Mut

Mit Mut zur Innovation

Foto: Michael Hudler
Philip Ghekiere und Gerd Derieuw von Bekaert Textiles erzählen, was sie in ihrem Job machen, wie durch mutige Ideen neue Produkte entstehen und was sich durch den Haniel-Kauf geändert hat.

Philip Ghekiere, Group Innovation Director

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Was ist Ihr Job bei Bekaert Textiles?

Als Group Innovation Director bin ich nicht nur für Forschung und Entwicklung, sondern auch für deren Umsetzung in Produkte und Serviceleistungen zuständig – ebenso wie für das Marketing. Schließlich brauchen wir auch immer wieder neue Ideen, wie wir unseren Kunden komplizierte Technologien einfach und auf einen Blick erklären können.

Wie entstehen Innovationen?

Unsere Innovationen entwickeln wir gemeinsam mit unseren Kunden und in der Bekaert Academy: einem globalen Netzwerk aus Mitarbeitern, Wissenschaftlern, Kliniken, Zulieferern und anderen Unternehmen. Denn gute Ideen sind nur nutzbar, wenn sie Bedürfnisse befriedigen und so den Schlafkomfort der Menschen verbessern.

Mit welchen Trends beschäftigen Sie sich derzeit?

Schlafforschung ist ein ganz zentrales Thema. Das ist eine noch junge Wissenschaft mit einem gewaltigen und noch zu erkundenden Potenzial. Denn wir verbringen etwa ein Drittel unseres Lebens im Bett – und können das Schlafen auch nicht einfach vergessen. Wenn man schlecht schläft, ist man auch am nächsten Tag weniger leistungsfähig. In letzter Zeit bekommen wir immer mehr Anfragen von Sportlern, die wissen wollen, wie sie ihren Schlaf so optimieren können, dass sie beim Wettbewerb leistungsfähiger sind.

Inwieweit hat sich Ihre Arbeit durch den Verkauf von Bekaert Textiles an Haniel verändert?

Verkauft zu werden kostet viel Energie. Denn jede Menge Leute waren in die Verhandlungen involviert und mussten zum Beispiel die Informationen zusammentragen, um Fragen der potenziellen Investoren zu beantworten. Deshalb bin ich erleichtert, dass endlich eine Entscheidung gefallen ist. Nun können wir uns wieder auf das eigentliche Geschäft konzentrieren.

Denken Sie, dass es mutig von Haniel war, Bekaert Textiles zu kaufen?

Die Investitionskriterien von Haniel passen perfekt zu Bekaert Textiles. Als ich die Liste das erste Mal gesehen habe, dachte ich sogar, sie wäre extra für uns geschrieben worden. Beides sind Familienunternehmen mit einer langen Tradition. Auch wenn bei uns die Familie schon seit Jahrzehnten nicht mehr im Unternehmen aktiv ist, haben wir uns diese Kultur erhalten. Deshalb glaube ich nicht, dass das Risiko für Haniel besonders hoch ist.

Was gefällt Ihnen an Ihrem Job?

Besonders gefällt mir die Internationalität. Ich habe schon viele der Bekaert-Textiles-Standorte besucht und dadurch viele neue Leute kennengelernt. Außerdem hat man hier viele Entwicklungsmöglichkeiten: Man muss nicht den Arbeitgeber wechseln, um einen anderen Job zu machen. Ich habe zum Beispiel 18 Jahre im Vertrieb gearbeitet, bevor ich Group Innovation Director wurde. So bleibt die Arbeit immer abwechslungsreich. Viele meiner Kollegen sind auch schon sehr lange da.

Was war die mutigste Idee, die Sie bei Bekaert Textiles hatten?

Wir wollten mal elektronische Geräte entwickeln, die zum Beispiel Feuchtigkeit oder Temperatur und andere Vitalfunktionen in Bezugsstoffen messen. Da haben wir aber gemerkt, dass das für uns zu aufwendig ist und wir besser eine Kooperation eingehen. Man muss als Unternehmen wissen, wo die eigenen Stärken liegen und was man lieber lässt.

 

Gerd Derieuw, Senior Sales Manager

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Welche Aufgabe haben Sie bei Bekaert Textiles?

Ich bin Sales Manager für Großbritannien und Irland, aber mein Büro ist in Belgien. Deshalb bin ich viel unterwegs: Etwa alle drei Wochen fahre ich mit dem Auto durch den Eurotunnel oder mit der Nachtfähre nach England, um Kunden vor Ort zu besuchen. Dann habe ich drei Koffer voller Stoffe dabei. Das sind dann unsere Neuheiten, aber auch die Stoffe, die wir mit den Kunden zusammen entwickelt haben. Ich bespreche mit ihnen, ob sie zufrieden sind oder neue Bedürfnisse haben, für die wir eine Lösung anbieten können.

Sie arbeiten bereits seit 24 Jahren im Unternehmen. Wie hat sich der Job in dieser Zeit verändert?

Früher hatten wir noch andere Stoffe, zum Beispiel Bezugsstoffe für Möbel oder Vorhänge. 2007 haben wir uns dann aber auf Betttextilien spezialisiert. Es ist besser, sich auf eine Sache zu konzentrieren, die man gut kann, denn man kann nicht in jedem Bereich Spezialist sein. Während der Vertrieb früher komplett von Belgien aus gesteuert wurde, haben wir heute lokale Außendienstmitarbeiter in vielen Ländern. Früher kamen meine englischen Kunden noch oft her in unsere Showrooms, mittlerweile kaum noch. Auch der Matratzenmarkt hat sich in den letzten Jahren sehr gewandelt. Es gibt zum Beispiel immer mehr asiatische Produzenten. Und Matratzen werden häufiger online gekauft, inzwischen liegt der Anteil bei fast 40 Prozent. Dadurch wird der Preis als Entscheidungskriterium wichtiger.

Gefährdet das die Zukunft von Bekaert Textiles?

Nein. Ich denke, dass Bekaert Textiles auch in zehn Jahren noch eine super Position hat. Wir haben einen guten Ruf, eine lange Tradition und innovative Stoffe. Vor allem in den Märkten Osteuropas und Asiens steckt noch viel Wachstumspotenzial für uns.

Auf welche Innovation sind Sie besonders stolz?

2009 haben wir Purotex auf den Markt gebracht – unseren Allergikerbezug. Das ist ein Stoff, in den Mikrokapseln mit probiotischen Bakterien eingestrickt sind. Durch Reibung, also wenn man sich im Bett bewegt, werden sie freigesetzt und fressen den Hausstaubmilben die Nahrung weg. Das war eine technologische Revolution und ist natürlich ein sehr komplexes Thema. Aber der Matratzenverkäufer hat beim Endkunden nur 30 Sekunden Zeit, um ihn für das Produkt zu begeistern. Das ist eine echte Herausforderung. Trotzdem kam diese Neuheit bei den Herstellern sehr gut an.

Was halten Sie vom Verkauf an Haniel?

Die Übernahme habe ich bisher fast gar nicht gemerkt. Aber als Dirk Vandeplancke, unser Vorstandsvorsitzender, uns von der Übernahme erzählt hat, hat er gestrahlt. An seiner Körpersprache konnte ich sehen, dass er glücklich war. Und ich vertraue ihm.