Warten

Mit Achtsamkeit den Blick weiten

Autor: Janina Groffmann |
Foto: Fotolia, Shutterstock (2), privat
Gerade in bewegten Zeiten gilt es, neue Perspektiven zu wagen und zugleich den Fokus zu bewahren. Kann Achtsamkeit dabei helfen? Das probierten Haniel-Führungskräfte in einem Workshop aus

Achtsamkeit zielt darauf ab, im Hier und Jetzt zu leben. Bei den meisten Menschen geht nämlich schon morgens der Autopilot an: duschen, Kaffee, Mails checken und ab auf die Autobahn. Im Kopf gehen sie dabei schon die To-do-Liste für den Tag durch oder denken über ihre Sorgen nach. Das strengt das Gehirn an und führt zu Stress, erst recht, wenn immer mehr Dinge auf uns einprasseln. Achtsamkeitsübungen – wie zum Beispiel kurze Meditationen – können Abhilfe schaffen. Mittlerweile sind auch viele Wissenschaftler davon überzeugt, dass Achtsamkeit das Wohlbefinden steigert und hilft, sich zu fokussieren. Das zahlt sich auch im Arbeitsleben aus: Große Unternehmen wie Google oder SAP haben bereits Achtsamkeitsprogramme aufgelegt, um ihre Mitarbeiter und Führungskräfte dabei zu unterstützen, produktiv und effizient zu arbeiten. Auch Haniel hat das Potenzial erkannt.

Executive Coach & New Work Consultant Eve Simon über Achtsamkeit

Bei der Führungskräfteveranstaltung „Leadership Lab“ wurde in diesem Jahr erstmals das „Mindfulness Lab“ angeboten. In drei Stunden konnten die Manager verschiedene Achtsamkeitstechniken für den Alltag ausprobieren, wie Visualisierungen, Atem-Meditation oder Tagebuchschreiben. „Achtsamkeit hat nichts mit Esoterik zu tun, sondern hilft in stressigen Zeiten, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren. Dafür muss man auch nicht stundenlang meditieren, es reicht, wenn man kurze Übungen in den Alltag integriert“, erklärt Eve Simon, die den Workshop konzipiert hat.

Achtsamkeits-Challenge

Das Thema Achtsamkeit finden Sie spannend, aber nicht, wie Sie anfangen sollen? Für den Einstieg ist es nicht notwendig, dicke Bücher zu lesen und lange Meditationsübungen zu machen. Versuchen Sie einfach, sich Ihren Alltag wieder bewusster zu machen. Starten Sie mit dieser 21-Tage-Challenge: Beginnen Sie jeden Morgen achtsam, indem Sie nicht gleich zum Smartphone greifen oder aus dem Bett springen, sondern mit einem Moment des Innehaltens. Wenn Sie morgens aufwachen, beobachten Sie Ihre ersten Gedanken ohne sie zu werten. Was kommt Ihnen in den Sinn? Nehmen Sie nun drei große Atemzüge – durch die Nase ein und den Mund ausatmen. Dann sagen Sie sich ‚heute wird ein besonders guter Tag‘. Strecken Sie sich nun ganz wohlig wie eine Katze oder ein kleines Kind. Wenn Sie aus dem Bett aussteigen, machen Sie es langsam und bedacht und mit beiden Füssen auf dem Boden. Setzen Sie diese kleine Übung nun 21 Tage um und schauen Sie, was sich über die drei Wochen verändert.

 


Beim Haniel Leadership Lab 2017 haben sich Führungskräfte aus der gesamten Gruppe zwei Tage lang damit beschäftigt, welche Art von Führung und Zusammenarbeit es in Zeiten der Digitalisierung braucht. Denn diese verändert nicht nur die Geschäftsmodelle, sondern auch die Art der Zusammenarbeit und erfordert flexible und agile Strukturen. Deshalb müssen Unternehmen ihre Kultur und damit auch die Art der Führung radikal überdenken. Neben externen Impulsen diskutierten die Manager auch die digitalen Agenden der Geschäftsbereiche und präsentierten ihre eigenen Ideen zur Führung im Jahr 2025.

 


 

UND WAS HABEN DIE FÜHRUNGSKRÄFTE MITGENOMMEN?

DIRK VERLY, Chief HR Officer bei BekaertDeslee

Vor zehn Jahren wollte ich wissen, wie innovative Unternehmen eine Kultur schaffen, in der die Ideen gedeihen, und bin dabei auf Achtsamkeit gestoßen. Daraufhin habe ich Kurse belegt und mich sogar zum Trainer ausbilden lassen. Damit es wirklich effektiv ist, muss man viel üben und am Ball bleiben. Der Workshop war ein guter Einstieg, und ich hoffe, dass viele der Kollegen damit weitermachen und das Potenzial für ihren Arbeitsalltag erkennen.

 

VEERLE CLAES, Managing Director Textile Care Benelux bei CWS-boco

Schon vor dem Workshop habe ich mindestens vier Stunden in der Woche Yoga gemacht und einmal meditiert. Durch Achtsamkeit kann man lernen, auf Stress nicht blindlings zu reagieren, sondern mit ihm umzugehen. Künftig möchte ich deshalb jeden Morgen kurz meditieren und jeden Abend den Tag noch einmal durchgehen und aufschreiben, was ich gemacht habe.

 


ELKE KATZ, Chief Digital Officer bei Ratioform

Gerade in der digitalen „Always on“- Welt bekommt dieses Thema neue Relevanz. Bewusstes „Abschalten“ ist eine wichtige Quelle für Kreativität und die Entwicklung von Strategien und Visionen. Kurze Meditationen wie „achtsames Atmen“ oder „achtsames Gehen“ integriere ich in meinen Alltag – und ein Mitarbeitergespräch kann ein Spaziergang werden.