Mittelstand

Eine Frage der Lehre

Autor: Elena Brenk-Lücke |
Foto: Thomas Koy, Albrecht Fuchs, Dana Smith
Junge Unternehmer müssen engagiert sein, gute Ideen haben und sie mutig umsetzen, sich ihrer Verantwortung bewusst sein – und sie brauchen jemanden, der sie bei ihrem Studium fördert: die Haniel Stiftung.

August 1999, Campus der Harvard University: In der Bibliothek brütet Florian Forstmann wieder einmal über Geschäftsideen. In den letzten zwei Jahren hat er nicht nur seinen Master of Public Administration gemacht, sondern auch den Gründungsboom der New Economy in den USA beobachtet und überlegt, welche Ideen er in Deutschland umsetzen kann. Abrupt reißt ein alter Bekannter Forstmann aus seinen Gedanken: „Du willst Spielwaren übers Internet verkaufen … Du solltest dich mal mit Oliver Lederle unterhalten. Der denkt in Deutschland gerade über das Gleiche nach.“ Ein Telefonat später sitzt Forstmann im Flieger nach Deutschland. Nur wenige Wochen danach – im Oktober 1999 – geht der Spielwarenversand myToys online.

Heute gehört der Onlineshop – seit 2001 mehrheitlich Unternehmen der Otto Group – mit 1500 Mitarbeitern zum deutschen Mittelstand. Dass Forstmann damals zu einem der insgesamt vier Gründer von myToys wurde, verdankt er einem Zufall – und seinem Studium in Harvard. Ermöglicht wurde ihm das durch ein Haniel-Stipendium. Seit 1991 vergibt die Haniel Stiftung zusammen mit der Studienstiftung des deutschen Volkes das Haniel-Stipendium. Ziel ist es, Nachwuchskräfte wie Forstmann für den internationalen Arbeitsmarkt zu qualifizieren. Jährlich werden bis zu acht Talente mit einem zwei- bis viersemestrigen Auslandsstudium und anschließendem Praktikum gefördert. Die Kosten dafür betragen rund 63 000 Euro. Sie setzen sich aus der Übernahme der Studiengebühren sowie einem monatlichen Vollstipendium zusammen. Damit gehört das Stipendienprogramm zu den höchstdotierten in Deutschland. „Für uns sind nicht nur herausragende Studienabschlüsse entscheidend“, erklärt Anna-Lena Winkler, Programmleiterin der Haniel Stiftung. „Wir achten auch auf die Persönlichkeit unseres Gegenübers: Welche Ziele verfolgt er? Ist er begeisterungsfähig? Engagiert er sich?“ Ob als Vorsitzender der Schülervertretung oder Theatergruppenleiter ist egal – entscheidend ist, dass sich der Bewerber einbringt und Verantwortung übernimmt. Hier verfolgt die Haniel Stiftung dieselbe Linie wie das Unternehmen Haniel. Ihr Ziel ist es, werteorientiertes Unternehmertum zu fördern und damit das Leitbild des „ehrbaren Kaufmanns“ aufrechtzuerhalten, das bereits den Unternehmensgründer Franz Haniel auszeichnete. Da gehört die Bereitschaft zu persönlicher Verantwortungsübernahme dazu.

Personalberatung mit Verantwortung

Das sieht auch die ehemalige Haniel-Stipendiatin Alexandra Hiekel so. Nach dem Studium hatte die Diplompsychologin für Unternehmensberatungen gearbeitet und festgestellt, dass ihr die Personalberatung meist nicht weit genug ging. Anstatt Unternehmen Verbesserungen vorzuschlagen, sie zu implementieren und dann wieder zu gehen, wollte Hiekel Kunden langfristig unterstützen. 2002 gründete sie daher die Personalberatung meta five in Köln. „Ich möchte mit meinen Kunden gemeinsam den Weg zu Ende gehen, zu dem ich ihnen geraten habe“, erklärt sie ihr Beratungskonzept:  „In guten wie in schlechten Zeiten – wie in einer Ehe.“ Dieser verantwortungsvolle Ansatz sorgt für Vertrauen: Viele ihrer Anfangskunden berät Hiekel noch heute. So gehört meta five nun zu den größten systematischen Personalberatungen am deutschen Markt.

