Menschen

Werteposition – Das Gute an Veränderung

Foto: Tillmann Franzen
Stephan Gemkow im Gespräch mit Franz Markus Haniel.

Welches war die größte Veränderung für Sie in jüngster Zeit?

[STEPHAN GEMKOW] Mein Neuanfang bei Haniel nach 22 Jahren bei der Lufthansa war für mich ein Umbruch im positiven Sinn. Als Manager bin ich mit einem deutlichen Einschnitt konfron­tiert, weil Haniel 2012 einen historischen Verlust verbucht hat. Es gilt also, das Unternehmen schnellstmöglich wieder so aufzustellen, dass wir langfristig Wert schaffen können.

[FRANZ MARKUS HANIEL] Um zu dokumentieren, dass wir zu dem Unternehmen stehen, hat meine Familie dieses Jahr auf eine Dividende verzichtet – zum ersten Mal seit dem Zwei­ten Weltkrieg. Außerdem haben wir inzwischen zwei externe Aufsichtsräte. Zwar legen wir schon lange die Führung des Konzerns in die Hände externer Manager, aber der Aufsichtsrat war auf Arbeitgeberseite immer mit Familienmitgliedern besetzt. Dies ist ein Paradigmenwechsel, der unsere Arbeit befruchten wird.

Inwieweit muss sich das Unternehmen Haniel wandeln?

[GEMKOW] Wir stehen vor großen Veränderungen – dazu zwingt uns nicht zuletzt die große Schuldenlast. Obwohl wir diese erheblich reduziert haben, müssen wir das Unternehmen pragmatisch und konsequent an die Umfeldbedingungen anpassen. Das ist sicherlich nicht von jetzt auf gleich zu schaffen. Aber ich bin zuversichtlich, dass uns das gelingt. Schließlich hat sich der Konzern im vergangenen Vierteljahr­tausend schon öfter neu erfunden. Veränderung liegt in der DNA von Haniel.

[HANIEL] Dieser ständige Wandel war und ist aber nur mög­lich, wenn wir unseren Werten treu bleiben. Das war in der jüngsten Vergangenheit vielleicht nicht immer der Fall. Deshalb sage ich für die Zukunft: keine Kompro­misse! Wir brauchen ein stabiles Wertegerüst, um aus schwierigen Zeiten wie jetzt gestärkt hervorzugehen.

Welche Trends in der Wirtschaft halten Sie für besonders relevant?

[GEMKOW] Kein Trend, vielmehr eine langfristige Entwicklung ist die Verschiebung nach Asien. Hier hat Haniel Nachhol­bedarf, auch wenn unsere Geschäftsbereiche beispielswei­se in China und Japan bereits vertreten sind. Im Kern wird Haniel immer ein europäisches Unternehmen bleiben.

[HANIEL] Positiv bewerte ich die Renaissance eines verantwortungsvollen Unter­nehmertums. Haniel fühlt sich seit jeher den Prinzipien des „Ehrbaren Kauf­manns“ verbunden – etwa Disziplin, Ehrlichkeit und Maß. Im Zuge der Finanz­krise haben diese Tugenden einen neuen Auftrieb erhalten. Ich hoffe, dass das kein Strohfeuer ist, sondern sich die Wirtschaft nachhaltig verändert.