Wandel

Was zählt, ist auf dem Platz

Autor: Sonja Hausmanns |
Foto: Haniel Archiv
Vor genau 30 Jahren benannte die Stadt Duisburg das Firmengelände von Haniel offiziell um in Franz-Haniel-Platz. In der Vergangenheit hat der Stammsitz des Unternehmens bereits so einiges mitgemacht.

„… außerhalb Ruhrorts, jedoch dichte bey in der Gegend, wo die Schiffe gebaut werden.“ So beschreiben Ruhrorter Bürger 1748 das Gelände, auf dem sie gerne Wohn- und Geschäftshäuser bauen würden. Jedoch befinden sich dort zu dieser Zeit die „Königlichen Gärten“ Friedrichs des Großen. Schließlich stimmt der Preußenkönig der Stadterweiterung zu und verpachtet eines seiner Grundstücke für jährlich 30 Reichstaler an den Zollbeseher Jan Willem Noot, der von Ruhrort aus mit Kolonialwaren wie Tee und Kaffee handelt. So beginnt die Geschichte des Franz-Haniel-Platzes – auch wenn es noch über 200 Jahre dauern wird, bis das Gelände diesen Namen erhält.

Es ist zunächst Noots Tochter Aletta, die das Geschäft erweitert, das schließlich ihr Sohn Franz Haniel zum erfolgreichen Montankonzern macht. Doch auch wenn sich die Geschäfte mit der Zeit ändern: Heimat der Haniels bleibt Ruhrort. So lässt Generaldirektor Johann W. Welker hier in den 1920er-Jahren ein neues Verwaltungsgebäude errichten. Während des Zweiten Weltkriegs wird der Stammsitz jedoch bei Bombenangriffen stark beschädigt und fällt in der Nachkriegszeit in einen Dornröschenschlaf: Das Gelände dient als Parkplatz, Firmenveranstaltungen finden in einer Mehrzweckhalle statt. Selbst die Haniel-Familie bleibt auf Abstand und trifft sich zu den Gesellschafterversammlungen lieber im nahe gelegenen Düsseldorf. Auch im Management mehren sich Stimmen, den Standort aufzugeben: Heimat ist zum Handicap geworden. Bis 1980 Hans Georg Willers die Geschäftsführung übernimmt. „Für die Dauer von einem Jahr war für mich nicht sicher, ob Haniel in Ruhrort bleibt. Nachdem ich mich aber mehr und mehr mit der Geschichte vertraut gemacht habe, war ich beeindruckt – insbesondere vom Gründer Franz Haniel. Zudem waren die Räume, in denen er gelebt und gearbeitet hat, noch da. Und dann habe ich ‚umgedacht‘; es gibt keine Alternative: Haniel muss in Ruhrort am alten Stammsitz bleiben.“ Willers lässt das Firmengelände komplett umgestalten – und er sollte recht behalten. Heute zeigt sich am Franz-Haniel-Platz die Identität des Konzerns. Er ist und bleibt: Heimat.