Menschen

Wir fangen dann schon mal an

Autor: Friederike Andrae |
Foto: Dominik Gigler, Dominik Asbach, Anders Birch/laif
Gegen den Klimawandel und für eine bessere Zukunft: Sechs Mitarbeiter der Haniel-Gruppe machen sich an die Arbeit.

„Ich habe seit 15 Jahren tierische Produkte fast vollständig von meinem Speiseplan verbannt – und vermisse nichts“

Nadja Heinrich

Nadja Heinrich (47), Assistentin des Group Real Estate Management Director bei Celesio in Stuttgart

Nadja Heinrich ist eine zierliche Person, die langsam und sehr überlegt spricht. Ihre Stimme ist fest und entschlossen, wenn sie sagt, dass sie bei Lebensmitteln lieber auf Klasse als auf Masse setze und tierische Produkte weitestgehend meide. „Es ist nicht so, dass ich mich etwa kasteie. Ich koche gern, und ich esse gern. Das ist für mich etwas Sinnliches. Dafür gebe ich auch gerne etwas mehr Geld aus.“ Denn am liebsten steuert die Celesio-Angestellte Biosupermärkte an, in denen der Einkauf schon einmal etwas teurer werden kann. „Doch damit tue ich nicht nur mir, sondern auch der Umwelt etwas Gutes.

„Manchmal wird sie aber gefragt, ob die fleisch- und milchlose Ernährung nicht auf die Dauer ungesund sei. „Meine Blutwerte sind bestens“, kann Heinrich versichern. Und auch, wenn dies nicht miteinander zusammenhängt, sagt sie: „Ich esse vielleicht fünf Mal im Jahr Fleisch.“ Das kommt dann aber von Biohöfen, die ihren Betrieb als Teil eines natürlichen Kreislaufs sehen. „Es geht für mich darum, respektvoll mit Menschen, Tieren und der Erde umzugehen“, sagt die Assistentin, die ihre Ernährungsumstellung als Ergebnis eines Umdenkprozesses sieht: „Wir müssen Dinge hinterfragen, von denen uns durch Marketing suggeriert wird, dass wir sie unbedingt brauchen.“

3.133.000.000 Tonnen CO2 entstehen jedes Jahr durch Massentierhaltung. Nadja Heinrich verzichtet daher komplett auf tierische Produkte aus der Industrie.


„Mit der neuen Solaranlage decken wir ein Drittel unseres Stromverbrauchs“

Tobias Frick

Tobias Frick (36), Geschäftsführer der Eisenlegierungen Handelsgesellschaft (ELG) in Duisburg

Rot leuchten die Ziffern auf der Anzeigetafel an der ELG-Zentrale in Duisburg. Sie zeigen an, wie viele Kilowattstunden Solarstrom die Fotovoltaikanlage derzeit produziert und wie viel Treibhausgas das Unternehmen eingespart hat, seit die Anlage im Juni 2012 in Betrieb ging. „Das haben wir unseren Mitarbeitern zu verdanken“, erzählt Tobias Frick. „Unabhängig voneinander sind Kollegen vom Schrottplatz und der Verwaltung auf die Geschäftsführung zugekommen und haben vorgeschlagen, die großen Dachflächen an unserem Standort zur Stromgewinnung zu nutzen.“ Den Chefs gefiel die Idee, also stellten sie ein Projektteam zusammen, zu dem auch die Initiatoren gehörten.

Zunächst ließ sich das Team Konzepte erarbeiten, wie sich auf der Dachfläche von mehr als 10 000 Quadratmetern die maximale Stromausbeute erreichen lässt. Bei der Auftragsvergabe war aber nicht nur der Preis ausschlaggebend. „Uns war wichtig, dass die Umsetzung stimmt und die Handwerker aus der Region kommen“, sagt Frick. Er betrachtet die Anlage im Gesamtzusammenhang – sie passt einfach gut zum nachhaltigen Geschäftsmodell: ELG recycelt vor allem Edelstahlschrott, der für neue Edelstahlprodukte verwendet wird. „Das verbraucht im Vergleich zu Primärrohstoffen aus dem Bergwerk über 70 Prozent weniger Treibhausgase.“ Mit der neuen Fotovoltaikanlage ist der Geschäftsführer sehr zufrieden, denn sie spart nicht nur CO2 und Stromkosten: „Das war ein gutes Projekt, und es hat gezeigt, dass wir bei ELG an einem Strang ziehen.“

Solarstrom, den ELG jedes Jahr selbst produziert: 850.634kWh


„In der Stadt der Zukunft wird Nachhaltigkeit zur Lebensgrundlage

Susanne Kopp

Susanne Kopp (28), Produktmanagerin bei KAISER + KRAFT in Stuttgart

Susanne Kopp reist gerne in ihrer Freizeit – am liebsten in die Zukunft. Ihr Lieblingsziel ist die ideale Stadt des 21. Jahrhunderts. Die Stuttgarterin ist Teil eines internationalen Projektteams an der Leuphana Universität, das visionäre Ideen zur Stadtplanung entwickelt.

