Menschen

They did it their way

Autor: Andreas Pilmes |
Foto: Haniel Archiv
Krisen gab es in Haniels Geschichte reichlich. Manche kamen von außen, manche waren hausgemacht. Gemeistert wurden sie alle, lange bevor das Wort Krisenmanagement erfunden war. Womöglich können wir daraus lernen.

Weltkrieg: zweimal, Wirtschaftskrisen: diverse, Strukturwandel: genügend, Rezessionen: etliche, Hyperinflation: auch die. In 255 Jahren Unternehmensgeschichte ist schon mal schwer was los. Das Weltgeschehen plätschert eben eher selten nur so dahin. Die entscheidende Frage dabei lautet: Überrascht einen heftiger Wellengang – oder haben sich die Unternehmenskapitäne auf raue See eingestellt? Und im besten Fall schon frühzeitig den Kurs angepasst? Ja, manchmal ist das gelungen im Hause Haniel. Manchmal nicht. Das lässt sich in der langen Firmenhistorie nachlesen. Aus der Geschichte soll man lernen, heißt es. Aber was? Vielleicht ein paar Umgangsformen für Krisenzeiten.

Umgangsform Nr. 1 Beweglichkeit

Auch Gründer Franz Haniel hatte seine Krisen zu bewältigen. 1815 zum Beispiel, als das Geschäft überwiegend aus dem Handel mit Kolonialwaren und Kohle bestand. Als nach der Gründung des Königreichs der Vereinten Niederlande der Absatz für preußische Kohle dort einbrach, musste er wendig sein und neue Geschäftsfelder aufspüren. Er überbrückte die Krise, indem er Pflanzenöl und Holz produzierte und verkaufte. 15 Jahre später lief der Kohlehandel mit den Niederlanden wieder auf Hochtouren.

Umgangsform Nr. 2 Beharrlichkeit

Es ist Freitag, der 9. Mai 1873. Nach dramatischen Kursverlusten wird die Wiener Börse geschlossen, wenig später auch die in New York und Berlin. Der Geldmarkt ist zusammengebrochen. Lohnkürzungen und Massenentlassungen sind die Folge. Auch die Haniels verlieren sehr viel Geld. Zudem kündigt sich ein Machtkampf an. Frische Finanzmittel besorgen oder abwarten, das wird zur strategischen Kernfrage. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hugo Haniel zaudert, „er ist nicht der richtige Mann für diese neue Zeit“, urteilt der Wirtschaftshistoriker Harold James rund 140 Jahre später. Letztlich wird Hugo aus dem Amt gedrängt, sein Neffe Eduard James Haniel ist der neue starke Mann. Er ist ganz anders als sein Onkel: selbstbewusst, wagemutig, und er sieht seine Chance gekommen. Sein Ziel ist die Expansion. Die Geschichte gibt ihm recht.

Umgangsform Nr. 3 Wille

Es ist Freitag, der 9. Mai 1873. Nach dramatischen Kursverlusten wird die Wiener Börse geschlossen, wenig später auch die in New York und Berlin. Der Geldmarkt ist zusammengebrochen. Lohnkürzungen und Massenentlassungen sind die Folge. Auch die Haniels verlieren sehr viel Geld. Zudem kündigt sich ein Machtkampf an. Frische Finanzmittel besorgen oder abwarten, das wird zur strategischen Kernfrage. Der Aufsichtsratsvorsitzende Hugo Haniel zaudert, „er ist nicht der richtige Mann für diese neue Zeit“, urteilt der Wirtschaftshistoriker Harold James rund 140 Jahre später. Letztlich wird Hugo aus dem Amt gedrängt, sein Neffe Eduard James Haniel ist der neue starke Mann. Er ist ganz anders als sein Onkel: selbstbewusst, wagemutig, und er sieht seine Chance gekommen. Sein Ziel ist die Expansion. Die Geschichte gibt ihm recht.

Umgangsform Nr. 4 Glaube

Stunde null nach dem Zweiten Weltkrieg. Die Schiffsflotte der Haniels ist vernichtet, das Vertriebsnetz für Brennstoffe, Düngemittel und Eisen zerstört. Was noch übrig ist, landet in den Händen der Alliierten. Sie wollen den Konzern zerschlagen, die Macht der großen Industriellenfirmen am Rhein und der Ruhr brechen. Das Ende der Dynastie scheint greifbar nah. Die Nachkriegszeit ist die Zeit von Hermann Reusch, dem damaligen Vorstand der Gutehoffnungshütte, essenzieller Teil des Konzerns. Er glaubt an die Zukunft Deutschlands, und er kämpft dafür. Zwar kann er die Entflechtung der Hütte nicht verhindern, in harten Verhandlungen mit den Besatzern aber gelingt es ihm, die restlichen Unternehmungen großteils zusammenzuhalten. Die Handelsgesellschaft Franz Haniel & Cie. GmbH wird zum Kern des Konzerns. Nun muss nicht nur der wieder aufgebaut werden, sondern das ganze Land. Haniel steigt in den Baustoffhandel ein.

Umgangsform Nr. 5 Zusammenhalt

„Da es wirklich der letzte Moment ist, in dem die Familie ihre Geschicke in die Hand nehmen kann, müsste es möglich sein, dass sich alle Familienmitglieder unter Zurückstellung von Sonderinteressen hinter einen Repräsentanten scharen.“ So wird Wolfgang Curtius zitiert, ein Familienmitglied mit Familiensinn der besonderen Art. Der, gegen den sich Curtius wendet, ist der Manager Reusch, der ihm und anderen zu mächtig geworden ist. Curtius war die erste klare Führungsfigur der Familie seit Franz Haniel. Anfang der Fünfzigerjahre werden die Haniels selbst Anteilseigner der Holding. Im Aufsichtsrat lenken sie nun die Unternehmenspolitik. Naturgemäß divergieren die Interessen mit der wachsenden Zahl der Familienmitglieder. Und das ist bis heute so. Der Zusammenhalt bleibt für Haniel Erbe, Auftrag und Herausforderung zugleich. Auch und gerade in diesen Tagen.