Mittelstand

Investitionen: Willst du mit mir gehen?

Autor: David Mayer (Investorentypologie) |
Foto: Daniel Stolle (Illustration)
Verkaufswillige Mittelständler können sich vor Angeboten kaum retten, denn für Investoren sind sie eine gute Anlageform. Bei der Partnerwahl heißt es: Augen auf! Im Investitionsdossier zeigen die Kandidaten, welche Vorzüge sie mitbringen. Das etwas andere Speed-Date.

Private Equity: Partner mit Gewissen Vorzügen

Private Equity: Partner mit Gewissen Vorzügen

 

Wer ist das?
Private oder institutionelle Anleger, die sich an Unternehmen beteiligen und ausschließlich Eigenkapital investieren.

Um wen geht es genau?
Beteiligungsgesellschaften wie die Deutsche Beteiligungs AG bauen gezielt Unternehmensportfolios auf. „In Deutschland stecken hinter den Gesellschaften oft auch Förderbanken, die keine privaten, sondern öffentliche Gelder anlegen“, sagt Klaus-Heiner Röhl, Senior Economist beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW). Solche Förderbanken wie die KfW investieren vor allem in Minderheitsbeteiligungen. Außerdem haben es besonders US-Investoren auf den Mittelstand abgesehen. Sie profitieren vom starken Dollar und der lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank.

Welche Interessen werden verfolgt?
Bei privaten Beteiligungsgesellschaften steht die kurzfristige Gewinnmaximierung im Vordergrund. Schließlich versprechen Unternehmensbeteiligungen in günstigen Fällen Renditen von acht bis zehn Prozent. „Für Förderbanken geht es hingegen vor allem um die Förderung bestimmter Branchen. Hier sollen etwa gezielt Innovationen vorangetrieben werden“, sagt Röhl.

Wo liegen die Vor- und Nachteile?
Außer finanziellen Möglichkeiten bieten die meisten Private-Equity-Gesellschaften den Unternehmen auch strategische Beratung an. „Während die in manchen Fällen durchaus gewünscht ist, kann es aber auch zu unerwünschter Einmischung kommen“, sagt Röhl. Etwa wenn die Anleger Druck auf die Eigentümer ausüben, um die Gewinne kurzfristig zu erhöhen. Im schlimmsten Fall droht der Kapitalabzug. Um solche Szenarien zu verhindern, ist eine eindeutige vertragliche Regelung der Beteiligung entscheidend.

 

Mittelständische Unternehmen: Gleich und gleich

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Wer ist das?
Wenn mittelständische Unternehmen in andere Mittelständler investieren, handelt es sich oft um direkte Mitbewerber, manchmal sind es auch Unternehmen, die als strategische Investoren in neue Märkte eintreten möchten.

Um wen geht es genau?
Investitionen mittelständischer Unternehmen in andere Mittelständler kamen vor allem in Branchen vor, die von der Finanzkrise betroffen waren, sich aber schnell wieder erholten. Ein aktuelles Beispiel ist die Übernahme des Automobilzulieferers ZF Lenksysteme durch Bosch. Auch im Baubereich gibt es häufiger Fusionen, da hier die Eigenkapitalquote in zahlreichen Unternehmen niedriger ist.

Welche Interessen werden verfolgt?
Oft steckt Interesse am Know-how dahinter: „Gerade wenn ein Unternehmen vor einem Technologiesprung steht, kann die Übernahme mit entsprechendem Wissensvorsprung sinnvoll sein“, sagt Klaus-Heiner Röhl.

Wo liegen die Vor- und Nachteile?
Auch das Unternehmen, in welches investiert wird, kann profitieren – wenn es aus einer verwandten Branche stammt. Gemeinsam können die Unternehmen mehr Schlagkraft gewinnen. „Nicht selten kommen erhoffte Synergien allerdings kaum zum Tragen“, sagt Röhl. Etwa wenn sich Unternehmenskulturen nicht miteinander vereinbaren lassen.

 

Family Equity: Ich heirate eine Familie

Family-Equity: Ich heirate eine Familie

 

Wer ist das?
Angelehnt an Private Equity bezeichnet Family Equity familiengeführte Unternehmen oder Unternehmerfamilien, die in andere Unternehmen investieren.