Warum machen Sie bei diesem Projekt mit?

Ich träume davon, in einer Stadt zu leben, in der die Prinzipien der Nachhaltigkeit die Basis für alles sind. Deshalb habe ich mich für dieses Projekt eingeschrieben, auch wenn Stadtplanung für mich als Betriebswirtin absolutes Neuland ist. Mein Team ist bunt gemischt: drei Deutsche, ein Ägypter und ein Chilene. So lerne ich interkulturell, aber auch methodisch viel dazu.

Wie sieht denn die ideale Stadt aus?

Zunächst haben wir uns im Team auf die Lage geeinigt: Unsere Stadt soll in einer gemäßigten Klimazone Nordamerikas an einem Fluss liegen, mit viel Grün und einem Gebirge drumherum. Die Bevölkerung beläuft sich auf 500 000 bis eine Million Einwohner in der innerstädtischen Region; in der gesamten Metropolregion leben bis zu fünf Millionen Einwohner. Die Wirtschaft soll hauptsächlich vom Dienstleistungssektor getragen werden. Der Name der Stadt ist Mowana, das steht für „MOve toWArds sustaiNAbility“. Nachhaltigkeit ist die Basis. Das spiegelt sich auch im Logo wider: Sustainability ist hier eine Plattform, auf der sieben Säulen stehen, die von den Bürgern zusammengehalten werden. Es ist ganz wichtig, dass die Menschen aktiv mitarbeiten, denn nur dann kann diese Stadt auch funktionieren.

Engagierte Bürger wünscht sich doch jede Stadt?

Wir setzen auf Bildung. Nur, wenn wir gewährleisten, dass die Bürger gut informiert und ausgebildet sind, können sie auch an intelligenten Konzepten wie Elektromobilität mitarbeiten. Gut ausgebildete Menschen lassen sich zudem auch schneller an Arbeitgeber vermitteln. Dadurch ist die Arbeitslosenquote geringer, das korreliert wiederum mit höherer Sicherheit für alle Bewohner in der Stadt.

Welche Ideen haben Sie für das Stadtbild?

Grüne Architektur spielt natürlich eine herausragende Rolle. Es geht darum, Gebäude zu schaffen, die sich je nach Benutzung und Lebenssituation verändern lassen und daher viele Jahre Bestand haben können. Ein Ansatz, den wir ein Stück weit auch in meiner Firma umsetzen. Wir geben ja nicht umsonst fünf Jahre Garantie auf alle Produkte unserer Eigenmarke Active Green. Diese sind hochwertig verarbeitet und langlebig.

5 Mio. Menschen sollen in der idealen Metropole des 21. Jahrhunderts nachhaltig leben können.


„Mein Bakterienzoo spart uns viel Wasser und Energie“

Robin Kasper

Robin Kasper (28), Abwasserbeauftragter bei CWS-boco in Solingen

Es rauscht und gluckert in den Rohren, die Robin Kasper umgeben. Das Wasser stammt ursprünglich aus dem hauseigenen Grundwasserbrunnen. Damit wäscht CWS-boco zunächst die Stoffhandtuchrollen, die das Unternehmen zum Beispiel an Betreiber öffentlicher Toiletten vermietet. Nach dem Waschen wird das Wasser von Flusen befreit und direkt wiederverwendet, um Fußmatten zu reinigen, die das Unternehmen ebenfalls im Mietservice anbietet. Und dann kommt es immer noch nicht in den Abfluss, sondern zu Robin Kasper. Denn Kasper ist in Solingen der Herr über den „Bakterienzoo“. Diese Kleinstlebewesen ernähren sich von den organischen und anorganischen Stoffen im Wasser und bauen sie dadurch ab.

„70 Prozent des Wassers sind dank unserer hungrigen Helfer nach 24 Stunden noch sauberer als Trinkwasser – fast wie destilliert“, erzählt Kasper. Damit bekommt CWS-boco problemlos die weißen Handtuchrollen sauber. Und weil das aufbereitete Wasser bis zu 20 Grad wärmer ist als das aus dem Brunnen, spart das Unternehmen dabei auch noch jede Menge Heizenergie. Kein Wunder also, dass sich Kasper fürsorglich um seine Schützlinge kümmert: Jeden Tag kontrolliert er den Sauerstoffgehalt und die Zahl der Bakterien. Und wenn die Wäscherei am Wochenende stillsteht und die Bakterien kein Abwasser fressen können, erhalten sie von Kasper selbstverständlich Ersatzfutter.

