaltungen auch das Lesen von Fachzeitschriften. „So bleiben wir über politische Entwicklungen, gesetzliche Regelungen und personelle Veränderungen auf dem aktuellen Stand.“ Aber zum Zeitunglesen haben Böhlke und Benscheidt heute keine Zeit – der nächste Interessent steht vor ihrem Stand.

 


CWS-boco ist ein führender Anbieter für Produkte zur Waschraumhygiene und für textile Dienstleistungen. Damit erwirtschaftete das Unternehmen 2013 einen Umsatz von 748 Millionen Euro. Das Handwerk ist eine wichtige Kundengruppe für das Berufskleidungssegment boco – Hunderte Modelle stehen für verschiedene Gewerke zur Auswahl. Das Unternehmen bietet die Kleidung im Mietservice an, professionelle Reinigung und Reparatur inklusive.