Mittelstand

Haniel: Die Marktführer-Macher

Autor: Janina Groffmann |
Foto: Daniel Stolle
Die Professionalität des Private Equity, gepaart mit dem Wertegerüst und der Leidenschaft eines Familienunternehmens. Gibt es nicht? Gibt es doch!

Unternehmen langfristig und nachhaltig weiterentwickeln – dieses Geschäftsmodell setzt Haniel seit über einem Vierteljahrtausend sehr erfolgreich um. In jüngerer Vergangenheit etwa mit dem Geschäftsausstatter TAKKT, den Haniel beim Börsengang begleitet hat und dem das Family-Equity-Unternehmen bei der internationalen Expansion zur Seite stand. Oder dem Rohstoffhändler ELG, den Haniel in den letzten 32 Jahren zum globalen Spezialisten für Edelstahl und Superlegierungen aufgebaut hat. „Haniel versteht sich als Wertentwickler, diesen Anspruch werden wir auch bei künftigen Investments verwirklichen“, sagt Vorstandsvorsitzender Stephan Gemkow.

Haniel setzt auf Mittelstand

So will Haniel sein Portfolio in den nächsten Jahren um fünf bis sechs mittelständische Unternehmen erweitern. Dabei setzt die Duisburger Holding nicht auf einen Geschäftszweig, sondern strebt ein breites Spektrum an, um konjunkturelle Schwankungen einzelner Branchen auszugleichen und so insgesamt ein kontinuierliches Wachstum des Haniel-Portfolios zu ermöglichen. „Wir setzen dabei auf Mittelständler, weil die sich – anders als Start-ups – bereits erfolgreich am Markt behauptet haben und eine verlässlichere Rendite erwirtschaften“, sagt Haniel-Vorstandschef Stephan Gemkow.

Freiraum für den Unternehmergeist

Die Vorteile für Haniel liegen damit auf der Hand. Doch wie profitiert der Mittelstand vom Partner Haniel? „Mittelständler sind uns am ähnlichsten, da wir selbst ein mittelständisch geprägtes Unternehmen in Familienhand sind“, erklärt Gemkow. „Wir sprechen also dieselbe Sprache, was bei einer langjährigen Partnerschaft, wie wir sie anstreben, ein entscheidender Vorteil sein kann.“ In der Zusammenarbeit sind die Rollen klar verteilt: „Grundsätzlich haben wir bei Haniel ein dezentrales Führungskonzept“, erklärt Dr. Peter Herz, Direktor Recht. „Die Verantwortung für operative Entscheidungen liegt bei den Führungskräften vor Ort. Haniel sieht sich nicht als Konzernzentrale, sondern als strategischer Impulsgeber.“ Gemeinsam mit den Geschäftsbereichen analysiert Haniel die Geschäftsmodelle, bewertet Trends und leitet notwendige Maßnahmen ein. Im Dialog werden dann wesentliche strategische Stoßrichtungen vereinbart: Was ist die Mission? Wo liegen Investmentschwerpunkte und Akquisitionsziele? „Wir denken langfristig, aber vor allem wachstumsorientiert. Dafür müssen wir alle an einem Strang ziehen“, sagt Gemkow. Die operative Umsetzung übernehmen die Beteiligungen dann eigenverantwortlich. „Wir lassen viele Freiheiten, erwarten dafür aber im Gegenzug Transparenz und die Führung des Unternehmens auf Basis der Haniel-Werte.“

Guter Dünger aus eigenem Anbau

Auch in Finanzfragen können Mittelständler auf Haniel zählen. So besitzt das Unternehmen dank des Kapitals, das die Gründerfamilie dauerhaft zur Verfügung stellt, eine konstant hohe Eigenkapitalquote. Damit ist Haniel in der Lage, den Beteiligungen Eigenkapital für Investitionen zur Verfügung zu stellen und ihnen so unternehmerischen Spielraum zu gewähren. Zudem unterstützt die Holding neue Beteiligungen beim Finanzmanagement, wie Dr. Axel Gros, Direktor Finanzen, erklärt: „Bei eher kleinen Unternehmen übernehmen wir als In-Haus-Bank wesentliche Teile des Finanzmanagements, das heißt, alle eingesetzten Finanzinstrumente und Kreditverträge laufen effizient und standardisiert mit Haniel. Das wirkt sich durchaus positiv auf das Unternehmensergebnis aus.“ Langfristig sollen die Beteiligungen aber lernen, ihre Finanzen selbst professionell zu managen – deshalb übergeben die Finanzexperten ihnen nach und nach die Verantwortung. Bei größeren Unternehmen, die schon über eigenes Know-how verfügen, unterstützt Haniel lediglich in komplexen Bereichen, zum Beispiel im Risikomanagement oder der Vertragsgestaltung von Finanzprodukten. Darüber hinaus profitieren sie auch direkt von Haniel, zum Beispiel durch Cash-Pooling, bei dem kurzfristige Liquiditätsbedarfe und -überschüsse ausgeglichen werden – so sparen die einen hohe Kreditzinsen, die anderen bekommen bessere Guthabenzinsen als bei einer Bank.

Wissen, wer was kann

In der Personalarbeit konzentrieren sich Mittelständler in der Regel auf Themen, die für sie überlebenswichtig sind. Aktuell betrifft das vor allem die Anwerbung von Spezialisten und Fachkräften. Die Unternehmen punkten mit ihrer Erfahrung in Sachen Berufsausbildung und bieten Mitarbeitern die Möglichkeit, schnell verantwortungsvolle Positionen zu übernehmen. „Dabei fehlt es aber oft an sinnvollen Prozessen und Instrumenten für eine strukturierte Führungskräfte- und Talententwicklung. Da können wir unterstützen“, sagt Peter Sticksel, Personaldirektor bei Haniel. Zum Beispiel mit der hauseigenen Haniel Akademie, in der sich Mitarbeiter aller Beteiligungen in Seminaren und speziellen Entwicklungsprogrammen für Führungskräfte auf neue Aufgaben vorbereiten und dabei auch gleich Teil des unternehmensweiten Netzwerks werden. Ein weiteres Thema, das Sticksel und seine Kollegen besonders ernst nehmen, ist die langfristige Nachfolgeplanung für Führungspositionen. Haniel setzt auf ein systematisches, aber pragmatisches Talentmanagement, um Schlüsselpositionen und mögliche Nachfolgekandidaten zu identifizieren und zu binden. Davon profitieren nicht nur die Beteiligungen, sondern auch ambitionierte Mitarbeiter.

Gesucht: ein Unternehmen fürs Leben

Damit das Know-how voll zum Tragen kommt, hat Haniel Kriterien für geeignete Investments festgelegt: Infrage kommen Mittelständler, die mindestens 100 Millionen Euro Umsatz im Jahr machen und deren Geschäftsmodell auf globale Megatrends aufsetzt – wie neue Mobilitätsmuster, den Klimawandel oder die wissensbasierte Ökonomie. Zudem legt Haniel Wert darauf, dass das Unternehmen nicht börsennotiert ist, um Transaktionsrisiken möglichst zu minimieren. „Wir sind nicht auf kurzfristige Rendite aus, sondern wollen Unternehmen über zehn Jahre oder länger begleiten“, erläutert Gemkow. „Dafür brauchen wir eine Mehrheit. Denn nur so können wir uns wirklich einbringen und für das Investment zum Wertentwickler werden.“