Akkus für eine bessere Welt

Auch der 22-jährige Frederic Rupprecht hat sich schon immer für andere starkgemacht – als Schülervertreter oder Unterstützer von Greenpeace. „Schon in der sechsten Klasse habe ich gemerkt, dass ich etwas bewirken, die Welt besser machen möchte“, erinnert sich der Haniel-Stipendiat. 2013 gründete er mit betterRe! ein Unternehmen, das die extrem klimaschädliche Batterieindustrie nachhaltig verändern will. Bis heute benutzen nur sechs Prozent der Verbraucher wiederaufladbare Batterien. Vor allem Unternehmen haben keine Zeit oder Kapazitäten, sich um das Aufladen zu kümmern. Genau da setzt betterRe! an: Das Unternehmen verkauft Nickel-Zink-Akkus, die dank ihrer chemischen Zusammensetzung komplett natürlich abbaubar sind, und kümmert sich um deren Wiederaufladung und Rücksendung. „Das Porto für den klimaneutralen Versand bezahlen wir“, erklärt Rupprecht. „Bei jeder neuen Bestellung verkaufen wir die Batterien außerdem günstiger, um die Kunden zu belohnen.“ Für die Verbraucher ändert sich nur eins: Sie werfen die leeren Batterien in den Briefkasten, anstatt sie in entsprechenden Entsorgungsbehältern zu beseitigen. So wird der Kunde ohne große Umstellung zum Umweltschützer – auch Haniel ist dabei. Seit 2014 testet die Einkaufsabteilung am Franz-Haniel-Platz die „grünen“ Batterien. Einer von vielen Kontakten, die durch das Haniel-Stipendium entstehen.

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Eine Frage der Lehre Alexandra Hiekel: „Beim Auswahlverfahren für das Haniel-Stipendium stand schon damals – vor 20 Jahren – die Persönlichkeit im Fokus. Das habe ich mitgenommen und berate nun Personalabteilungen bei der Förderung von ,Soft Skills‘.“

Frederic Rupprecht: „Was ich mache, soll Wirkung hinterlassen. Das ist mein Leitbild.“

Solche Netzwerke fördert die Haniel Stiftung ganz intensiv. „Dass die Studenten sich miteinander austauschen und vernetzen können, ist uns besonders wichtig“, erklärt Anna-Lena Winkler. „Deshalb sorgen wir von Anfang an für entsprechende Möglichkeiten.“ Seit 2011 findet für die neuen Stipendiaten ein Kick-off am Franz-Haniel-Platz statt, zu dem auch aktuelle Studenten eingeladen werden. Beim Besuch des Haniel Museums und dem anschließenden Gespräch haben die „Neuen“ die Möglichkeit, sich zu informieren und erste Kontakte zu knüpfen. Diese können sie danach unter anderem bei den jährlich stattfindenden Stipendiatenseminaren vertiefen. Ein Wochenende lang diskutieren die Studenten mit Experten aktuelle Wirtschaftsthemen – in diesem Jahr ging es zum Beispiel darum, wie man fair wirtschaftet.  „Die Vergabe eines Stipendiums endet bei uns nicht mit der letzten Zahlung“, erklärt Winkler. „Wir möchten für unsere Stipendiaten und Alumni ein nachhaltiges Partner sein und langfristige Ideenplattformen bieten.“

Florian Forstmann nutzt die Alumnitreffen heute noch als Plattform, um Ideen zu diskutieren. „Ich mag die fruchtbaren Diskussionen bei den Veranstaltungen“, sagt er: „Sie zeigen mir neue Wege auf.“ Vor allem schätzt der Alumnus den Austausch mit aktuellen Stipendiaten. Das beruht auf Gegenseitigkeit: Frederic Rupprecht hat Forstmann als Redner für die diesjährige German American Conference eingeplant, die er gerade in Harvard organisiert.

Die Konferenz bringt führende Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft mit Studenten beider Länder zusammen. „Es ist toll, dass ich durch das Stipendiatenprogramm solche Kontakte knüpfen kann“, zeigt er sich begeistert. Doch auch darüber hinaus ist Rupprecht glücklich, Teil von Haniel zu sein. Besonders beeindruckt hat ihn, dass sich Haniel aktuell bei der Suche nach neuen Geschäftsbereichen nicht unter Druck setzen lässt, sondern seine Auswahl mit Sorgfalt trifft, um nachhaltig zu wachsen. „Dieser langfristige Ansatz ist selten. Einen solchen verfolge ich mit meinem Unternehmen auch.“


Die Haniel Stiftung fördert junge Menschen mit Stipendien für Studienaufenthalte im Ausland. Neben dem Haniel-Stipendium beteiligt sie sich als Partner am McCloy Academic Scholarship Program. Auch für ausländische Studierende bietet sie ein Stipendienprogramm an: Im Haniel China Scholarship Program ermöglicht die Stiftung chinesischen Studenten ein Bachelorstudium am Ostasieninstitut Ludwigshafen. Darüber hinaus vergibt die Haniel Stiftung an der Willy Brandt School of Public Policy Lebenshaltungsstipendien für Studierende aus Mittel- und Osteuropa, die den Master of Public Policy absolvieren möchten, und Gebührenstipendien für Bewerber aus der EU und Nordamerika.