Mittelstand

Nur Mut!

Foto: Julian Rentzsch (Zeichnung)
Was Konzerne und Mittelständler unterscheidet – und wie sie von den Stärken des anderen profitieren können. Ein Gastbeitrag von Martin Sinner, der als Gründer von idealo.de zur Media-Saturn Group wechselte.

Manch einer war überrascht, als ich im Herbst 2014 idealo.de verließ. Und von außen betrachtet war es ja auch ein ungewöhnlicher Schritt. Schließlich hatte ich idealo.de selbst gegründet und mit meinem Team zu einem erfolgreichen mittelständischen Unternehmen aufgebaut. Warum sollte ich mein „Kind“ ausgerechnet jetzt in andere Hände geben? Und dann auch noch in einen Konzern wechseln? Meine eigene Sicht war eine andere: Nach zwölf Jahren bei idealo.de hatte ich Lust auf etwas Neues.
Und was vielleicht noch überraschender ist: Vom ersten Tag an habe ich mich bei der Media-Saturn Group nicht wie in einem Konzern gefühlt. Schließlich leite ich hier mit der Electronics Online Group quasi wieder ein Start-up. Heute bin ich mehr denn je überzeugt: Gerade große Konzerne können von Start-up-ähnlichen Einheiten in ihren eigenen Reihen profitieren. Andersherum kann für diese Einheiten die Einbettung in den Konzern natürlich auch von großem Vorteil sein.

Im Vergleich zu großen Konzernen sind viele junge mittelständische Unternehmen beweglicher. Es fällt ihnen leichter, sich immer wieder neu zu erfinden. Die Wege sind direkter, die Prozesse transparenter und die Entscheidungen vielleicht weniger von Konzernpolitik geprägt.

Großunternehmen können sich diese Stärken zu eigen machen, indem sie gerade für neue Projekte die Bedingungen eines Start-ups simulieren. So wurde die Electronics Online Group innerhalb der Media-Saturn Group im Prinzip neu gegründet. Nun lässt man die Verantwortlichen eigenständig planen und ausführen. Eigentlich muss sich ein Unternehmen hierfür nur trauen. Und vermutlich hilft es, Leute einzubinden, die die Arbeitsweisen eines Start-ups kennen. Dass die Media-Saturn Group diesen Mut hat, freut mich, und ich bin mir sicher, dass es der richtige Ansatz ist. Gerade als Gründer schätze ich aber auch Stärken traditioneller Konzerne, die die-sen selbst vielleicht gar nicht mehr so bewusst sind. Kurz gesagt: Man traut ihnen viel zu. Konzerne verfügen über eine Einkaufskraft, von der die meisten Start-ups nur träumen können. Davon profitieren wir ungemein – etwa mit der redcoon GmbH, unserem Onlineshop für Unterhaltungselektronik, der ein Teil der Electronics Online Group ist. Ansonsten hat jedes große Unternehmen natürlich seine sehr individuellen Stärken.

Was mich an der Media-Saturn Group besonders beeindruckt: der große Stamm gut ausgebildeter Professionals, die sich alle für neue Themen begeistern. Gemeinsam wollen wir in den kommenden Monaten unter anderem weiter daran arbeiten, dass redcoon noch intelligenter in die Media-Saturn Group eingebunden wird – so können beide Seiten bestmöglich voneinander profitieren.


Martin Sinner startete seine Karriere in der Dienstleistungsbranche, bevor er um die Jahrtausendwende das Online-Preisvergleichsportal idealo.de gründete und bis 2012 als Geschäftsführer leitete. Anschließend wirkte er mehrere Monate an einem Research-Projekt des Axel Springer Verlags im Silicon Valley mit. Heute ist Sinner Venture-Partner des Investors Berlin Ventures und seit November 2014 CEO der redcoon GmbH.