Mut

Tante Emmas neuer Look

Foto: Andi Meier (Illustration)
Das klassische Geschäftsmodell des Lebensmitteleinzelhandels steckt in der Krise. Doch in Nischen entstehen interessante Ideen für etablierte und neue Anbieter, die Mut zur Lücke zeigen.

Wie sieht der Supermarkt der Zukunft aus? Klicken Sie auf die einzelnen Bereiche und finden Sie es heraus.

Tante Emmas neuer Look

Von Beginn an Online- und Offlinehandel zu verbinden, das war die Vision von Sebastian Diehl und Benjamin Brüser, Gründer des Supermarkt-Start-ups „Emmas Enkel“, an dem die METRO GROUP seit Dezember vergangenen Jahres 15 Prozent der Anteile hält. Einkaufen kann man bei „Emmas Enkel“ an der Theke ihrer Filialen in Düsseldorf und Essen, über das iPad im Laden oder übers Internet. Die Produkte bringt dann ein Lieferservice aus einer nahe gelegenen Filiale. „Wir wollen dort sein, wo unsere Kunden sind“, sagt Mitgründer Diehl. Deshalb erproben „Emmas Enkel“ auch Monitorwände als digitale Kaufläden. Seit 2013 steht ein virtueller Shop in der Vodafone-Konzernzentrale, seit Kurzem auch auf dem METRO-Campus. Mitarbeiter können dort über ihr Smartphone scannen und später an einer Verteilstation abholen.

Lieferung streng nach Rezept

Ein Angebot für alle Nachmacher

Neben Bringdiensten der Supermärkte hat sich eine neue Paketkultur entwickelt, die über das Internet ihre Ware vertreibt. Die Anbieter heißen Hello Fresh oder Kochzauber. Ihre Mission: Sie liefern eine Rezeptbox mit allen Zutaten zum Nachkochen. Auch Biobauern bringen ihre Lebensmittel nicht mehr nur auf den Wochenmarkt, sondern stellen besondere Boxen zusammen. Dieser Spezialhandel konkurriert mit Supermärkten auf einem ganz neuen Feld: Denn die Neuen richten sich zwar bisher an Großstadtbürger, die ausgewählte Produkte abseits des Massenmarkts suchen. Doch in Zukunft könnte sich der Gang in den Supermarkt erübrigen: Der demografische Wandel und die Digitalisierung werden schon dafür sorgen.

Senden

Der Versand von Lebensmitteln per DHL oder Hermes läuft noch nicht so richtig: „Bei frischen Lebensmitteln empfiehlt sich die Auslieferung aus den Geschäften“, sagt Professor Hendrik Schröder vom Lehrstuhl für Marketing und Handel an der Universität Duisburg-Essen.

Liefern

Emmas Enkel, Rewe und viele Gemüsebox-Auslieferer setzen auf eigene Lieferanten. „Solange wir noch niemanden gefunden haben, der es besser kann, machen wir es selbst“, kommentiert Emmas-Enkel-Mitgründer Diehl den Weg, wie die Ware von ihnen zum Kunden gelangt.

Abholen

Attraktiv für Büroarbeiter: Click & Collect. Wer im Netz bestellt, kann seine Produkte auf dem Heimweg im Supermarkt abholen – fertig verpackt. „Der Supermarkt wird in Zukunft stärker zum Dienstleister“, sagt Susanne Eichholz-Klein vom Kölner Institut für Handelsforschung.

Klasse statt Masse

Viele Edeka-Händler machen es schon: Statt aufs Standardsortiment setzen sie auf Erlesenes. Manche Supermärkte beschäftigen sogar Sommeliers und Fachberater. Supermarktketten reagieren und bieten auf ihre Kunden zugeschnittene Produkte an, etwa Deluxe-Handelsmarken, Produkte ohne Gluten, Nüsse, Fett, Laktose. Die Diversifizierung tut not: Discounter rüsten mit Markenprodukten immer weiter auf. Lidl plant gar, zum Edeldiscounter zu werden.

Die Verpackung können Sie sich sparen

Tütenlos an die Macht

Ökologisch motivierte Überzeugungstäter, die Biosupermärkte und Hofläden mit regionaler Ware in der Großstadt gründen, sind nicht neu. Lebensmittel ohne Verpackung zu verkaufen ist es hingegen schon. Die Kunden des Markts „Original Unverpackt“ in Berlin-Kreuzberg kommen mit eigenen Gläsern, Dosen und Säcken und füllen ihr Dinkelmehl selbst ab, auch Nudeln und Aufstriche. Hier geht’s darum, das grüne Gewissen vollends zu beruhigen. Die Macher von plastikfreien Supermärkten bedienen eine Kundschaft, die genauso tickt wie sie: Angebot und Nachfrage steigen in der Nische stetig. Zurzeit arbeiten auch drei Kölner an einem Markt – der Name ist auch hier Programm: „Tütenlos“.

To stay ist das neue to go

„Oh Angie!“ heißt das neue Gastro-Experiment von Rewe in Berlin und Heidelberg. Es ist der Versuch, nicht nur die Kühlschränke der Kunden zu füllen, sondern auch ihre knurrenden Mägen. Doch das Geschäftsmodell gilt als schwierig: METRO-Tochter Real stellte ihre Restaurantkette „Grillpfanne“ vor fünf Jahren ein und setzt jetzt auf Snacks. Edeka und die Lebensmittelbereiche der Warenhaus-Flaggschiffe von Kaufhof und Karstadt machen es vor: So gibt es nicht nur vor den Kassen ein Restaurantangebot, auch auf der Verkaufsfläche stehen in ausgewählten Filialen Kochstände, an denen Feinkost aus dem Laden zubereitet wird. Endlich: ein kulinarisches Erlebnis.

Liefert Amazon Lebensmittel auch bald in Deutschland?

In Teilen der USA können sich Kunden bereits seit ein paar Jahren Gemüse, Obst, Milch und Fleisch von Amazon Fresh liefern lassen. Auch in Deutschland soll es bald diesen Service geben – nur wann? Bisher können Kunden nur Konserven, Öle und Getränke kaufen. Noch fehlt die offizielle Ansage des Handelsgiganten, das Know-how ist vorhanden.

Die neue Preisfrage

Um Preise aktuell zu halten, müssen Tausende Etiketten ausgetauscht werden. Zeitersparnis versprechen elektronische Preisschilder, mit denen Beträge auf Knopfdruck verändert werden können. Kaiser’s experimentiert mit individuellen Rabatten: Wer sein Einkaufsverhalten analysieren lässt, erhält bis zu 40 Prozent Rabatt auf Produkte, die er regelmäßig kauft.