Menschen

Besser als gut

Autor: Joachim Faber |
Foto: Haniel
Jedes Jahr treffen die Topmanager von Haniel Experten aus Wirtschaft und Wissenschaft zum Gedankenaustausch. Diesmal ging es um die Frage: People and Planet – The Way to Profit? Darauf antwortet Joachim Faber klar: „Ja“.

Nachhaltigkeit – worum geht es da eigentlich? Primär nicht darum, eine bessere Welt zu schaffen. In Zeiten eines unbarmherzigen Wettbewerbs, in dem die Schwellenländer in etablierten Branchen stetig Marktanteile von den Industriestaaten gewinnen, ist nicht mehr viel Raum für solch romantisches Denken.

Wir müssen jedoch begreifen, dass wir unsere Kunden, unsere Mitarbeiter und unsere Aktionäre nicht mehr zufriedenstellen können, wenn unser einziges Unternehmensziel die Steigerung des Gewinns je Aktie um ein oder zwei Cent bleibt. Ertragswachstum wird heute quasi vorausgesetzt, reicht allein aber nicht mehr aus. Es ist bemerkenswert, dass Universitätsabsolventen heute nicht mehr nur an ihrem Gehalt, ihren Aufgaben und Arbeitszeiten interessiert sind, sondern zunehmend daran, wie die Nachhaltigkeitsstrategie des Unternehmens aussieht und für welche Werte das Unternehmen steht.

Auch Anleger sind auf das Thema aufmerksam geworden: In den letzten Jahren ist die Zahl der Nachhaltigkeitsfonds rapide angewachsen. Anlegerinitiativen im Bereich Klimawandel wie das Carbon Disclosure Project schießen aus dem Boden.

Vermögensverwalter nutzen für mehr als ein Drittel aller verwalteten Portfolios im Bereich der Long-only-Fonds – und wir sprechen hier über rund zehn Billionen Dollar – einen Nachhaltigkeitsansatz. Dabei lautete bis vor Kurzem die gängige Meinung in der Investmentwelt: Die Rendite eines auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Portfolios entspricht der eines „normalen“ Portfolios.

Eine Studie der Allianz hat indes ergeben, dass die Anlagerendite zwar tatsächlich gleich hoch ist – die Risiken eines Nachhaltigkeitsportfolios jedoch deutlich geringer ausfallen. Aus diesem Grunde nehmen hochprofessionelle Anleger wie Rentenfonds, Staatsfonds, Versicherungsunternehmen und große Family-Offices rasch nachhaltige Investments in ihre Portfolios auf.

Vor diesem Hintergrund stellt sich nicht die Frage, ob Unternehmen nachhaltig agieren wollen. Sie müssen! Dies fällt jedoch nicht vom Himmel. Es kann nur vom Topmanagement kommen. Der vorgegebene Ton muss durch beispielhaftes Verhalten eingelöst werden. Hier gibt es nur eine Option: Unternehmen müssen sicherstellen, dass über all ihre Aktivitäten bedenkenlos auf der Titelseite des Wall Street Journal berichtet werden könnte. Ein guter Ruf ist nicht nur von entscheidender Bedeutung für das öffentliche Image, sondern auch für die Kundenbindung sowie die Zufriedenheit der Belegschaft.

Deshalb tun Unternehmen gut daran, ihre Mitarbeiter auf allen Ebenen einzubeziehen – etwa durch freiwillige soziale Tätigkeiten oder Spendenaktionen. Das ist wichtig für die Etablierung und Weiterentwicklung der Unternehmenskultur. Und am Ende macht es die Welt dann doch ein Stückchen besser.


Joachim Faber ist Aufsichtsratsvorsitzender der Deutschen Börse AG. Zuvor war er lange für die Allianz tätig. So machte er als Vorstandsvorsitzender Allianz Global Investors zum zweitgrößten Vermögensverwalter der Welt. Faber war von 2010 bis 2013 Mitglied des Rates für Nachhaltige Entwicklung der Bundesregierung und gehört seit September 2013 zur Regierungskommission Corporate Governance Kodex.

Weitere Informationen und Videos zur Haniel-Führungskräftetagung im Artikel Unternehmertum 3.0.