170 m3 Wasser recycelt CWS-boco jeden Tag in der Solinger Wäscherei.


„Ich fahre zu allen Jahreszeiten Fahrrad. Nur, wenn der Schnee zu hoch liegt und die Temperaturen unter minus 16 Grad fallen, nehme ich das Auto“

Lisbeth Davidsson

Lisbeth Davidsson (64), Mitarbeiterin im Kundenservice von Gerdmans in Markaryd, Schweden

„Ich habe eine Dreitagewoche und fahre seit 1991 jeden Arbeitstag zweieinhalb Stunden mit dem Fahrrad. Ich fahre morgens um sechs Uhr los und bin um viertel nach sieben in der Arbeit. Dann frühstücke ich und fange um acht Uhr mit der Arbeit an. Dabei ist es mir sehr wichtig, dass ich die Möglichkeit habe, im Unternehmen zu duschen. Denn die 75 Minuten Radfahren sind so anstrengend, dass man sie mir schon ein wenig ansieht. Für mich ist es eine Frage des Lebensstils, mit dem Fahrrad zu fahren. Jede Jahreszeit hat ihren Charme: Wenn es im November und Dezember dunkel ist, fahre ich einfach meinen Weg entlang. Nur, wenn der Schnee zu hoch liegt und die Temperaturen unter minus 16 Grad fallen, nehme ich das Auto.

Toll ist es, wenn ich durch die Natur fahre, während die ersten grünen Blätter wieder wachsen! Und erst der Duft: Ein Frühlingsmorgen duftet anders als ein Wintermorgen, der wieder anders riecht als ein Herbstmorgen. Ich sehe auch viele Tiere: Elche, Rentiere und Eichhörnchen. Im Frühling ist es wundervoll, wenn die Vögel zu singen beginnen. Außerdem hält mich das Radfahren gesund und ist ein guter Ausgleich zu meiner Arbeit. Da sitze ich nur vor dem Computer. Ich bin froh, dass mein Hobby nicht nur meinem Körper und meiner Gesundheit gut tut, sondern auch der Umwelt: Ich habe in all den Jahren so viel Benzin gespart – da habe ich der Natur einen großen Gefallen getan.“

10kg CO2 spart Lisbeth Davidsson jeden Tag auf dem Fahrrad ein.


„Es sind die kleinen Dinge, die zählen. Da versuche ich, meine Kollegen mitzureißen“

Andreas Burkhardt

Andreas Burkhardt (36), Senior Consultant für Discount Consulting bei GEHE in Stuttgart

Andreas Burkhardt war sehr erstaunt, als er in einer TV-Doku erfuhr, wie viele Bäume dem täglichen Papierverbrauch zum Opfer fallen. Daraus zog der Senior Consultant bei GEHE in Stuttgart für sich Konsequenzen: „Ich probiere, nur die wirklich notwendigen Dinge auszudrucken. Bei Präsentationen drucke ich immer zwei, manchmal vier Seiten auf ein Blatt, natürlich doppelseitig. Das spart 75 Prozent Papier – mit zwei einfachen Einstellungen.“

Doch er weiß: Allein kann er wenig ausrichten. Deshalb hat der Vater von zwei Kindern seine Tipps auch gleich in die Schulungsmaterialien – rund 100 Seiten – für die von ihm geleiteten Vertriebstrainings aufgenommen. Seinen Einsatz erklärt der 36-Jährige mit seinem Alter: „Wahrscheinlich macht man sich über solche Sachen umso mehr Gedanken, je älter man wird. Und gerade als Vater fühle ich mich für den Umgang mit unseren Ressourcen verantwortlich.“ Wie leicht die Natur aus den Fugen geraten kann, weiß der begeisterte Sportler nur allzu gut: „Ich bin vor acht Jahren an einem Korallenriff in Thailand getaucht – der schönste Ort, an dem ich jemals in meinem Leben war.

Vor Kurzem hat mir ein Bekannter erzählt, dass dort jetzt alle Korallen abgestorben sind, weil das Wasser einige Grad wärmer geworden ist.“ Dies spornt Burkhardt an, sein Verhalten zu ändern. „Glas- statt Plastiktaschen kaufen, im Supermarkt keine Plastiktüte nehmen, auf Alufolie verzichten“, zählt er auf. „Ich bin jetzt auch nicht der Super-Öko, echt nicht. Aber ich versuche, die kleinen Dinge zu ändern, die eh nicht sinnvoll sind. Das macht doch wahrscheinlich jeder von uns, oder?“

Anzahl der Bäume, die jeder Deutsche im Durchschnitt jedes Jahr verbraucht: 3