Mut

Denkbilder: Nur Mut?

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Manchmal ist es Überschätzung, manchmal der Wille, Grenzen zu überschreiten, Lust am Leben oder auch bloße Verzweiflung – manchmal tun wir Dinge, die wir uns sonst nicht getraut hätten – aber warum?

Der Staatsfeind

Aus Selbstlosigkeit - Edward Snowden glaubte daran: Die Menschen sollten wissen, dass die NSA sie ausspioniert. Dafür opferte er seine Freiheit und schuf sich ein eigenes Gefängnis irgendwo in Russland.

Aus Selbstlosigkeit – Edward Snowden glaubte daran: Die Menschen sollten wissen, dass die NSA sie ausspioniert. Dafür opferte er seine Freiheit und schuf sich ein eigenes Gefängnis irgendwo in Russland.

Das Gesicht des Mannes, der am 18. März 2015 für ein Live-Interview auf der CeBIT in Hannover zugeschaltet wurde, kennt seit dem Sommer 2013 fast jeder: Damals hatte der Amerikaner Edward Snowden die NSA-Affäre ausgelöst. Als IT-Techniker bei der Beratungsfirma Booz Allen Hamilton hatte Snowden auf Hawaii in einem Büro des US-Auslandsgeheimdienstes NSA („National Security Agency“) gearbeitet. Dort hatte er Zugang zu Geheimdokumenten erhalten, die belegten, wie die NSA und andere Geheimdienste die weltweite Internetkommunikation überwachen.

Im Januar 2013 kontaktierte Snowden die amerikanische Dokumentarfilmerin Laura Pointras und den britischen Guardian-Journalisten Glenn Greenwald, um sie über seine Erkenntnisse zu informieren. Vereinbart wurde ein Treffen in Hongkong. Bevor Snowden die USA in Richtung China verließ, kopierte er angeblich 1,7 Millionen Dateien von NSA-Servern. Teile davon wurde kurz darauf im „Guardian“ und in der „Washington Post“ veröffentlicht.

In einem Interview mit dem „Guardian“ begründete Snowden seinen Schritt: „Ich möchte nicht in einer Welt leben, in der alles, was ich tue und sage, aufgezeichnet wird. Solche Bedingungen bin ich weder bereit zu unterstützen, noch will ich unter solchen leben.“ Nachdem der Whistleblower, der anfangs das Pseudonym Citizenfour verwendet hatte, seine Identität bekannt gegeben hatte, leiteten US-Behörden im Sommer 2013 Ermittlungen gegen ihn ein. Wegen der Weitergabe von Geheimdokumenten droht dem 32-Jährigen bei einer Rückkehr in die USA eine Anklage wegen Hochverrats. Um den amerikanischen Ermittlungsbehörden zu entgehen, beantragte Snowden Asyl in mehreren Ländern, bevor er ein Angebot aus Russland annahm. Dort lebt er an einem unbekannten Ort.


Monstermäßige Idee

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Aus Leichtsinn: Mut liegt uns in den Genen: In der Welt von Kindern sind auch nicht vorhandene Gefahren real – wie ein monströser Godzilla, der Flammen spucken kann.

Sich einem knapp sieben Meter hohen Monster entgegenzustellen, wenn man selbst gerade mal etwas mehr als einen Meter misst, erfordert Mut – selbst wenn das Gegenüber nur aus Plastik ist. Zum Japan-Start des Hollywood-Blockbusters „Godzilla“ wurde die Statue, die nachts sogar Feuer spie, im Sommer 2014 im Zentrum von Tokio aufgestellt. Die Einheimischen reagierten begeistert.

