Menschen

Was wäre, wenn…

Autor: Rebecca Haag |
Foto: Haniel Archiv, Duisburg
Ein Fund, der die Geschichte Duisburgs, Europas und sogar Karl Mays verändert hätte.

Goldene Zeiten brechen an

Man schreibt das Jahr 1834. Franz Haniel ist auf der Suche nach Kohleflözen. Bei Bohrungen auf einem Grubenfeld in Essen-Borbeck entdecken seine Arbeiter, dass unter der Erdoberfläche Unmengen von Gold lagern. Unterstützt von brillanten Ingenieuren, entwickelt Franz Haniel ein Saugverfahren zur effizienten Rohstoffgewinnung: Pumpen lösen die Goldklumpen aus dem Gestein und transportieren sie sofort an die Erdoberfläche – ganz ohne aufwendige Tiefbohrungen. Forscher und Unternehmer aus der ganzen Welt pilgern nach Duisburg, um die ungewöhnliche Methode Haniels zu bestaunen.

Total am Spinnen Später erweitert Haniel seine Geschäftstätigkeit um die Schmuckherstellung. Dazu betreibt er eine Raupenfarm. Die von ihm gezüchteten Tiere der Gattung Aurum tractare verzehren das Haniel-Gold und spinnen es zu wertvollen Kokons. Als Ohrringe finden die Gehäuse reißenden Absatz.

Der große Pottrausch

Die Erfolge Haniels sprechen sich herum. Schon bald bevölkern Scharen von Glücksrittern das Ruhrgebiet. Viele von ihnen kommen in Goldschürfer-Camps entlang der Ruhr unter. Im Laufe der Zeit entstehen daraus prachtvolle Städte. Im Gold-Revier gedeihen Wissenschaft, Künste und Luxusindustrie. Wer in Wirtschaft und Geistesadel Rang und Namen hat, zieht hierher. Städte wie Hamburg oder München gelten dagegen als bäuerliche Provinz.

Goldgräber-Romantik

Als der Goldrausch verebbt, richtet sich die kluge Bürgerschaft rasch darauf ein. In Essen-Borbeck etwa entsteht ein Freizeitpark ganz im Sinne der Goldgräber-Romantik: Touristen können stillgelegte Minen besichtigen, Goldschürfkurse belegen oder mit dem Revier-Express durch die Geisterstadt Fintrop fahren. Die Originalschauplätze des deutschen Goldrausches werden zum beliebten Drehort für Kinoproduktionen wie „Der Schatz im Baldeneysee“.

Späte Ehre 

In den Ländern der europäischen Union wird seit 2002 mit wertbeständigem Goldgeld gezahlt. Die Vokabeln „Finanz- und Währungskrise“ existieren nicht, stattdessen kann das reiche Europa ärmeren Ländern wie den USA und China unter die Arme greifen. Im ausgehenden 21. Jahrhundert kommt es schließlich zu einer Welt-Währungsunion, bei der durch geschickte Umverteilung für Wohlstand auf allen Kontinenten gesorgt wird. Auf den überall gültigen Münzen ist zum Gedenken an den Entdecker der größten globalen Goldvorkommen das Porträt Franz Haniels eingraviert.