Unternehmer 3.0

Werteposition – Suche nach dem Unternehmer 3.0

Foto: Tillmann Franzen
Stephan Gemkow im Gespräch mit Franz Markus Haniel über die neuen Anforderungen für Unternehmer.

Was zeichnet den Unternehmer 3.0 aus?

[STEPHAN GEMKOW] Mit dem Unternehmer 2.0 hatten wir eine eher technokratische Phase, in der es vor allem um Shareholder-Value ging. Der neue Unternehmer hingegen orientiert sich wieder an den Werten des ursprünglichen Unternehmertums, bezieht aber auch die Anforderungen der Zukunft ein. Das hat übrigens Auswirkungen auf die internationale Zusammenarbeit: Manche Volkswirtschaften sind noch im Unternehmertum 2.0 oder 1.5 verhaftet, während sich die postmaterialistischen Gesellschaften die Sinnfrage stellen. Bei Umweltschutzkonferenzen lässt sich gut beobachten, dass das nicht zueinanderpasst.

[FRANZ MARKUS HANIEL] Der Unternehmer 3.0 denkt völlig neu und hat für sich den Anspruch, auch einen gesellschaftlichen Beitrag zu leisten. Er beschäftigt sich mit Themen und Geschäftsmodellen, die es noch nicht gibt. Das war beim Unternehmer 2.0 nicht der Fall – der hat eher in einem bestehenden Markt die Dinge professionalisiert.

Ist Haniel für Sie ein Unternehmen 3.0?

[GEMKOW] Noch nicht. Wir bringen zwar die Anlagen dafür mit, müssen aber noch eine Menge lernen – es fehlt vor allem an Innovationen bei den Geschäftsmodellen. Nachdem wir im vergangenen Jahr die Entschuldung gemeistert haben, können wir aber nun konzentriert diese Themen angehen.

[HANIEL] Es gibt durchaus Stellen im Unternehmen, an denen dieser Geist schon zu spüren ist. Aber in der Gesamtbetrachtung haben wir sicherlich noch einen weiten Weg zu gehen. Wobei sich die Gesellschafter schon sehr stark auf diese Themen ausgerichtet haben – Sinnhaftigkeit, Nachhaltigkeit und Innovation spielen da eine große Rolle.

Woran kann der neue Unternehmertyp scheitern?

[GEMKOW] Gerade in den westlichen Gesellschaften an der Kurzatmigkeit, mit der man Ergebnisse erwartet. Vor allem bei Aktiengesellschaften werden positive Entwicklungen schnell abgewürgt, wenn sie sich nicht sofort in den Quartalszahlen niederschlagen. Auf der persönlichen Ebene gibt es zudem die Gefahr, nicht richtig zu priorisieren und zu viel erreichen zu wollen. Aber man kann nicht immer und überall Everybody’s Darling sein.

[HANIEL] In Deutschland sicherlich daran, dass Scheitern generell negativ belegt ist. Doch das müssen wir ablegen, denn gerade beim Unternehmer 3.0 wird es darauf ankommen, dass er Arbeitsgebiete betritt, die nicht mit Sicherheit zum Erfolg führen.