Unternehmer 3.0

Knapp daneben ist auch dabei

Autor: Stephan A. Jansen |
Foto: Julian Rentzsch (Illustration)
Knappe Ressourcen zwingen dazu, effizienter zu werden – was nur zu mehr Mangel führt. Um nachhaltiger zu werden, müssen wir konsequent sein, sagt unser Kolumnist Stephan A. Jansen.

Seit dem 17. Jahrhundert und dem baumstarken Hans Carl von Carlowitz gehört das Prinzip der Nachhaltigkeit zum Kanon des Kapitals, wenn man sich mit dem Zugang zu knappen Ressourcen beschäftigt: Es gehe um eine „continuirlich beständige und nachhaltende Nutzung“ der Wälder zur Vermeidung einer „große(n) Noth“ an Holz, so zu lesen 1713 in von Carlowitz’ „Sylvicultura oeconomica“. Das Prinzip: Regenerierbare lebende Ressourcen dürfen nur in dem Maße genutzt werden, wie Bestände natürlich nachwachsen. Das heißt: Einem Wald darf nur so viel Holz entnommen werden, wie zur gleichen Zeit nachwachsen kann. Holzhändler haben dies erst in den späten 1960er-Jahren wiederentdeckt. 1987 forderten die UN im „Brundtland-Report“ mehr Nachhaltigkeit, 1999 war der Begriff in der Endauswahl für das „Wort des Jahres“ (es wurde übrigens: „Rot-Grün“).

Das Gegenteil bewirkt

Im 21. Jahrhundert könnte Nachhaltigkeit zu einer Normalität im Geschäftsmodell werden. Denn Knappheiten, was immer die Wirtschaft der Gesellschaft und die Gesellschaft der Wirtschaft als solche definieren, müssen mit technologischer, sozialer und politischer Intelligenz bearbeitet werden. Die Ökonomie ist eine Haushaltslehre, die unter der Bedingung der Knappheit – Ressourcen-Endlichkeit und Budgetrestriktion – das Haushalten effizienter gestalten will – und so das Gegenteil produziert, da nur der Umgang mit der Knappheit effizienter wird, aber nicht die Übernutzung als Ursache der Knappheit behoben wird. Der Soziologe Niklas Luhmann hat das Paradox der Knappheit präzise formuliert: „Der Zugriff schafft das, was er beseitigen will.“

Knappheit spürbar machen

Die Nobelpreisträger Ronald Coase und Elinor Ostrom haben diese Knappheit durch Übernutzung als „Tragödie der Allmende“ bezeichnet: Farmer und Viehzüchter geraten bei der gleichen öffentlichen Wiese in Konflikt – so wie Fischer an gemeinsam genutzten Seeufern. Um die Knappheit spürbarer zu machen, sollte man versuchen, die negativen Folgen der persönlichen Wachstumsstrategie nicht auf andere abzuwälzen, sondern sie am eigenen Leib zu erfahren – bisher bleibt es jedoch oft nur beim Versuch.

Vier Konsequenzen der Knappheit - Was uns gelingen muss, damit es nicht zu knapp ausgeht.

Unternehmerisch

„Entwickle Technologien, die die Nutzbarkeit von Ressourcen stärker steigert, als sie das Wachstum verbraucht!“

Gesellschaftlich

„Stelle die kurzfristige Wegwerfgesellschaft um auf die Aufbewahrungsgesellschaft des Re- und Upcyclings und auf die Nutzung der bereits verkauften Ressourcen für die nächste Produktgeneration.“

Kundenbezogen

„Stelle um von Eigentum auf Zugang und schaffe eine Nutzenerhöhung durch Teilen.“

Politisch

„Setze einen Anwalt der ungeborenen Generationen ein, der Gesetze zur Sicherung der generationsübergreifenden Wohlstandskonformität zeichnen muss.“


Prof. Dr. Stephan A. Jansen ist Inhaber des „Lehrstuhls für Strategische Organisation & Finanzierung“, Direktor des „Civil Society Center“ an der Zeppelin Universität und dort Gründungspräsident.