Um wen geht es genau?
Meist handelt es sich um Familienkonzerne, die Family Equity als Strategie verfolgen. Auch Haniel bezeichnet sich als Family-Equity-Unternehmen. In anderen Fällen dient Family Equity vor allem der Vermögensdiversifikation durch den Erwerb von Minderheitsbeteiligungen.

Welche Ziele werden verfolgt?
Family-Equity-Anleger wollen Gewinne erzielen, aber auch Zukunftsmärkte erschließen. Dabei setzen die Investoren auf Partner, die die Werte ihres eigenen Unternehmens mittragen. „Gleichzeitig verfügen viele Familien über großes unternehmerisches Know-how“, sagt Röhl.

Wo liegen Vor- und Nachteile?
Family-Equity-Unternehmen investieren langfristiger. Für ihre Partner bedeutet das Verlässlichkeit. Firmen, deren Werte nicht mit denen des Family-Equity-Unternehmens übereinstimmen, scheiden aber als Partner aus. Ebenso Unternehmer, die ausschließlich an neuem Kapital und nicht an einer echten Partnerschaft interessiert sind.

 

Konzerne: Blind Date

Konzerne: Blind date

 

Wer ist das?
Große Unternehmen oder Unternehmensgruppen, die häufig börsennotiert sind. Die Grenzen zu mittelständischen Unternehmen sind je nach Definition fließend.

Um wen geht es genau?
Um klassische Konzerne, die als strategischer Investor auftreten. Henkel kaufte etwa allein 2014 mittelgroße Unternehmen für rund  1,8 Milliarden Euro.

Welche Interessen werden verfolgt?
Manchmal geht es gezielt um Innovationen. „So investieren etwa Pharmakonzerne in Biotechunternehmen, um deren Medikamente ins eigene Portfolio aufnehmen zu können“, sagt Klaus-Heiner Röhl. Darüber hinaus streben Konzerne Partnerschaften mit Mittelständlern an, wenn sie in deren Markt expandieren wollen.

Wo liegen Vor- und Nachteile?
Gemeinsam mit Konzernen können Mittelständler eine ganz neue Marktmacht entwickeln, müssen aber dafür in der Regel die Marke und die Unternehmensidentität aufgeben. Stammt der investierende Konzern aus einer völlig fremden Branche, halten sich Vorteile durch Synergien aber oft in Grenzen.

 

Chinesische Investoren: Die Fernbeziehung

Chinesische Investoren: Die Fernbeziehung

 

Wer ist das?
Hinter diesem Ausdruck verbergen sich Unternehmen, Banken und staatliche Institutionen aus der Volksrepublik.

Um wen geht es genau?
Vor allem chinesische Unternehmen, die auf den Weltmarkt drängen, treten in Europa als Investoren auf. So übernahm etwa der chinesische Baumaschinenhersteller Sany den deutschen Betonpumpenbauer Putzmeister. Zu den bedeutendsten staatlichen Investoren zählt der Staatsfonds CIC.

Welche Interessen werden verfolgt?
China will sein Wachstum fortsetzen und orientiert sich dafür zunehmend in Richtung westlicher Märkte und höherer Technologien. Hier wollen sich die Unternehmen durch Beteiligungen Zutritt verschaffen. „Auch das Know-how der europäischen Partner ist oft von Interesse“, sagt Röhl. Darüber hinaus fürchten chinesische Investoren das Platzen der heimischen Immobilienblase und entdecken europäische Unternehmen als Anlagemöglichkeit.

Wo liegen Vor- und Nachteile?
Sucht ein deutsches Unternehmen Zugang zum chinesischen Markt, kann eine Partnerschaft mit einem Investor helfen. Problematisch sind hingegen die bisher oft noch recht intransparenten Strukturen der Investoren. Nach Übernahmen kommt es auch manchmal zu unerwarteten Schließungen deutscher Standorte, oder Investitionszusagen werden nicht eingehalten. „Die Aggressivität chinesischer Investoren wird aber eher überschätzt“, sagt Röhl. Ihre steigende Zahl sei vielmehr eine natürliche Konsequenz des starken wirtschaftlichen Wachstums und der enormen Größe der Volksrepublik.