Von Japan aus hatte das Filmmonster vor 60 Jahren seinen Siegeszug angetreten. 1954 tauchte Godzilla erstmals unter der Bezeichnung „Gojira“ im gleichnamigen Film auf: Das Kunstwort gilt als eine Mischung aus dem japanischen Gorira (Gorilla) und Kujira (Wal) und spielt auf die Stärke und Größe des Monsters an, das im Meer lebt und eher an eine überdimensionale Echse erinnert. In insgesamt 28 japanischen Filmen spielte Godzilla seit den fünfziger Jahren mit. Anfangs verkörperte die Figur das Böse, das durch amerikanische Atombombentests geweckt wurde. Im Lauf der Zeit entwickelte sich das Monster aber zunehmend zum Beschützer Japans. Dort gilt es inzwischen als größter Filmstar des Landes. Amerikanische „Godzilla“-Remakes werden deshalb in Japan argwöhnisch betrachtet – womöglich mit ein Grund für die PR-Aktion in Tokio.


Gestrandet in Europa

Aus Verzweiflung - Geschafft? Ein Flüchtling aus dem Sudan sitzt am Mittelmeer in Ventimiglia–Menton fest. Nach Frankreich durfte er nicht einreisen, sodass er mit anderen Flüchtlingen an der Grenze gestrandet war.

Aus Verzweiflung – Geschafft? Ein Flüchtling aus dem Sudan sitzt am Mittelmeer in Ventimiglia–Menton fest. Nach Frankreich durfte er nicht einreisen, sodass er mit anderen Flüchtlingen an der Grenze gestrandet war.

Der Weg über das Mittelmeer gilt laut einer Studie der „Internationalen Organisation für Migration“ als gefährlichste Flüchtlingsroute der Welt. 2014 ertranken mehr als 3.000 Menschen bei dem Versuch, auf dem Seeweg in die EU einzureisen. Dennoch riskieren jedes Jahr Tausende ihr Leben, um das europäische Festland zu erreichen. Eine der am häufigsten genutzten Passagen ist die sogenannte zentrale Mittelmeer-Route. Sie führt einen Großteil der Flüchtlinge nach Italien, allein 170.000 Menschen im Jahr 2014.

Die meisten stammen aus Syrien sowie aus afrikanischen Staaten wie Eritrea, Somalia oder dem Sudan. Dieser Sudanese wollte im Sommer 2015 vom ligurischen Ventimiglia in die südfranzösische Stadt Menton, um von dort aus weiter Richtung Norden zu reisen. Zusammen mit anderen Flüchtlingen wurde der Mann von französischen Grenzpolizisten aufgehalten. Weil die italienischen Behörden die Menschen nicht in Anhaltelager in Süd-Italien zurückbrachten, campierten die Flüchtlinge wochenlang in der Grenzregion Ventimiglia-Menton. Nach einem Sitzstreik im Juni räumte die italienische Polizei Teiles des improvisierten Camps. Zu dem Zeitpunkt lebten dort fast 1.500 Menschen. Ein Teil der Flüchtlinge blieb vor Ort. Nach dem Durchgreifen der italienischen Behörden ebbte der Flüchtlingszustrom in der Grenzregion zwischen Italien und der Côte d’Azur ab. Seit September 2015 erreichen wieder mehr Flüchtlinge das Lager in Ventimiglia. Es kam erneut zu Ausschreitungen. Die Lage gilt als angespannt.


Ein Hoch auf uns

Aus Selbstlosigkeit - Wenn viele Menschen zusammenhalten, sind sie stärker als allein. In Katalonien formen die Menschen seit Jahrhunderten zu besonderen Anlässen Pyramiden aus sich selbst. Mit der Zeit sind diese Menschenpyramiden zum Symbol für Katalonien geworden, das sich die Unabhängigkeit von Spanien wünscht.

Aus Selbstlosigkeit – Wenn viele Menschen zusammenhalten, sind sie stärker als allein. In Katalonien formen die Menschen seit Jahrhunderten zu besonderen Anlässen Pyramiden aus sich selbst. Mit der Zeit sind diese Menschenpyramiden zum Symbol für Katalonien geworden, das sich die Unabhängigkeit von Spanien wünscht.

Ein menschliches Bollwerk gegen die spanische Vorherrschaft – das sehen traditionelle Katalanen in Castells. Seit über 200 Jahren gehören die Menschentürme zum Kulturerbe der Region im Nordosten der iberischen Halbinsel. Errichtet werden sie meist bei Festen. Erste Zeugnisse für die waghalsigen Menschenpyramiden stammen aus der Stadt Valls in der Provinz Tarragona. In der gleichnamigen Provinzhauptstadt entstand 2012 dieses Bild beim „Concurs de Castells“.

Der Wettbewerb im Bauen von Menschenpyramiden findet alle zwei Jahre am ersten Oktober-Wochenende in der Arena von Tarragona statt, zuletzt 2014. Tausende Männer, Frauen und Kinder aus ganz Katalonien kommen zusammen, um drei Tage lang Türme zu formen, die sich in Größe und Umfang überbieten. Seit 2010 zählen die katalonischen Menschenpyramiden zum Immateriellen Weltkulturerbe der UNESCO.

Bis zu zehn Ebenen kann ein Castell umfassen. Allerdings geht es den Castellers nicht in erster Linie um den Sieg sondern um den Zusammenhalt: Die Starken bilden das Fundament und tragen die Schwachen auf ihren Schultern, alt und jung arbeiten zusammen, jeder einzelne zählt. Auch deshalb gelten die Castells als Sinnbild für die Solidarität unter den Katalanen und für deren eigenständige Kultur. Teile der katalanischen Bevölkerung würde diese gerne auch politisch zementiert sehen: In der Vergangenheit forderten Separatisten bei Regionalwahlen immer wieder dazu auf, Katalonien von Spanien abzuspalten, bislang ohne Erfolg.


Der Ehrgeizige

 

Elon Musk gilt als Technik-Visionär unserer Zeit und als „risk taker“ – ein Mann, der Zeit und Geld investiert, um seine Ziele zu erreichen, auch auf die Gefahr, zwischendurch Niederlagen einzustecken. In einem Interview sagte der gebürtige Südafrikaner mal: „Wenn man nicht auf die Nase fällt, dann war man nicht innovativ genug.“ So gesehen, kann man Musk auch als großen Innovator bezeichnen.

Der von ihm mitgegründete Bezahldienst Paypal brachte ihm 2002 beim Verkauf an ebay zwar 165 Millionen Dollar ein – ein voller Erfolg. Musk-Firmen wie der Elektroauto-Hersteller Tesla Motors, der Solartechnik-Anbieter SolarCity und die Raumfahrtfirma SpaceX legten einen weniger überzeugenden Start hin. Alle drei Unternehmen finanzierte der 44-Jährige aus Eigenkapital. Vor allem das verwegene Ziel, den Mars in Zukunft mit Hilfe der Space X-Technologie zu bevölkern, schien zu scheitern: Drei Mal stürzten Space X-Raketen ab, bevor es eine schließlich in den Orbit schaffte. Selbst die NASA nutzt inzwischen die Dienste von Space X: Dessen Raumschiff „Dragon“ startet regelmäßig zur Versorgung der Internationalen Raumstation ISS. 2017 soll erstmals eine bemannte Space X-Kapsel in den Weltraum starten. Natürlich habe er Versagensängste, gibt Elon Musk zu. Wie er damit umgehe? „Wenn genug auf dem Spiel steht, überwindet man sich. Trotz der Angst.“


Aus Selbstlosigkeit

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Maik Mutschke war Oberstabsgefreiter bei der Bundeswehr. Vor fünf Jahren wurde er beim Kampf gegen die Taliban verletzt. Er erhielt verschiedene Orden. Unter anderem das Ehrenkreuz (oben links) der Bundeswehr.


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Aus zivilem Ungehorsam

Als die chinesische Regierung 2014 die Demokratie in Hongkong beschränken wollte, protestierten wochenlang Aktivisten wie diese Frau gegen den Beschluss. Ihr Kennzeichen waren gelbe Sonnenschirme, ihr Protest war am Ende vergeblich.